Halberstadt/Magdeburg l Andreas Petersen hat sich Stillschweigen verordnet. Der Sportdirektor des Fußball-Regionalligisten Germania Halberstadt ist ja eigentlich kein stiller Beobachter der Szene. Er ist ein meinungsstarker und vor allem auch mediengewandter Mann mit viel Erfahrung in diesem Business. Umso mehr spricht es für sich, dass sich der 58-Jährige mit öffentlichen Stellungnahmen nun zurückhält. „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, darum gebe ich kein weiteres Statement ab“, sagte er der Volksstimme. „Nur so viel: Mein Anwalt verschafft sich die Faktenlage, alles andere ist Spekulation.“

Es stehen gewaltige Vorwürfe im Raum: Hat der Sportchef der Halberstädter im Vorfeld des Liga-Duells mit Babelsberg 03 am vergangenen Freitag (30. November 2018) versucht, Spieler des Gegners zu beeinflussen, damit die nicht ihre volle Leistung bringen?

Das behaupten gleich mehrere Kicker des Gegners. Und in einem offiziellen Statement stellt sich auch der Potsdamer Verein hinter seine Spieler: „Der Verantwortliche aus Halberstadt hat eingeräumt, unsere Spieler direkt vor dem Spiel kontaktiert zu haben“, heißt es da. „Wir haben diesen Umstand inklusive aller Details direkt vor dem Spiel und unmittelbar an den zuständigen Verband kommuniziert.“

Petersen hatte diese Kontaktaufnahme bereits bestätigt. Da es sich um ehemalige Halberstädter Kicker gehandelt habe, sei es ein branchenüblicher Spaß gewesen. Der „Bild“-Zeitung sagte er wiederum: „Da ging es um Wintertransfers. Und die Spieler haben mir Zahlen zugeworfen.“ Jetzt einen Manipulationsversuch zu konstruieren, sei eine Schmutzkampagne. Als juristischen Beistand hat sich Petersen Horst Kletke aus Frankfurt/Main an die Seite geholt, einen absoluten Fachmann auf dem Gebiet des Sportrechts. Er ist Experte für Arbeitsrecht und hat schon einige schlagzeilenträchtige Prozesse im Profi-Fußball geführt.

Der Vorwurf der Schmutzkampagne wiederum bringt die Babelsberger auf die Palme. „Alle nachlaufenden Erklärungen des Verantwortlichen aus Halberstadt für die Kontaktaufnahme und dessen Vorwürfe gegen unseren Verein weisen wir in aller Schärfe zurück. Dies betrifft vor allem den Vorwurf einer ,Schmutzkampagne‘ gegen direkt Beteiligte oder Dritte“, heißt es aus Babelsberg. Und weiter: „Was den Grund sowie Inhalt der Kontaktaufnahme durch den Verantwortlichen aus Halberstadt angeht, hat der Verein nicht den geringsten Anlass, an den Darstellungen der betroffenen Spieler zu zweifeln.“

Babelsberg weist Vorwurf zurück

Im Fachmagazin „Kicker“ konkretisierte 03-Vereinspräsident Archibald Horlitz diese Darstellungen der Spieler: „Wir wissen bisher von zwei Gesprächen, bei einem weiteren Spieler wurde versucht, ihn anzusprechen. Dabei wurden höhere Geldsummen im vier- bis fünfstelligen Bereich geboten.“

Bei Germania Halberstadt ist der Vereinspräsident derweil bemüht, nicht noch weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Erik Hartmann erklärte gegenüber der Volksstimme, er habe am Sonnabend über die sozialen Medien von der mutmaßlichen Spielmanipulation gehört. „Zum Spiel am Freitagabend in Babelsberg war ich nicht anwesend.“ Hartmann, selbst Anwalt, will sich zunächst ein Bild machen und „zum Sachverhalt keine Stellung nehmen“. Am Sonntag führte er ein Telefonat mit Andreas Petersen.

Hartmann möchte bei der Aufklärung mithelfen. „Persönlich und als Präsident des VfB bekenne ich mich zum Fairplay in allen Ausprägungen.“ Zu den ehemaligen Germania-Fußballern, die mit ihren Aussagen den Stein ins Rollen brachten, kann er nichts sagen. „Ich kenne sie nicht persönlich, sie waren vor meiner Zeit in Halberstadt aktiv.“ Neben Tom Nattermann, mit 15 Treffern derzeit zweitbester Torjäger der Regionalliga Nordost, haben mit Philipp Saalbach und Manuel Hoffmann zwei weitere Akteure des aktuellen Babelsberg-Kaders eine Halberstädter Vergangenheit.

Eines kündigte Hartmann allerdings an: Er wolle schnellstmöglich die Gremien des Vereins tagen lassen. „Es wird eine Präsidiums- und eine Aufsichtsratssitzung geben, vorher wird sich der Verein öffentlich nicht weiter äußern.“

Der für die Regionalliga zuständige Verband NOFV ermittelt inzwischen offiziell. „Das Präsidium des NOFV hat die Eröffnung eines Verfahrens beim Sportgericht beantragt, das die Ermittlungen aufgenommen hat“, heißt es. „Zum laufenden Verfahren gibt es zunächst keine weiteren Erklärungen des Verbandes.“

Auch Andreas Petersen selbst wird sich solange zur Sache nicht mehr äußern. Abtauchen aber will der Sportchef des VfB Germania Halberstadt nicht. Am kommenden Wochenende, so betonte er, werde er deshalb auch wie geplant an der Weihnachtsfeier des Regionalligisten teilnehmen.