Bremen (dpa) - Als der Schiedsrichter die Partie Gladbach gegen Hoffenheim abgepfiffen hatte, war der Tag für Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc endgültig perfekt.

Erst der eigene 2:0-Sieg bei Werder Bremen und die damit verbundene erfolgreiche Revanche für das Aus im DFB-Pokal Anfang des Monats. Dann die Punktverluste des Konkurrenten aus Gladbach beim 1:1. Zorc, der die Schlussphase des Gladbacher Spiels in den Katakomben des Bremer Weserstadions am Fernseher verfolgt hatte, war sehr zufrieden. "Ich denke, die Mannschaft hat es heute gut gemacht", sagte Zorc, der mit dem BVB damit aussichtsreich im Titelrennen bleibt.

Für die Bremer machte der Blick auf die anderen Resultate dagegen aus einem durch die eigene Niederlage eh schon schlechten einen richtig miserablen Tag. Der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt bereits fünf Punkte, die Spiele werden immer weniger. Es ist nicht mehr viel, was für eine Rettung der Norddeutschen spricht. "Wir müssen jetzt unbedingt punkten, um danach noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben", sagte Bremens Trainer Florian Kohfeldt mit Blick auf die nun anstehenden Partien gegen Frankfurt und bei Hertha BSC.

Werder wird diese entscheidenden Spiele weiter mit Kohfeldt angehen, denn Geschäftsführer Frank Baumann wiederholte sein Treuebekenntnis zum Coach. "Wir reden weiter mit dem Trainer und nicht über den Trainer", sagte Baumann nach der fünften Bremer Niederlage in Serie, der insgesamt neunten Pleite in den vergangenen zehn Spielen. Die einstige Festung Weserstadion ist längst zum Selbstbedienungsladen verkommen. Das 0:2 gegen Dortmund war die sechste Heimpleite in der Fußball-Bundesliga nacheinander. So schlecht waren die Norddeutschen im Weserstadion noch nie.

Baumann glaubt dennoch weiter an den Klassenerhalt. "Viele haben uns bereits abgeschrieben, das spornt mich und uns zusätzlich an", sagte der Ex-Profi. "Wir können und wir werden es schaffen. Die Überzeugung haben wir nach wie vor." Das sieht auch Kohfeldt so. "Wir sehen uns im nächsten Jahr", verabschiedete sich der Werder-Coach von seinem Trainerkollegen Lucien Favre.

Vor 42.100 Zuschauern erzielten Dan-Axel Zagadou (52. Minute) und Erling Haaland (66.) die Treffer für die Dortmunder, denen nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit eine dezente Leistungssteigerung nach der Pause und eine stabile Defensive reichte, um rund drei Wochen nach dem 2:3 im Achtelfinale des DFB-Pokals die drei Punkte mit auf die Heimreise zu nehmen. "Wir sind zufrieden mit der Woche", sagte Favre angesichts der Siege gegen Frankfurt, Paris Saint-Germain und nun Bremen.

Favre hatte jener Mannschaft vertraut, die am Dienstag in der Champions League gegen Paris Saint-Germain mit 2:1 gewonnen und dabei überzeugt hatte. Erstmals in seiner Dortmunder Amtszeit setzte der Schweizer damit drei Mal in Serie auf die gleiche Anfangself.

Weil Werder eine Halbzeit lang sehr diszipliniert verteidigte, hat sich Dortmund lange schwer. "Es war wichtig, dass wir in dieser Phase die Ruhe bewahrt und nicht die Nerven verloren haben", sagte Favre. Nach der Pause wurden die Dortmunder dann zwingender. Nachdem Haaland zunächst noch eine Großchance vergeben hatte, gingen die Gäste nach der folgenden Ecke in Führung. Zagadou drückte den Ball in der Mitte über die Linie.

Wieder einmal liefen die Bremer fortan einem Rückstand hinterher. Ein in dieser Saison nahezu aussichtsloses Unterfangen. Auch dieses Mal kam Werder nicht mehr zurück. Stattdessen machte Haaland nach schöner Kombination über Sancho und Achraf Hakimi alles klar.

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