Fußball-Nationalmannschaft Ter Stegen passiert „das Schlimmste“: WM-Plan durchkreuzt
Was für ein Tiefschlag für Marc-André ter Stegen. Der Nationaltorwart muss nach seiner Oberschenkel-OP mehrere Monate pausieren. Die erste WM als Nummer 1 entwickelt sich dadurch (wohl) zur Utopie.

Frankfurt/Girona - Marc-André ter Stegen reichte ein Satz mit fünf Wörtern, um sein ganz persönliches Torwart-Drama auszudrücken. „Letztes Wochenende passierte das Schlimmste“, schrieb er an seine Fans.
Der Fußball-Nationaltorwart ahnt schon vor der am Freitag anstehenden Operation am Oberschenkel, welche weitreichenden Konsequenzen die nächste schwere Verletzung für ihn haben dürfte: Sein Plan, sich beim FC Girona für die WM in Topform zu bringen und dann im Sommer in Amerika endlich sein erstes großes Turnier als Nummer 1 im DFB-Tor zu bestreiten, ist wohl schon vier Monate zuvor durchkreuzt worden.
Auch wenn immer noch ein Hoffnungsschimmer besteht, sprechen die Fakten und die Zeit gegen den Mann, der in der DFB-Auswahl über ein Jahrzehnt immer im Schatten von Deutschlands Rekordtorhüter Manuel Neuer stand.
Am Donnerstag meldete sich ter Stegen nach der im zweiten Spiel für Girona erlittenen Blessur via Instagram zu Wort. Und was der Nationaltorhüter zu berichten hatte, klang desillusionierend. Er werde „mehrere Monate“ ausfallen, schrieb der 33-Jährige. Es ist ein Statement der Niedergeschlagenheit.
„Diese Herausforderung ist besonders schwer“
„Ich bin ein positiver Mensch. Ich hatte schon immer diese Einstellung und habe sie bei jeder Herausforderung, der ich mich stellen musste, beibehalten, aber diese Herausforderung ist besonders schwer für mich“, schrieb ter Stegen.
Die WM erwähnt er mit keinem Wort. Er beließ es dabei, dass sich seine Rolle beim FC Girona durch die Verletzung „komplett geändert“ habe. Dorthin war er gerade erst vom großen FC Barcelona gewechselt, um die von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM geforderte Spielpraxis zu erlangen.
Könnte er auch jetzt noch - falls ein Comeback im April oder Mai gelingt - auf eine ausreichende Anzahl an Spielen kommen, die es Bundestrainer Julian Nagelsmann erlaubt, ihn beim am 11. Juni beginnenden Turnier ins Tor zu stellen? „Er kann einem nur leidtun. Wir alle würden es ihm so gönnen, dass er bei der WM dabei ist“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler der „Bild“ (Donnerstag).
Wie zuvor Nagelsmann versicherte auch Völler, dass „wir alle“ hinter Pechvogel ter Stegen stehen. „Marc war gerade wieder zurück und auf einem richtig guten Weg, wir haben uns sehr auf seine Rückkehr in die Nationalmannschaft gefreut. Jetzt müssen wir weiter auf ihn verzichten. Aber für Marc persönlich ist dieser Rückschlag natürlich noch viel härter“, hatte Nagelsmann mitgeteilt.
Baumann ist jetzt mehr als ein Platzhalter
Der Rückschlag ändert aber auch beim DFB alle bisherigen Torhüter-Pläne und die bisher gültigen Absprachen zwischen Nagelsmann und ter Stegen. Der Hoffenheimer Oliver Baumann (35) ist plötzlich nicht mehr nur Platzhalter für die virtuelle deutsche Nummer 1.
Wenn Nagelsmann am 23. März den DFB-Kader erstmals im WM-Jahr für die Länderspiele in Basel gegen die Schweiz und in Stuttgart gegen Ghana im fränkischen Herzogenaurach versammelt, wird ter Stegen fehlen. Es ist der letzte Lehrgang vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders Mitte Mai.
„Ich werde zurückkommen“, kündigte ter Stegen immerhin kämpferisch an. Aber wann? Und in welches Tor? Das von Girona? Ins DFB-Tor bei der WM? „Trainieren und spielen“, das sei für einen Athleten „die größte Freude“, äußerte ter Stegen. OP und Reha heißt vorerst wieder sein Programm.
Am 26. Mai 2012 stand er bei einem 3:5 gegen die Schweiz in Basel erstmals im deutschen Tor. Im dortigen St. Jakob-Park sollte 14 Jahre später beim Test gegen die Eidgenossen sein WM-Traum konkret werden. Doch dazu kommt es für ter Stegen nach vier großen Turnieren ohne jeden Einsatz (EM 2016, WM 2018, WM 2022, EM 2024) nicht. Schon seit November 2023 bremsen ihn immer neue Verletzungen aus. Zweimal war es der Rücken, dazwischen zwang ihn ein Riss der Patellasehne im Knie monatelang in den Krankenstand.
Fast 450 Tage fiel der Torwart zusammengerechnet aus. Fast 100 Spiele verpasste er in dieser Zeit im Verein und für Deutschland. Bei den Niederlagen gegen Portugal und Frankreich beim Final Four der Nations League im Juni 2025 bestritt er seine letzten von insgesamt 44 Länderspielen.
Nagelsmanns neuer Blick auf Neuer kontra Baumann
Nagelsmann und Völler vermieden in ihren Stellungnahmen zu ter Stegen klare WM-Aussagen. „Im Moment zählt nur: Gesund werden, in Ruhe und ohne Druck“, äußerte der Bundestrainer. Am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) dürfte auch Nagelsmann nun mit anderen Augen nach München schauen: Denn da tritt im Bundesliga-Topspiel Oliver Baumann mit der TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern und Neuer an.
Neuer war Nagelsmanns Nummer 1 bei der Heim-WM 2024. Danach hatte Neuer seine DFB-Karriere beendet. Ein WM-Comeback des Weltmeisters von 2014 war bislang kein Thema. Bleibt es dabei? Am 27. März, wenn Deutschland in Basel zum WM-Test gegen die Schweiz antritt, feiert Neuer seinen 40. Geburtstag.