Mönchengladbach (dpa) - Lange Zeit spielte Jonas Hofmann bei Borussia Mönchengladbach keine große Rolle. Erst Dieter Hecking besann sich der Fähigkeiten des im Januar 2016 verpflichteten Offensivspielers und förderte den begabten Profi.

"Ich habe ihn früher schon immer gerne spielen sehen. Er bringt als kompletter Fußballer alles mit", erklärte der Gladbach-Trainer nach der tollen Toreshow des 26-Jährigen, der mit seinem ersten Karriere-Dreierpack wesentlich zum Höhenflug des neuen Bundesliga-Tabellenzweiten beitrug.

"Jetzt kann eigentlich nur noch ein Viererpack kommen", sagte Hofmann nach dem 4:0 (1:0)-Erfolg gegen den FSV Mainz 05. "Eine große Nacht für Jonas", befand Mitspieler Thorgan Hazard, der einen Treffer zum Sieg beisteuerte.

Hofmann, der sich im neuen 4-3-3-System der Gladbacher einen festen Platz auf der Achter-Position erarbeitet hat, ist ein gutes Beispiel für den Instinkt des Trainers, der mit seinen bisweilen schwierigen Personalentscheidungen meist gut lag. Auch bei Hofmann. "Das kommt alles mit dem Selbstvertrauen. Ich darf immer spielen", sagte der frühere Junioren-Nationalspieler.

Hecking hatte Stärken und Schwächen des gebürtigen Heidelbergers rasch erkannt. "Er ist schnell, laufstark und taktisch gut geschult, aber alles auf dem Platz ist auch eine Frage des Selbstvertrauens", meinte Borussias Trainer. "Er hat die schwierigste Phase seiner Karriere hinter sich und blüht jetzt richtig auf."

Doch nicht nur die Torgala von Hofmann, auch die Rückkehr von Kapitän Lars Stindl, der oft die vorletzten Pässe vor einem Torerfolg spielt, und die Entwicklung von Florian Neuhaus, der mit fünf Assists einer der besten Vorbereiter der Bundesliga ist, haben die Borussen in die Spitzengruppe gebracht. Dazu zählt auch die Systemumstellung. "Das kommt uns sehr zugute. Wir definieren uns variabel", erklärte Stindl. "Wir sind defensiv gut und vorne eiskalt", sagte Hofmann.

Hecking verwies auf die Klasse seiner Einzelspieler. "Als ich am Freitag im Training ein Spiel Elf gegen Elf beobachtet habe, dachte ich noch, das ist eine ungeheure Qualität." Da muss der Coach auch Entscheidungen moderieren, die nicht für jeden Spieler angenehm sind. So wurde die beim 3:0 in München siegreiche Mannschaft auf einer Position verändert: Für Christoph Kramer rückte Tobias Strobl auf die zentrale Mittelfeldposition.

"Es ist immer eine Frage, wie die Spieler damit umgehen. Es ist nicht leicht, Christoph Kramer nach dem Sieg in München zu sagen, du spielst nicht", meinte Hecking. "Aber die Jungs akzeptieren das, obwohl sie enttäuscht sind. Darum sind für mich gerade die wichtig, die nicht gespielt haben. Denn diese Spieler halten die Qualität im Training sehr hoch und sorgen dafür, dass sich jeder strecken muss, um zu spielen", befand der Fußball-Lehrer.

Bis zum Spiel in Freiburg am Freitag wird die Konkurrenz noch größer: Der zuletzt angeschlagene Raffael könnte wieder zum Team stoßen und die Qualität damit weiter erhöhen.

Hofmann-Interview