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Handball-EM Eine Prise Dolce Vita: Hannings EM-Debüt mit Italien

Bob Hanning führt Italiens Handballer erstmals seit 1998 zurück auf die EM-Bühne. Was zum Trumpf der Azzurri werden könnte und was Hannings Sommer-Anekdote aus Südtirol verrät.

Von Jordan Raza, dpa 15.01.2026, 08:21
Italiens Nationaltrainer Bob Hanning hat einen Vertrag bis 2029. (Archivbild)
Italiens Nationaltrainer Bob Hanning hat einen Vertrag bis 2029. (Archivbild) Soeren Stache/dpa

Kristianstad - Ein wenig Italiener steckt inzwischen auch in Bob Hanning. „Dieses andere Lebensgefühl hat mich beeindruckt. Entspannter durch den Tag gehen und trotzdem den Fokus auf die Ziele nicht verlieren, das habe ich aus den ersten Monaten mitgenommen. Und kein Cappuccino mehr nach dem Mittagessen“, sagte der 57-Jährige im dpa-Gespräch und verwies schmunzelnd auf die kulinarischen Vorzüge des Landes: „Die Zubereitung von Nudeln und Risotto ist auch nochmal eine ganz andere“.

Ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Hanning seine umfangreiche Handball-Vita um das Amt des italienischen Nationaltrainers erweitert hat. „Ich bin das Beste, was Italien passieren konnte, weil ich weiß, wie Erfolg funktioniert. Und auf der anderen Seite geben mir die Spieler und der Verband alles das, wonach ich mich sehne“, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin und beschrieb die für ihn perfekte Symbiose. 

Wer sind die EM-Gegner in der Vorrunde?

Hannings erster Leistungsnachweis ließ nicht lange auf sich warten: Der frühere DHB-Vizepräsident führte Italien erstmals seit 1998 wieder zu einer EM und trifft im schwedischen Kristianstad an diesem Freitag (18.00 Uhr/Dyn) auf Island. Weitere Vorrundengegner sind Ungarn und Polen. „Unser Ziel ist die Hauptrunde. Ich setze mir lieber hohe Ziele, als nur über ein Stöckchen zu springen. Alle glauben daran, etwas erreichen zu können. Keiner sagt: Wir sind das kleine Italien“, berichtete Hanning über den Glauben innerhalb des Teams.

Zu der Vision der deutschen Handball-Ikone gehört, den Stellenwert des Sports in Italien auf ein anderes Level zu bringen. Fußball, Tennis oder Ski Alpin verdrängen das Spiel mit der Harzkugel noch an den Rand des öffentlichen Interesses. „Als ich im Sommer in Meran war, wollten rund 40 Leute ein Foto, aber es war kein Italiener dabei, weil man dort völlig unbekannt ist. Das waren Touristen“, berichtete Hanning, der die Italiener meist auf Englisch coacht. 

„Handball in Italien ist Familie“

Italiens größter Trumpf im Vergleich zur Konkurrenz könnte der ausgeprägte Zusammenhalt sein. Die enge Verbundenheit zur Familie, die Freude an Geselligkeit und die gemeinsame Leidenschaft für gutes Essen prägen nicht nur die Kultur des Landes, sondern können auch die Mannschaft stärken. „Handball in Italien ist Familie und die Spieler pflegen ein besonderes Miteinander. Keiner springt nach dem Essen gleich auf, sondern man trinkt eben noch einen Espresso zusammen, unterhält sich und sitzt einfach noch ein bisschen zusammen“, sagte Hanning über die Mentalität der Südeuropäer.

Die Herausforderung bestehe für ihn nun darin, diese Kultur zu bewahren und zugleich nötige professionelle Strukturen zu etablieren. „Es gehört sich, dass ich mich ein Stück weit zurücknehme, weil ganz viel Stärke in diesem Team kommt aus diesem Familiensinn. Du musst nur gucken, dass du nicht zu viel Familie hast und auch mal konsequent Veränderungen einforderst“, erläuterte Hanning seine Vision.

Füchse-Profi Prantner: „Bob ist entspannt, aber...“

Wohl niemand im italienischen Team kennt den 57-Jährigen so gut wie Leistungsträger Leo Prantner. Schließlich arbeitet Hanning mit dem Rechtsaußen Woche für Woche in Berlin zusammen. „Bob ist sehr entspannt, aber hat klare und hohe Ziele und verlangt von uns allen, dass wir uns diesen mit voller Überzeugung verschreiben. Dieses Mindset kann die Mannschaft auf ein neues Niveau heben“, mutmaßte der Südtiroler, der bei der WM Italiens bester Werfer war.

Eine prall gefüllte Handball-Historie kann Italien nicht vorweisen. Nach der ersten WM-Teilnahme 1997 und dem EM-Debüt ein Jahr später verschwand man von der internationalen Bühne. 2025 dann das WM-Comeback, das die Italiener mit dem historischen Einzug in die Hauptrunde krönten. „Wir sind nicht mehr das kleine Italien, sondern können auch größere Mannschaften schlagen“, schickte Torhüter Domenico Ebner vom SC DHfK Leipzig als Kampfansage an die Gegner.