Frank Carstens ist um seinen derzeitigen Job als "Aufbau-Trainer" beim SCM nicht zu beneiden. Nach den Niederlagen gegen Balingen und in Göppingen gilt es, den am Boden liegenden Spielern wieder Leben, Ideen und vor allem Selbstbewusstsein einzuhauchen. Und das so schnell wie möglich, denn schon morgen lauert mit Ahlen-Hamm der nächste Stolperstein (20.15 Uhr/Bördelandhalle).

Magdeburg/Göppingen. Die desolate Leistung von Göppingen hatte die Spieler wortlos gemacht. Wie geprügelte Hunde verließen sie mit hängenden Köpfen das Schlachtfeld, auf dem die Hausherren ihrerseits "die beste Saisonleistung" mit einem Freudentänzchen feierten. "Tut mir leid", brachte Stian Tönnesen, der als Denker und Lenker des Spiels nicht gerade seine beste Visitenkarte abgegeben hatte, gerade noch heraus, um dann im Nieselregen Richtung Mannschaftsbus zu verschwinden. Frei nach dem Motto: Nur schnell weg hier ...

Und auch das "am Mittwoch gewinnen wir" von Kapitän van Olphen, das wie eine Kampfansage wirken sollte, klang um Mitternacht auf einem Rastplatz irgendwo auf der A 9 doch eher nach dem Pfeifen im Walde ...

Doch was soll man auch dazu sagen, wenn man nicht nur verliert (was bei den überaus heimstarken Göppingern an sich keine Schande wäre), sondern sich weitgehend kampflos demontieren lässt. Wenn man sich infolge von über 30 (!) Fehlern im Angriff gerade einmal zu elf Feldtoren aufraffen kann, kein Spieler Normalform hat und sogar die Defensive inklusive Torhüter, auf die bisher in dieser Saison fast immer Verlass war, ein Schatten ihrer selbst war?

Einer, der sich nicht um Antworten drücken konnte und auch wollte, war Frank Carstens. Zunächst beklagte der 39-jährige Coach in der obligatorischen Pressekonferenz die "unterirdische Angriffsleistung", ein "Formtief der linken Seite" sowie das "fehlende Zusammenspiel zwischen Deckung und Torhüter". Dann lobte er den Gegner dafür, sich "taktisch gut auf unsere Angriffsleistung vorbereitet und das Laufspiel unterbunden zu haben". Anschließend machte sich der Trainer noch auf dem Heimweg an die Analyse, studierte die Statistik und zerlegte das "Grottenspiel" am Laptop in seine wenig erbaulichen Einzelteile.

Gestern dann stellte Carstens ohne Umschweife fest, dass "uns diese Niederlage alle erschüttert hat". Aber es gäbe eben diese Tage, wo alles Negative zusammenkommt und nichts läuft. "Und dann sucht man hinterher nach Ursachen, die man ja nur auszuschalten braucht, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Aber wenn das so einfach wäre, solche Ursachen zu finden ..."

Was aber trotz kollektiven Blackouts gar nicht gehe, sei, sich kampflos zu ergeben, redet Carstens Klartext: "Wir haben uns zu wenig dagegen gewehrt, dass man uns filetiert. Statt die Schultern hängen zu lassen und Alibipässe zu spielen fordere ich mehr Aufbegehren."

In dieser Situation Wege zu finden, wie man es besser machen könnte, betrachtet Carstens als seine Pflicht: "Als Trainer stehe ich in der Verantwortung und muss eine Orientierung geben, wie es weitergeht. Und entscheidend aus meiner Sicht ist, dass wir uns auf das besinnen, was uns in den guten Spielen vor der Länderspielpause stark gemacht hat: Das heißt, Laufbereitschaft, Einsatz, Kampfgeist, Selbstbewusstsein sowie den Mut und die Entschlossenheit in unseren Angriffshandlungen." Und dann schlägt der "Leisetreter" ungewöhnlich harte Töne an: "Das Spiel gegen Ahlen-Hamm muss, ich betone, muss, gewonnen werden."