Magdeburg l Der entscheidende Wurf von Michael Damgaard zum Siegtor in letzter Sekunde war auf der Rückfahrt von Leipzig nach Magdeburg im SCM-Bus noch einige Male zu sehen. Und während es live richtig kribbelte, konnten sich die Verantwortlichen und Spieler bei der Wiederholung gelassen zurücklehnen.

SCM-Trainer Wiegert freut sich

„Der Ball war so scharf geworfen, dass eigentlich kaum richtig zu sehen ist, wo er einschlägt. Aber das ist eben die individuelle Klasse von Mika. Wie er danach so verschmitzt lächelte, das hat mich richtig gefreut“, erzählte Trainer Bennet Wiegert tags darauf.

Wischpause half dem SCM

Nachdem die Magdeburger zuletzt auch viel hatten leiden müssen, kam dieses Mal alles Handball-Glück zusammen. Statt die Zeit ablaufen zu lassen und auf direkten Freiwurf zu entscheiden, hatten die Schiris die Uhr gestoppt und eine Wischpause angeordnet. Dadurch waren noch drei Sekunden zu spielen, und der Trainer konnte von außen noch mal Anweisungen geben. Wiegert: „Es gab ja auch die Variante, den Ball noch mal an den Kreis zu bringen, um notfalls einen Siebenmeter rauszuholen. Aber ich wollte, dass Mika den Ball bekommt und einfach wirft.“

Einen Punkt hatte der SCM ja sicher, an den nach schwachen 40 Minuten und einem Fünf-Tore-Rückstand (13:18) kaum noch einer geglaubt hatte. Wiegert: „Bei diesem Rückstand war ich nervöser als beim letzten Angriff. Wir haben bis dahin ja auch nicht gut gespielt und mussten taktisch etwas verändern. Mit zwei Kreisspielern ging das ganz gut auf. Dadurch musste Leipzig in der Abwehr passiver werden, und wir konnten das Spiel zum Glück drehen.“

Schwerer Auftakt in 2019

Und den Jahreswechsel retten. Wiegert: „Dieser Sieg gibt uns ein ganz anderes Gefühl für die Punktspielpause. Wir haben einen hohen Aufwand betrieben und wurden dafür in letzter Sekunde belohnt. Dadurch können wir alle mal richtig durchatmen und auch ganz anders in die Rückrunde gehen.“ Dort haben es mit Melsungen und Kiel die ersten zwei Gegner ja auch in sich.

Wann die Spieler, die nicht bei der WM dabei sind, wieder antreten müssen, hat der Trainer noch nicht endgültig entschieden. „Wie die Mannschaft über Weihnachten mitgezogen hat und sich in Leipzig noch mal reingehängt hat, war fantastisch. Das hat eigentlich einen kleinen Bonus beim Urlaub verdient. Ich muss aber noch schauen, ob das in die Planungen passt“, sagt Wiegert, der jetzt das Versprechen an seine Familie einlöst und das Handy über den Jahreswechsel ausschaltet.

Musche überraschte alle

Offizieller Trainingsbeginn ist bisher Montag, der 14. Januar. Möglicherweise geht es aber auch erst am 16. Januar wieder los. Nur nicht für Matthias Musche. Der spielt an diesen Tagen entweder gegen Russland oder bereitet sich auf das letzte Vorrundenspiel gegen Serbien vor. Dass er aber in Leipzig überhaupt noch mal dabei war, grenzte an ein kleines Wunder. Nachdem der 26-Jährige gegen die Füchse mit seinem linken Sprungbein umgeknickt war, konnte er über Weihnachten vor Schmerzen kaum laufen. Doch weil es nach der MRT-Untersuchung am Donnerstag keine schlimme Diagnose gab und die Bänder unversehrt geblieben waren, reiste Musche der Mannschaft hinterher. Wiegert: „Er stand dann plötzlich gegen 18 Uhr in der Kabine und wollte unbedingt spielen.“

Kurzeinweisung in der Kabine

Musche kann sich mit der WM im eigenen Land einen Traum erfüllen, stellte das aber hintenan und ging für seinen SCM trotz dickem Tape, Bandagen und schmerzstillenden Tabletten voll ins Risiko. Wiegert: „Hinzu kam ja, dass er über Weihnachten nicht nur nicht trainieren konnte. Er war ja auch bei keiner einzigen Videobesprechnung dabei. Aber bei Matze reichen ja zum Glück drei, vier Schlagwörter, damit er weiß, wie wir spielen wollen.“

Am Ende hatte Musche wie Damgaard sechs Tore geworfen. Und das Wichtigste war sein verwandelter Siebenmeter zum 24:23. Wiegert: „Der war vorentscheidend. Denn dadurch wussten wir, dass wir auf jeden Fall einen Punkt mitnehmen werden.“ Aber am Ende lächelten Damgaard und seine Kollegen sogar über zwei Punkte.

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