Göppingen l Vor der Partie gab es, wie im europäischen Handballwettbewerb üblich, ein Andenken vom Gastgeber. Jeder SCM-Spieler bekam eine Tüte in die Hand gedrückt. Darin u.a. ein Fläschchen Wein. Danach wurde sich nichts mehr geschenkt, und das innerdeutsche Duell entwickelte sich zu einer Europacup-Schlacht – inklusive einer im Fanblock wehenden Europafahne.

Wind machten auch die Gastgeber von Beginn an (3:1/9. Minute). Und sie überstanden auch die kritische Phase, als der SCM zum 8:8 ausgleichen konnte (18.). Von da an gaben sie die Schlagzahl vor. Dass am Ende auf den mit 4200 Zuschauern dichtbesetzten Rängen eine „fantastische Stimmung“ herrschte, „die in der entscheidenden Phase Druck auf Magdeburg erzeugte“, wie Göppingen-Coach Magnus Andersson konstatierte, dafür hatte sein Team mit einem energischen Schlussspurt gesorgt.

Selbstkritik beim SC Magdeburg

Diesem hatten die bis dahin um jedes Tor ringenden Magdeburger letztlich nichts mehr entgegenzusetzen, nachdem sie sich zuvor aus einem Vier-Tore-Rückstand zum 20:21 herangekämpft hatten (47.). „Dass wir die Schlussphase mit 4:0 für uns gestalten konnten, war entscheidend“, stellte Andersson heraus. Betonte aber auch: „Das war nur eine Halbzeit, mehr nicht. Wir müssen in Magdeburg konzentriert sein, denn wir wissen, wie dort die Halle hinter der Mannschaft steht, da müssen wir einen kühlen Kopf behalten.“

An der Sechs-Tore-Hypothek zu knabbern hatte indes SCM-Trainer Bennet Wiegert: „So kurz nach dem Spiel fällt eine Analyse schwer, aber die Höhe des Ergebnisses ist für uns enttäuschend. Unsere Marschroute war nicht, ein gutes Ergebnis zu erzielen, sondern wir wollten gewinnen.“ Aber, so ehrlich müsse man sein, der SCM sei „60 Minuten für einen Sieg nicht in Frage gekommen“. Das letzte Tor kurz vor dem Abpfiff von Tim Kneule tue besonders weh, so Wiegert: „Statt fünf sind es nun sechs Tore Rückstand und eine richtige Aufgabe für uns. Aber dieser werden wir uns stellen. Wir werden das Spiel nicht abschenken.“

Kampfgeist beim SC Magdeburg

Das unterstrichen auch die Aussagen der Spieler, bevor sie eiligst zum Stuttgarter Flughafen düsten. Weil in der englischen Woche jede Minute Regenerationszeit zählt, hatte sich der SCM den Luxus eines Charterflugs geleistet. „Vom Gefühl her war mehr drin“, war Jens Schöngarth „angefressen“. „Wir haben das Spiel beim 20:21 aus der Hand gegeben, haben in der Abwehr zu passiv gestanden und einfache Tore durch die Mitte kassiert.“ Dennoch habe man das Schicksal selbst in der Hand: „Es ist noch nichts verloren. Wir müssen am Mittwoch alles in die Waagschale werfen, was wir haben.“

Auch Nemanja Zelenovcic, mit fünf Toren drittbester SCM-Schütze hinter Robert Weber und Michael Damgaard (je 6) meinte: „Wir müssen spielerisch noch besser werden. Sechs Tore hört sich viel an, aber ich glaube zu 100 Prozent daran, dass wir das aufholen können. Gut ist, dass wir genau wissen, was das Problem war.“

Und Torhüter Dario Quenstedt ergänzte: „In der Crunchtime haben wir Fehler gemacht, nicht mehr kompakt genug gestanden. Das ist ärgerlich. Dennoch habe ich niemanden in der Kabine gesehen, der daran zweifelt, dass wir das noch schaffen.“

Gut möglich, dass die Göppinger am Mittwoch in ihrer Geschenke-Box ein großes Trostpflaster finden ...

Göppingen: Tatai, Rebmann: Kraus 3, Kneule 3, Schöne 3, Späth 2, Barud 1, Sesum 3, Fantaine 2, Kaufmann 2, Berg, Schiller 5, Rentschler 2, Pfahl 5

Magdeburg: Quenstedt, Green – Musa, Rojewski, Musche 2, van Olphen 1, Bagersted, Bezjak 1, Haaß 2, Grafenhorst 1, Weber 6/4, Schöngarth 1, Damggard 6, Zelenovic 5, Lemke

Schiedsrichter: Olesen/Gramm Pedersen (Dänemark). Zuschauer: 4200. Siebenmeter: Göppingen 2/2, SCM 4/4. Zeitstrafen: 4/5.