Magdeburg l Im Mannschaftsbus des SC Magdeburg sind nach dem 29:27 in Stuttgart drei Plätze leer geblieben. Während die Teamkollegen nach Magdeburg zurückfuhren und sich dort über zwei freie Tage freuen können, flog das schwedische Trio Daniel Pettersson, Albin Lagergren und Tobias Thulin direkt nach Hamburg. Dort trifft sich heute die schwedische Nationalmannschaft, um sich auf das Olympia-Qualiturnier Mitte April in Berlin vorzubereiten.

Und Thulin kommt mit einem besonders guten Gefühl zum Lehrgang. Denn was der Torwart beim Sieg in Stuttgart gehalten hat, war beeindruckend. Phasenweise hatte der 24-Jährige eine Fangquote von fast 70 Prozent. Am Ende wurde er in der offiziellen Statistik der Bundesliga mit 55 Prozent geführt. Ein ganz starker Wert, mit dem er im direkten Duell sogar Jogi Bitter in den Schatten stellte und deutlich machte, dass der SCM hier ein großes Talent an Land gezogen hat.

Svensson lobt seinen Landsmann

Dementsprechend zufrieden ist auch Torwart-Trainer Tomas Svensson. „Es ist eine schöne Bestätigung für alle, dass er auf einem guten Weg ist. Gegen Stuttgart hat er gemeinsam mit Michael Damgaard den Ausschlag für den Sieg gegeben“, lobt Svensson. Der Coach und Landsmann von Thulin war übrigens auch ein wesentlicher Grund, warum der Torhüter sich im vergangenen Sommer für den Wechsel von Redbergslids nach Magdeburg entschied.

„In der Bundesliga zu spielen, war immer ein Traum von mir. Und mich dabei unter einem Torwarttrainer wie Tomas Svensson weiterentwickeln zu können, hat meine Entscheidung beeinflusst“, verriet Thulin bei seiner Vorstellung in Magdeburg.

Thulin bleibt bescheiden

Obwohl er schnell die Herzen der Fans eroberte und gleich zu Saisonbeginn beim Sieg gegen Kiel eine starke Leistung bot, bleibt er bescheiden. So will er auch die Glanzleistung von Stuttgart nicht überbewerten. Thulin: „Unsere Abwehr hat es richtig gut gemacht. Dadurch waren einige Bälle auch leicht zu halten.“

Doch das sieht selbst Svensson, der stets kritisch auf seine Schützlinge blickt, etwas anders. „Da waren sechs, sieben Würfe dabei, bei denen der Gegner frei vor dem Tor auftauchte“, meint er, „und Tobias hat sich gerade mit diesen Paraden einen psychologischen Vorteil verschafft. Dass der Stuttgarter Patrick Zieker einen Siebenmeter daneben setzt, ist eine typische Reaktion darauf. Er hat nur noch Tobias gesehen, der war in seinem Kopf drin.“

Mit der Entwicklung des 24-Jährigen ist Svensson aber nicht nur aus sportlicher Sicht zufrieden. Mittlerweile werden die Torwart-Gespräche auf Deutsch geführt – „das ist keine Selbstverständlichkeit, er ist ja erst seit einem halben Jahr hier“ – und auch von der Körpersprache her mache er Fortschritte: „Tobias ist kein Silvio Heinevetter, er ist vorsichtig, kommt aber mehr aus sich heraus.“

Zwei Ziele schon erreicht

Thulin bleibt eben auch auf dem Spielfeld seinem Charakter treu – übertriebene Emotionen sind ihm fremd. Nach gehaltenen Bällen wird lediglich mal die Faust geballt. Trainer Bennet Wiegert: „Er ist eher introvertiert und lässt lieber Leistungen sprechen. Was er in Stuttgart gezeigt hat, freut mich auch unheimlich für ihn. Denn er hat im Training zuletzt super gehalten und diese Form jetzt ins Spiel gebracht.“

Zwei Ziele, die sich Thulin mit Svensson gesteckt hat, sind somit schon abgehakt. In einer Bundesliga-Partie anzufangen sowie in einer Partie eine gute Leistung zu zeigen. Das nächste Ziel auf der Liste: „60 Minuten lang sehr gut sein“, verrät Svensson. Dafür braucht es das Vertrauen vom Cheftrainer – und das gewinnt Thulin mit genau solchen Auftritten wie gegen Stuttgart.