Magdeburg l Beim 24:24 des SC Magdeburg in Wetzlar war nach der Schlusssirene noch lange nicht Schluss. Denn gleich beide Trainer hatten mit dem Schiedsrichter-Duo noch einiges zu klären. SCM-Coach Bennet Wiegert ist für seine emotionalen Gefühlsausbrüche nach strittigen Szenen bekannt. Aber selbst der sonst eher gelassene Wetzlar-Trainer Kai Wandschneider war ziemlich aufgebracht über die Leistungen von Julian Köppl (Darmstadt) und Denis Regner (Nieder-Olm). „Es ärgert mich, dass ich über die Weihnachtstage jetzt auch noch drei Schiri-Bögen ausfüllen muss. Das kostet mich pro Bogen zwei Stunden. Denn ich mache das sehr detailliert, weil ich dazu beitragen will, dass eine positive Entwicklung stattfindet“, erklärte der 61-Jährige nach dem Spiel beim TV-Sender Sky.

Wandschneider und Wiegert hadern mit Schiris

Tief durchatmen musste auch Wiegert. Während Gisli Kristjansson 93 Sekunden vor Schluss eine völlig überzogene Zeitstrafe kassierte, gab es für das Halten gegen Christian O‘Sullivan im letzten Angriff des Spiels nur einen Freiwurf. Wiegert: „Mir fehlt so ein bisschen der Dialog. Und ich erwarte, dass die Schiedsrichter auch mal entschuldigend die Hand heben und einen Fehler eingestehen.“

Wiegert mit selbstkritischer Analyse

Aber so emotionsgeladen Wiegert auch wird, so schnell kann er auch wieder die Gefühle runterfahren und sachlich analysieren. Dabei nahm er den verspielten 12:5-Vorsprung nach der 21. Minute auch mit auf seine Kappe. Wiegert: „Da muss ich vielleicht mehr die Handbremse anziehen und mit einer Auszeit oder Wechseln gegensteuern. Diesen Schuh muss ich mir anziehen.“ Entscheidend für den verschenkten Sieg war aber neben zwölf Fehlwürfen auch das verlorene Torwartduell. Wiegert: „Wir haben in der zweiten Halbzeit leider nur noch eine Parade. So wird es schwierig und das Unentschieden fühlt sich schon eher nach einer Niederlage an.“

Hannover als Wundertüte

Bis zum Sonnabend muss das aber abgehakt sein. Wie man gegen Hannover gewinnt, haben die Magdeburger bei der Generalprobe zur neuen Saison gezeigt. Da wurde Ende September in einem Testspiel mit 28:21 souverän gegen die Niedersachsen gewonnen. „Doch Hannover präsentiert sich gegenwärtig als eine der größten Wundertüten in der Bundesliga“, verweist Torwart Jannick Green auf das 36:30 gegen die Rhein-Neckar Löwen in der letzten Woche. Zuvor aber wurde im Heimspiel gegen Balingen verloren. „Das wird noch mal richtig unangenehm. Aber da müssen wir irgendwie durch, über Weihnachten Kraft tanken und die letzten Kräfte im Tank mobilisieren“, schaut Wiegert auf das letzte Spiel des Jahres 2020.

Nachdem die Mannschaft gestern erst in den frühen Morgenstunden nach Magdeburg zurückkehrte, war anschließend frei. Heute Vormittag wird wieder trainiert. Auch am ersten Feiertag geht es zum Training in die Halle.

Trommler sorgen für Mini-Atmosphäre

Zumindest bleibt den Grün-Roten eine weitere anstrengende Reise an den Festtagen erspart. Bei den Auswärtsspielen in dieser Saison musste der SCM ja schon über 12 000 Kilometer zurücklegen. Und vergangenes Jahr ging es am 26. Dezember auch noch nach Nordhorn. Da ist ein Heimspiel jetzt wesentlich angenehmer. Hoffentlich auch letztmals in einer komplett leeren Getec-Arena. „Die knapp 7000 Fans sind natürlich nicht zu ersetzen. Aber die Trommler in der Halle helfen schon sehr, dass wenigstens ein bisschen Heimatmosphäre aufkommt“, sagt Green und hofft mit allen anderen, dass bei der Saisonfortsetzung im Februar wieder Zuschauer erlaubt sind.