Magdeburg l Zwei, drei kurze Schritte und ein Wurf – Piotr Chrapkowski bringt sich beim Training der SCM-Handballer langsam wieder in Form. Anfang November hatte sich der Pole beim Sieg in Stuttgart (40:27) verletzt. Bei einer Aktion blieb er plötzlich stehen und griff sich an die rechte Wade. „Da habe ich einen Stich verspürt und nichts ging mehr“, erklärte Chrapkowski damals nach dem Spiel. Und nach der Rückkehr nach Magdeburg und eingehender Untersuchung stellte sich der Stich leider als Muskelbündelriss heraus.

Seitdem müssen die Magdeburger auf ihren Abwehr-Garanten verzichten – und rutschten auch deshalb in eine Krise. Trainer Bennet Wiegert: „Piotr ist eine Schlüsselfigur in unserem Spiel. Sein Ausfall tut schon mächtig weh. Ob es für Göppingen schon wieder reicht, ist schwer zu sagen. Richtiges Sprinttraining hat er noch nicht gemacht. Und selbst wenn er zum Kader gehört, durch die lange Trainingspause ist er ja nicht in der Verfassung wie vor seiner Verletzung.“

Mit Zeljko Musa machte Chrapkowski schon von 2013 bis 2015 bei Kielce das Zentrum vor dem eigenen Tor dicht. Die beiden verstehen sich deshalb perfekt. Da vermisst natürlich der eine den anderen. Außerdem war Chrapkowski bis zu seiner Verletzung auch ein wichtiges Puzzleteil im Tempospiel des SCM. Bei den Gegenstößen lief der 2,02-m-Riese erst einmal mit nach vorn und war dabei mit 28 Treffern in 13 Spielen unglaublich torgefährlich. Diese schnellen Treffer fehlen jetzt oft dem SCM.

Und am eigenen Kreis ist die Lücke noch größer. In den 13 Bundesliga-Spielen mit Chrapkowski kassierten die Grün-Roten 332 Gegentore (im Durchschnitt 25,5 Tore pro Spiel) und in den vier Bundesliga- und zwei EHF-Cup-Partien ohne ihn 167 Treffer (im Schnitt 27,8 Tore). Das sind also gut zwei Gegentore pro Spiel mehr. Im Handball kann das sehr entscheidend sein. Statistisch gesehen hätte es beim 28:29 gegen Göppingen also zum Sieg gereicht und gegen Porto (26:23 und 27:34) wäre der SCM knapp weitergekommen.

Umso wichtiger also, dass der 30-Jährige am besten schon morgen Abend gegen Göppingen wieder auf der Platte steht. Chrapkowski: „Die Wade wird von Tag zu Tag besser und wird auch täglich behandelt. Und ich kann es natürlich kaum erwarten, endlich wieder spielen zu können.“

Das wollte er eigentlich schon vor zehn Tagen bei den Rhein-Neckar Löwen. Ex-Nationalspieler und Sky-Experte Stefan Kretzschmar verglich da vor dem Spiel für „handball-world“ beide Teams und lobte: „Bei Magdeburg ist der große Unterschied, ob Chrapkowski spielt oder nicht. Mit einem fitten Chrapkowski sehe ich in der Defensive die Magdeburger ein bisschen vorn. Der Mann, der den Unterschied in der SCM-Abwehr ausmachen kann, stand sogar auf dem Spielberichtsbogen, machte sich mit der Mannschaft warm, blieb dann aber auf der Bank. Wiegert: „Ein Einsatz wäre viel zu früh und riskant gewesen. Aber Piotr wollte unbedingt bei der Mannschaft sein.“ Starke Geste, die auch den Zusammenhalt im SCM-Team zeigt.

Offiziell wird über Chrapkowskis Einatz morgen erst kurz vor dem Anpfiff entschieden. Aber da Polen nicht für die WM qualifiziert ist, kann der SCM bei der Entscheidung auch ein gewisses Risiko eingehen. Und muss das für das „Spiel der Spiele“ wohl auch. Denn mit Carlos Molina fällt der bisherige Abwehrersatz aus. Der Spanier ist im Training mit dem Fuß umgeknickt und hat ein dickes Sprunggelenk.

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