Eröffnung mit viel Prominenz Hochsicherheitszone Olympia: Winterspiele in Italien
Die Weltlage war schon besser. Das merkt man auch in Mailand und Cortina. Zum Schutz von Sportlern und Prominenz sind mehr als 6.000 Sicherheitskräfte im Einsatz - doppelt so viele wie Sportler.

Mailand/Cortina - Knapp 3.000 Athleten - und mehr als doppelt so viel Polizei. Aus Sorge vor Anschlägen oder Störaktionen stehen die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina unter strengem Schutz. Angesichts der vielen Konflikte rund um die Welt ist das Bangen um die Sicherheit des sportlichen Mega-Ereignisses groß. Bis zum Ende am 22. Februar hat Italien zusätzlich mehr als 6.000 Sicherheitskräfte zu Olympia beordert.
Erschwert wird deren Arbeit dadurch, dass die Wettbewerbe nicht nur in Mailand und Cortina stattfinden, sondern verstreut auf mehr als ein Dutzend Stätten in ganz Norditalien: Die Wege werden so lang sein wie bei Spielen noch nie. Die erste große Bewährungsprobe erlebt das Sicherheitskonzept am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier, deren Hauptteil im San-Siro-Stadion von Mailand über die Bühne geht.
Die Eröffnungsformel wird Italiens Präsident Sergio Mattarella sprechen. Auch viel Politprominenz aus dem Ausland ist dabei. Aus den USA - Gastgeber der Sommerspiele 2028 - ist Vizepräsident JD Vance angereist. Deutschland wird durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten.
Kurz vor der Eröffnung gab es zusätzlich Aufregung, weil zum Schutz von US-Offiziellen auch Angehörige der US-Einwanderungspolizei ICE nach Italien kommen. Die Truppe steht wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten, wobei auch zwei Menschen getötet wurden, in der Kritik. Die Regierung in Rom betonte mehrfach, dass ausschließlich italienische Kräfte zum Einsatz kommen. In Mailand gingen Demonstranten mit Plakaten wie „No Ice in Milano“ („Kein Ice in Mailand“) auf die Straße.
Olympischer Frieden nur als Hoffnung
Zudem gibt es Sorgen, weil erst am vergangenen Wochenende in der nächstgelegenen Großstadt Turin - Ausrichter der Winterspiele 2006 - bei schweren Krawallen zwischen Autonomen und der Polizei mehr als 100 Menschen verletzt wurden. Für Samstag ist in Mailand eine neue Demonstration angemeldet. Befürchtet wird, dass sich Krawallmacher dorthin auf den Weg machen. Auch wegen des Gaza-Kriegs im vergangenen Jahr ist die Stimmung in Italien immer noch aufgeheizt.
Unklar ist bislang, ob Israel bei der Eröffnung mit Politprominenz vertreten sein wird. Aus Russland - Gastgeber der Winterspiele 2014 in Sotschi, die mit dem Überfall auf die Krim im Nachbarland Ukraine ein böses Ende nahmen - ist niemand dabei. Alle Appelle, während der Spiele einen olympischen Frieden einzuhalten - unter anderem von Mattarella, aber auch von Papst Leo XIV. - blieben bislang ungehört. Der Gedanke, während der Wettbewerbe die Waffen schweigen zu lassen, reicht bis in die Antike zurück.
Große Show im San-Siro-Stadion
Wie üblich beginnen die Spiele mit einer großen Show. „Milano-Cortina 2026“ - so der offizielle Name - wird allerdings Mühe haben, die viel gelobte Eröffnungsfeier der Sommerspiele 2024 in Paris zu übertreffen. Für die Musik sorgen die US-Popdiva Mariah Carey sowie aus dem klassischen Fach Cecilia Bartoli, Andrea Bocelli und der Pianist Lang Lang. Spekuliert wird, dass es noch Überraschungsgäste gibt. Für Deutschland werden Eishockey-Star Leon Draisaitl und Skispringerin Katharina Schmid die Fahne tragen.
Im Vergleich mit den ersten Winterspielen in Cortina vor genau 70 Jahren wird deutlich, wie sich die Dimensionen verändert haben. Aus 24 Wettbewerben sind 116 geworden, aus 820 Sportlerinnen und Sportlern rund 2.900. Die Zuschauer - erwartet werden zwei Millionen - werden lange unterwegs sein. Von Mailand nach Cortina sind es mehr als 400 Kilometer: mit dem Auto fünf Stunden. Das olympische Feuer wird in beiden Städten brennen. In den Dolomiten hat es rechtzeitig kräftig geschneit. In Mailand hingegen ist Regenwetter.
Handwerker kurz vor Beginn noch zugange
Die Wettbewerbe finden je nach Sportart weit verstreut statt: Ski alpin der Männer beispielsweise ist in Bormio, Biathlon in Antholz und Skispringen in Predazzo. Die Schlussfeier am 22. Februar wird in der Arena von Verona über die Bühne gehen, die durch große Opern bekannt ist. Die Winterspiele 2030 finden dann wieder in den Alpen statt: in Frankreich. Die beiden vorigen Ausgaben waren in China und Südkorea.
Bei der Vergabe hatten sich Mailand und Cortina 2019 gegen die Region um Schwedens Hauptstadt Stockholm durchgesetzt. Die Italiener traten damals mit dem Versprechen an, fast ausschließlich auf vorhandene Wettkampfstätten zu setzen und für die „nachhaltigsten Spiele aller Zeiten“ zu sorgen. Tatsächlich wurde viel gebaut - zum Beispiel für 120 Millionen Euro eine völlig neue Eisbahn für Bob, Rodeln und Skeleton in Cortina. An vielen Wettkampfstätten waren bis kurz vor Schluss auch noch Handwerker zugange.