Die Hinrunde des SV Eintracht Gommern in der Fußball-Landesklasse 2 glich bislang einer Berg- und Talfahrt. Nach einem desolaten Saisonstart und kurzzeitigem Absturz auf die Abstiegsränge kletterte das Team klammheimlich in die Spitzengruppe der Liga. "Mit Rang drei liegen wir jetzt wieder voll im Limit. Aber abgerechnet wird zum Schluss", sagt Trainer Dorian Reichelt vor dem morgigen Nachbarschaftsduell gegen den TSV Rot-Weiß Zerbst (2.).

Gommern. Beim SV Eintracht Gommern scheint in diesen Tagen große Harmonie eingekehrt zu sein. Die Abteilungsleitung bemüht sich extra um Sponsoren für das letzte Heimspiel des Jahres, die Manschaft ist seit neun Punktspielen (davon acht Siege) ungeschlagen und auch der Trainer schlägt zum Ausklang der Hinrunde besinnliche Töne an: "Ich bin stolz auf meine Truppe. Meine Spieler kämpfen und figthen. Jeder weiß jetzt, was er zu tun hat", sagt Reichelt.

Hinter ihm und seiner Mannschaft liegen turbulente Wochen, in denen noch rechtzeitig der Schalter umgelegt wurde. Reichelt, in seinem ersten Trainerjahr auf Landesebene, macht heute keinen Hehl daraus, dass es zu Saisonbeginn Anpassungsschwierigkeiten gab. "Vielleicht haben beide Seiten die Sache etwas unterschätzt", glaubt der Neutrainer, der die Nachfolge von Thomas Wilke angetreten hatte.

Wilke hatte mit der Eintracht in der vergangenen Saison nur hauchdünn den Landesliga-Aufstieg verpasst. Damals spielte das offensivstärkste Team der Liga (102 Tore) wie aus einem Guss. Mit Reichelt, der viele der Spieler noch aus seiner Zeit als Nachwuchstrainer kennt, sollte diese Erfolgsserie fortgesetzt werden, zumal mit Torsten Marks und Dirk Niebl "nur" zwei Akteure den Verein verließen.

Das Gegenteil trat zu Saisonbeginn ein. Mit drei Niederlagen aus den ersten vier Spielen rückte das Saisonziel, Platz eins bis fünf, schnell in weite Ferne. Vor allem die Abwehr präsentierte sich keineswegs sattelfest, schlug der Weggang von Routinier Marks auf der Liberoposition negativ zu Buche. Hinzu kam, dass die Pretziener Neuzugänge Peter Ferchland und Felix Gnensch auf dem höheren Landesklasse- Niveau noch Formschwankungen unterlegen waren. Und auch die Ausfälle von Leistungsträgern wie Marco Reichel und Kevin Schulz galt es zu kompensieren.

Reichelt reagierte, krempelte den Kader gegen jegliche Widerstände um. Vor allem die "Denkpausen" für Stürmer Mathias Reichel sorgten intern für Unruhe. "Mathias war nach seiner Verletzung außer Form. Ich habe aber mit ihm im Gespräch die Dinge geklärt. Vielleicht waren die Ansprüche, die auch von außen an ihn herangetragen wurden, zu groß", sagt der Coach heute.

Heute scheinen die Probleme Schnee von gestern zu sein. Heute "hat jeder seine Position gefunden und füllt diese mit vollem Einsatz aus". Mit Christopher Schumburg scheint ein umsichtiger Libero gefunden, auch Tobias Thormeier und Felix Gnensch haben im defensiven Mittelfeld zugelegt. Genauso wie die Torjäger Marko Bittersmann und Florian Mentzel, die mit je neun Treffern wieder an alte Zeiten anknüpfen. Mathias Reichel hat derweil im rechten Mittelfeld seinen Stammplatz erhalten. "Ich weiß, er will weiter vorne spielen. Aber für die Mannschaft ist er derzeit da effektiver", schätzt Reichelt, der selbst eingestand, "lernfähig" zu sein, ein.

Auch sein Team hat gelernt, nur als Einheit bestehen zu können. Dann kann es auch verletzungsbedingte Ausfälle (wie zuletzt im Kreispokalspiel gegen Genthin, 3:2) weg- stecken. "Die Jungs lassen sich von solchen Umstellungen nicht mehr runterziehen. Jeder arbeitet für den anderen, egal, auf welcher Position er spielt", lobte Reichelt. Diese Tugenden werden auch morgen gegen den Tabellennachbarn aus Zerbst nötig sein. Die Rot-Weißen haben ausgerechnet unter Regie des Ex-Gommeraners Marks zu alter Stärke zurückgefunden. Dies gilt auch für Mathias Bruchmüller, der 15 Jahre für die Eintracht stürmte und bislang neunmal für den TSV getroffen hat. "Wir müssen vor allem hinten aufpassen, viel Laufbereitschaft und Einsatz zeigen", weiß Reichelt, der seinem Gegenüber "einen gute Arbeit" bescheinigte.

In der Offensive kann der Eintracht-Trainer, der in dieser Woche seinen 35. Geburtstag feierte (die Mannschaft gratulierte herzlich), gegen die stärkste Abwehr der Liga aus dem Vollen schöpfen. Kevin Schulz und Stefan Kunitschke sind wieder fit, auch Schumburg wird zum Topspiel in den Kader zurückkehren.

"Es wird sicher ein Spiel, das von der Taktik geprägt ist", glaubt Reichelt und fügte an: "Die Jungs sind gut drauf und gewillt, mit einem Sieg Anschluss an die Spitze zu halten." Apropos: Träumt man in Gommern nach der jüngsten Siegesserie wieder vom Titel? Reichelt: "Bei aller Euphorie müssen wir realistisch bleiben. Wir schauen bis zur Winterpause, dann können wir uns in der Rückrunde neue Ziele stecken." Und nicht nur der Trainer weiß allzu gut, wie schnell der Schalter wieder umgelegt werden könnte.