Niegripp l Die Sonne war bereits hinter den Pappeln am Sportplatz verschwunden, die Vögel stimmten ihren Abendgesang an und die Glocke im Niegripper Kirchturm schlug zur vollen Stunde sieben Mal. Der Ortsteil der Kreisstadt Burg wäre also am Dienstag vor einer Woche der ideale Schauplatz für einen rührigen Heimatfilm gewesen. Wären da nicht jene 19 Herrschaften gewesen, denen der Sinn weniger nach atmosphärischem Kitsch als nach fußballerischer Leibesertüchtigung stand. Und so erlebte René Sandmann, neuer Chefcoach der SG Blau-Weiß, prompt eine Überraschung zum Dienstantritt: „16 Spieler zum Training gab es in den vergangenen Jahren nie. Selbst die Laufarbeit, die zu Beginn der Vorbereitung im Fokus steht, mussten wir in zwei Gruppen absolvieren.“

„Wir“ – das sind neben Sandmann auch seine beiden Assistenten Christian Wust und Carsten Mittelstädt. Und die schiere Masse der Trainingswilligen erklärte sich auch durch eine Reihe von Neuzugängen: André Wittpahl (Eintracht Gommern), Thomas Tietz (Eintracht Plötzky), Maik Hoppe (Union Heyrothsberge), Hendrik Schäfer, Marco Westhause, Steven Plünnecke sowie Maximilian Weirich (alle Burger BC 08). „Es macht einfach nur unglaublichen Spaß. Alle sind voll bei der Sache und die Stimmung im Team ist so, als würden alle bereits seit einem halben Jahr zusammenspielen“, beschreibt Sandmann das Klima. Ohne Frage – am Alten Kanal weht vor der fünften Landesklasse-Saison in Folge viel frischer Wind.

Ein paar kleinere Probleme gibt es allerdings noch zu bewältigen. Die Neuen aus Richtung Burg sind mit Ausnahme von Schäfer, der zuletzt ein halbes Jahr pausierte, vorerst nur in Freundschaftsvergleichen spielberechtigt. „Es wäre schade, wenn sie zum Ligaauftakt fehlen würden. Aber in den nächsten Tagen wird Jürgen Wust (2. Vorsitzender, Anm.d.Red.) das Gespräch mit dem BBC 08 suchen“, zeigt sich Sandmann zuversichtlich, dass beide Vereine zu einer Lösung im Hinblick auf die Spielgenehmigung gelangen. Denn dass die Zugänge eine echte Bereicherung für die Blau-Weißen sein könnten, deuteten sie am vergangenen Sonnabend an. Mit Landesligist VfB Ottersleben hatte sich die SG einen spielstarken Gegner zum Test eingeladen. Dieser trat zwar mit einigen A-Jugendlichen an, doch ließ er mit zwei Treffern im ersten Durchgang die Muskeln spielen. „Wir haben das erste Mal mit einer Viererkette gespielt. Vieles hat schon gut funktioniert, aber vieles müssen wir natürlich noch verbessern.“

In der zweiten Halbzeit fruchteten auch die taktischen Experimente. Paul Sandmann (2) und Marcus Schlüter drehten mit ihren Treffern die Partie. Auch wenn Ergebnisse in der Vorbereitung eine untergeordnete Rolle spielen, war der Auftritt ein Fingerzeig: Gemächlich soll es zur neuen Saison in Niegripp nicht zugehen.

Niegripp: Klein – Gerber, Schäfer, Mlynek, Pantenburg, Westhause, Rennwald, M. Schlüter, Tietz, Böttcher, Wittpahl (Plünnecke, B. Schlüter, Nabel, Lindenblatt, Zeuch, Sandmann, Ackmann)

Tore: 0:1 Patrick Podehl (23.), 0:2 Henriko Lehrmann (34.), 1:2 Paul Sandmann (49.), 2:2 Marcus Schlüter (66.), 3:2 Paul Sandmann (84.); SR: Aline Schäfer (Loburg), Marco Krankemann, Bernd Schalla; ZS: k.A.