Niegripp l Unterstellen wir Danny Lindenblatt einfach, dass er im Ernstfall sehr viel für die Aussicht auf einen Ballgewinn im gegnerischen Strafraum gegeben hätte. Nur ging es am Dienstag für die SG Blau-Weiß Niegripp und ihren Stürmer noch nicht um Punkte in der Landesklasse 2, sondern um die Feinjustierung vor dem Ligastart. Lindenblatt zog es daher in einer Szene Ende der ersten Hälfte vor, das Luftduell mit Willy Buchheim abzusagen und rechtfertigte sich vor den Mannschaftskollegen: „Wenn ich da hin gehe, habe ich den Schuh im Gesicht.“ Und schließlich bestanden die Blau-Weißen ihren letzten Härtetest gegen Kreisoberligist Güsen/Parey auch ohne unschöne Andenken.

Co-Trainer René Sandmann, der die Geschicke für den privat verhinderten Christian Wust an der Niegripper Seitenlinie lenkte, hätte sich von der Generalprobe vor dem Duell bei Arminia Magdeburg (Sonnabend, 15 Uhr) dennoch mehr Körperlichkeit erhofft: „Wenn die Pflichtspiele beginnen, müssen wir unsere Stärken mehr zum Tragen bringen. Das gilt auch für das Zweikampfverhalten. Güsen hat uns in dieser Hinsicht vorgemacht, wie es geht.“ Noch war die größere Robustheit nicht ausschlaggebend, weil die SG Blau-Weiß in der Summe beider Halbzeiten mehr spielerische Mittel als die Gäste fanden, doch das dürfte an den nächsten 30 Spieltagen nicht der Regelfall sein.

Gäste begehren auf

So rief der Kreisoberligist schon früh die Kraftprobe aus und ließ zunächst nicht erkennen, dass die Niegripper rund vier Wochen früher in die Vorbereitung eingestiegen sind. Nach acht Minuten sahen die Gastgeber ihren Strafraum unter Belagerung, einen unzureichende Klärungsversuch später fälschte Richard Wollenschläger den Ball ins eigene Tor ab – 0:1. Auf Niegripper Seite blieb in der Folge vieles Stückwerk. Das Bemühen um einen geordneten Spielaufbau scheiterte oftmals am letzten Pass. Nur einmal fand eine Freistoßflanke von Jay Emig den Kopf von Lindenblatt, der jedoch das Tor knapp verfehlte. Nach längerer Leerlauf-Phase schickte Emig jedoch Paul Sandmann auf die Reise, der nach starker Ballmitnahme zum 1:1-Ausgleich vollstreckte (34.).

Die Gäste zeigten sich nur kurz beeindruckt. Nach einem Niegripper Ballverlust in der Vorwärtsbewegung kam die Spielgemeinschaft mit dreifacher Überzahl über die rechte Seite. Mit etwas Glück brachte Robert Döbberthin den Konter zu Ende und besorgte die erneute Führung (42.). „Ergebnisunabhängig war ich mit unserem Auftritt in der ersten Halbzeit zufrieden. Im Vergleich zum 3:3 vom Sonnabend gegen Genthin haben wir uns auch stabilisiert und sind nach einen Gegentreffer nicht zerbrochen“, lobte Gästetrainer René Bonitz.

Gastgeber wie verwandelt

Zur Pause wechselten beide Seiten, was die unterschiedlich gefüllten Ersatzbänke hergaben. Deutlich mehr Belebung brachten dabei die Niegripper Einwechslungen mit. So spekulierte Justin Kaufmann bei einem Befreiungsschlag von Güsens Philip Dietert richtig und fälschte den Ball bumerangartig zum 2:2-Ausgleich ab (47.). „Zur zweiten Halbzeit kamen vor allem jene zum Einsatz, die nicht jede Einheit in der Vorbereitung absolviert haben. Die wollten sich natürlich zeigen“, erklärte Coach Sandmann. Tatsächlich trat seine Elf nun mit einer ganz anderen Körpersprache auf, lief dem Gegner zahlreiche Bälle ab und präsentierte sich mit mehr Zug zum Tor. „Wir dagegen konnten uns nach der Pause nie wirklich in Szene setzen, waren zu harmlos“, stellte Bonitz fest, der mitansehen musste, wie ein Niegripper Angriff nach 56 Minuten eigentlich schon verpufft war, Steven Plünnecke aber kurzerhand aus 40 Metern abzog und den Ball zur 3:2-Führung einschweißte (56.).

„Die Jungs haben nicht die richtige Reaktion gezeigt, wenn sie vor neue Aufgaben gestellt wurden. Selbst banale Sachen wie ein Spielerwechsel oder die Umstellung von Dreier- auf Viererkette haben uns im Spiel vor zu große Herausforderungen gestellt“, bemängelte Güsens Coach, dessen Elf aber bis zum Abpfiff erfolgreich Schadensbegrenzung betrieb. „Konditionell sehe ich uns auf einem guten Weg und denke, dass wir zum Ligastart am 28. August gegen Gladau dort stehen, wo wir sein wollen.“ Schneller dort ankommen müssen fraglos die Niegripper, denen vor dem Sonnabend nicht bange sein muss. Ganz abgearbeitet ist die Mängelliste aber noch nicht, wie Sandmann bekannte: „Mit der zweiten Halbzeit kann ich leben. Insgesamt müssen wir am Ball aber noch ruhiger werden, unsere Angriffe sicherer und genauer ausspielen.“ Das erspart im Zweifel auch manch waghalsigen Einsatz im Gerangel um das Spielgerät – und den Schuh im Gesicht.

Niegripp: Gitschat (46. Rimpl) – Schröck, Mlynek, Pantenburg, Plünnecke, Ackmann, Wollenschläger (46. N. Endert), Emig (46. Kaufmann), Kramer (46. Randig), D. Lindenblatt (46. Kokel), P. Sandmann
Güsen/Parey: N. Nethe – Buchheim, Günther, Röwer, Schröder (56. Hirsch), Franke (32. Rosenthal), Mittag, F. Golz (46. Dietert), Döbberthin, Pohl, Muschert
Tore: 0:1 Richard Wollenschläger (8., ET), 1:1 Paul Sandmann (34.), 1:2 Robert Döbberthin (42.), 2:2 Justin Kaufmann (47.), 3:2 Steven Plünnecke (56.); SR: Christian Schütze (Niegripp); ZS: 15