Jerichow l Für reichlich Gesprächsstoff sorgte der SV Lok Jerichow, als der kleine Verein 2018/19 als Tabellenzehnter der Kreisoberliga den Sprung in die Landesklasse wagte. Die Corona-Saison ohne Absteiger sorgt 2020/21 für eine Fortsetzung des Abenteuers. Nicht nur der Kreismeister Borussia Genthin hatte 2018/19 auf sein Aufstiegsrecht verzichtet, auch die übrigen Teams winkten bei der verzweifelten Suche des KFV nach einem Aufsteiger ab. Nicht aber die wagemutigen Fußballer des SV Lok Jerichow, deren Punktausbeute in der Landesklasse mit einem Sieg bei 18 Niederlagen überschaubar ausfällt. Ein Mann, der Woche für Woche im Fokus steht, ist Philipp Lenz. Volksstimme unterhielt sich nach der jüngsten 0:6-Niederlage gegen TuS Wahrburg mit dem Torhüter.

 

Volksstimme: Herr Lenz, Ihre Mannschaft kassiert im Schnitt fast fünf Gegentore pro Spiel. Wie leidensfähig muss man als Torhüter von Lok Jerichow sein?

Philipp Lenz: Ich bin sehr ehrgeizig, selbst ein Tor im Training geht mir gegen den Strich. So gesehen ist es manchmal schon nicht ganz einfach, das muss ich zugeben. Aber mein Trainer richtet mich dann wieder auf. Es macht schließlich keinen Sinn, seine Vorderleute anzuschnauzen oder zu resignieren. Damit schadet man sich selber und der Mannschaft.

 

Die Vorsaison beendete Lok nach 15 Spielen und nur drei Punkten als Vorletzter. Was hat Ihre Mannschaft aus diesen Spielen gelernt?

Auch wenn es meist schmerzliche Erfahrungen sind, versuchen wir aus jeder Niederlage etwas mitzunehmen, zu lernen und es nächstes Mal besser zu machen. Das Gute bei uns ist, wir können auch nach einer Niederlage zusammen sitzen und lachen.

Das Gros der Mannschaft hatte vor dem Aufstieg keinerlei Erfahrung mit der Landesklasse. Woran hapert es am meisten und wo sehen Sie die größten Unterschiede zur Kreisoberliga?

Der Leistungsanspruch der Mannschaften in der Landesklasse ist viel höher. Das sind schon verschiedene Welten, gerade was die körperliche Robustheit und Kondition anbelangt. Oftmals fehlt uns die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Und in der zweiten Halbzeit lässt bei uns die Konzentration oftmals abrupt nach. Daran müssen wir arbeiten. Im Spiel können wir unsere guten Trainingsleistungen oftmals nicht umsetzen.

 

Mit vier Niederlagen am Stück begann die neue Saison so wie die alte endete. Fällt es nicht schwer, sich als Mannschaft Woche für Woche neu aufzurichten, wenn Erfolgserlebnisse ausbleiben?

Natürlich, gerade als Torwart. Aber Fakt ist: Wir haben uns vor einem Jahr für den Aufstieg entschieden. Wir gehen diesen Weg gemeinsam und ziehen das durch. Egal wie die Saison weiter verläuft.

 

Als Torhüter stehen Sie oftmals 90 Minuten unter Dauerfeuer und teils auch auf verlorenem Posten. Gibt es Momente im Spiel, in denen man sich als Torwart lieber gerne verkriechen würde?

Auf jeden Fall, gerade bei den ganz einfachen, simplen Gegentoren, die wir uns oft einfangen und die ich selber zu verschulden habe. Das sind Momente, in denen man am liebsten vom Platz gehen würde. Aber dann sind es Mannschaft und Trainer, die einen wieder aufbauen und Mut zusprechen.

Im Kader von Lok Jerichow stehen vier Torhüter. In der Vorsaison teilten Sie sich die Aufgabe mit Tobias Nickel. Wie ist die augenblickliche Konstellation. Gibt es einen Konkurrenzkampf?

Als Konkurrenzkampf würde ich das nicht bezeichnen. Wir motivieren uns gegenseitig, jeder baut den anderen auf. Alle vier haben jederzeit die Chance im Tor zu stehen. Die Entscheidung trifft zum Schluss der Trainer.

 

Am nächsten Spieltag empfängt Ihre Mannschaft mit Grün-Weiß Potzehne ein weiteres „Sieglos-Team“. Ist dieses Spiel richtungsweisend für diese Saison?

Absolut, da wird sich zeigen, wie es mit uns weitergeht. Die größten Brocken haben wir weg, jetzt kann die Saison beginnen.

 

Wagen Sie eine Prognose, mit wie vielen Punkten und auf welchem Platz Lok Jerichow die Saison beenden wird?

Das ist schwierig vorauszusagen. Schön wäre es natürlich, wenn wir die Klasse halten und es unseren Kritikern zeigen würden.