Burg l Ein aktueller Vorstoß des Landesverbandes HVSA spaltet die Handballgemeinde. Die einen befürworten die Initiative von HVSA-Präsident Steffen Müller, zumindest Kindern und Jugendlichen in der Zeit des Lockdowns das Mannschaftstraining zu ermöglichen, andere erteilen dem Vorhaben eine Absage. Auch im Jerichower Land zeichnet sich kein einhelliges Meinungsbild ab, wie der Blick in die Vereine zeigt.

Bereits, als der Verband Mitte vergangener Woche ein recht schwammiges Statement veröffentlicht hatte, wonach es den Vereinen selbst überlassen blieb, ob bis zum Montag gespielt und trainiert werden soll, gingen die Türen zur Güsener Elbe-Havel-Sporthalle zu. Aus eigener Überzeugung und Vernunft, wie Steffen Bretschneider, 1. Vorsitzender des GHC, klarstellt: „Eigentlich noch bevor alle Einzelheiten rund um den erneuten Lockdown bekannt waren, sind wir uns im Vorstand einig gewesen: In Anbetracht der neuesten Entwicklung haben wir uns dagegen ausgesprochen, den Spiel- und Trainingsbetrieb weiterlaufen zu lassen. Dahinter steht die Verantwortung, unsere Mitglieder zu schützen.“ Aktuell sind im Güsener HC rund 120 Kinder und Jugendliche in sieben Nachwuchsmannschaften aktiv, hinzu kommt je ein Männer- und Frauenteam. „Mir tut es natürlich vor allem für die Kinder leid. Ihnen fehlt ohne den Handball etwas. Aber auch die Teams im Erwachsenenbereich hatten sich zuletzt gefunden und einen guten Lauf hingelegt. Es trifft also alle im Verein“, so Bretschneider.

Wer will, sollte auch dürfen

Auch beim benachbarten SV Chemie Genthin stehen alle Räder still, was Abteilungsleiter Marco Berndt bedauert: „Bei Veranstaltungen und Feiern sollte man sich natürlich zurückhalten. Aber alles, was der Gesundheit zuträglich ist – und dazu zählt nun mal der Sport – sollte weiterhin erlaubt sein. Wer trainieren möchte, sollte die Möglichkeit dazu haben. Man könnte beispielsweise den Fokus auf den technischen Bereich legen, um sich nicht ganz so nahe zu kommen.“

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Auf Abstand sind sie beim SV Eintracht Gommern dann auch bereits am Donnerstag gegangen und haben den Trainingsbetrieb vorzeitig eingestellt. „Dass der HVSA die Verantwortung nach unten weitergereicht hat, war unserer Meinung nach nicht die beste Entscheidung, sie hätten klare Fronten schaffen sollen“, befindet Jugendkoordinator Stefan Bußmann. Gleichwohl wird an der Ehle aber auch auf die Regelungen anderer Bundesländer geschielt: „Ich hoffe, dass wir ab Dezember mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nachziehen können und den Trainingsbetrieb bis zwölf, beziehungsweise 18 Jahren wieder aufnehmen können. Beim Spielbetrieb verhält es sich anders, das muss unter solchen Umständen nicht sein.“

Die differenzierte Herangehensweise für den Erwachsenen- und Nachwuchsbereich geschieht aus gutem Grund. Schließlich stellen Kinder und Jugendliche auch in Gommern mit sechs Mannschaften das Fundament der Abteilung. Die große Sorge geht daher in die Richtung, dass die Youngster den Spaß am Handball verlieren könnten: „Für Kinder ist die neuerliche Pause weitaus schwerer zu verarbeiten. Natürlich kann es jetzt sein, dass sie sich anderen Sportarten zuwenden, beziehungsweise gar keine Lust mehr haben. Das wäre ein großes Problem, da vor allem bei unseren recht kleinen Trainingsgruppen das Fehlen von ein zwei Spielern deutlich ins Gewicht fällt.“

Das Fundament des Vereins

Eine Aussage, die man in Biederitz auch unterschreibt. Beim SV Eiche 05 gehen neun Nachwuchsmannschaften auf Torejagd – oder eben derzeit nicht. „Die neuerliche Unterbrechung war für uns eigentlich keine große Überraschung. Das Jerichower Land war ja im sachsen-anhaltischen Maßstab mit der erste Kreis, der die kritischen Infektionszahlen erreicht hat. Angesichts dessen sehe ich auch im Moment keine Möglichkeit, in irgendeiner Weise zum Spielbetrieb zurückzufinden“, schildert Jugendwart Oliver Wohl. „Allein schon nicht, da vier unserer Mannschaften in der Sachsen-Anhalt-Liga unterwegs sind, also auch in die anderen Risikogebiete wie Magdeburg und Halle reisen müssten.“

Dagegen bedauert man in Biederitz den Beschluss, auch das Mannschaftstraining mindestens in den nächsten vier Wochen ruhen lassen zu müssen. „Wir haben im Frühjahr gefühlt eine Ewigkeit am Hygienekonzept gearbeitet und es schließlich auch mit Hilfe der Gemeinde umgesetzt bekommen. Schade, dass es nun nicht einmal mehr möglich ist, auf Grundlage des Konzepts den Trainingsbetrieb fortlaufen zu lassen.“ Skepsis herrscht hingegen mit Blick auf die Beispiele der Nachbarbundesländer, welche die Übungseinheiten an Altersgrenzen koppeln: „Wir haben im Mai und Juni, als es wieder los ging, gemerkt: Es fällt bedeutend schwerer, den Minis oder einer E-Jugend klar zu machen, warum sie sich etwa an Abstandsregeln halten müssen, als etwa einer A- oder B-Jugend. Absolut nichts halte ich davon, die Entscheidung vom Leistungsniveau abhängig zu machen. Dass etwa die Landesauswahl trainieren darf, aber unsere Kleinsten im Verein nicht, ist unbegreiflich.“