Letzlingen/Jerichower Land l (ast/ahf) Genehmigt man sich einen am Kaiserstein oder nicht? Wichtige Sekunden gehen verloren beim „Verpflegung fassen“, auch, wenn es nur ein Becher Wasser ist. Der „V-Punkt“ am historischen Kaiserstein in der Nähe des Heidedorfes Letzlingen trennte auch in diesem Jahr „Trink-Spreu“ vom „Ohne-Pause-Läufer“. Der Kaisersteinlauf ging bereits in seine 26. Auflage, auch etliche Läufer aus dem Jerichower Land nahmen erfolgreich teil.

Die beiden Führenden bis zum ominösen Verpflegungspunkt auf der langen Distanz (11,3 Kilometer), Paul Weinmann (Lauf-und Triathlonverein Genthin) und Bernd Breier (LG Hopfen Schackensleben), kannten den Streckenverlauf von mehreren Teilnahmen und entschlossen sich, durchzulaufen.

Vor 173 Jahren boten die weitläufigen Wälder der Heide dem gerade aus dem Krieg zurückgekehrten König Friedrich Wilhelm IV. passables Jagdterrain. Den Kaiserstein gab es damals natürlich noch nicht, auch nicht das gut ausgebaute Wegenetz. Das Waldgebiet jedoch war wildreich und für große Jagdgesellschaften geradezu einladend. Erst anlässlich des letzten Jagdausflugs Kaiser Wilhelms I. im Jahre 1886 wurde als Andenken besagter Monolith an einem der Rastplätze der Jagdgesellschaft platziert. Dieser ist seitdem Anlaufpunkt für Wanderer, Fahrradfahrer, Linsensuppenesser und eben auch Läufer.

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Erster Anlaufpunkt für die Athleten war das Vereinsgebäude des FSV „Heide“ Letzlingen. Kurz nach zehn Uhr konnten 219 Läufer auf die Strecke geschickt werden. Leicht welliges, gut belaufbares Terrain ließ gute Zeiten erwarten. Nach einem kurzen gemeinsamen Aufgalopp teilten sich die Wege der Läufer. Während die Kinder (bis U 16) und die 11,3-Kilometer-Läufer am Kaiserstein vorbei liefen, nahmen die 6,5-Kilometer-Starter einen Parallelweg zurück zum Ziel.

Auch bei der diesjährigen Auflage waren die am Kaiserstein Führenden in der Endabrechnung ganz vorn zu finden. Bernd Breier und Paul Weinmann (Jahrgang 1995) lieferten sich ein waschechtes „Generationenduell“. Noch nach der letzten Kurve lagen beide gleichauf. Der starke Schlussspurt sicherte dem 26 Jahre älteren Läufer den Gesamtsieg. Paul Weinmann verbuchte in seinem ersten „Männerjahr“ nach seinem Sieg beim Schlagenthiner Osterberglauf einen weiteren Podestplatz in der noch jungen Saison. Seine Laufzeit betrug 41:40 Minuten. Vereinskollegin Beate Bolle sicherte sich mit einer Zeit von 55:55 Minuten Gesamtplatz drei bei den Frauen und zugleich den Altersklassensieg in der Wertung W 45. Weitere Altersklassensiege erliefen sich Klaus-Peter Derz (SV Chemie Genthin/M 70), Uwe Neumann (TSG Grün-Weiß Möser/M 55) und Franz Herm (SV Chemie Genthin/U 18).

Seinen Konkurrenten auf der 2,9-Kilometer-Strecke enteilt, und das schon nach wenigen 100 Metern, war Erik Graper. Schon kurz nach dem Start positionierte sich der 14-Jährige vor dem gesamten Läuferfeld. Der gelernte Kanute, der für seinen Heimatverein SV Chemie Genthin an den Start ging, profitiert seitdem er in Magdeburg trainiert doppelt: Die Ausdauer kommt dem Wassertraining zugute und durch mindestens zwei Einheiten am Tag verbessern sich auch die Laufzeiten. Reichlich erstaunt kommentierte er dennoch seine diesjährige Zeit (9:53 Minuten): „Da müssen wohl 200 Meter gefehlt haben.“

Läufer aus dem Leistungsbereich konnten in diesem Jahr zwar nicht am Kaiserstein begrüßt werden, da einen Tag später im Magdeburger Herrenkrug die Bezirksmeisterschaften im Straßenlauf stattfanden, dafür erfreute der vierte Wertungslauf des Elbe-Ohre-Cups viele Breitensportler. Weitere Ergebnisse bei der Stadtrangliste Magdeburg.