Burg l Dem Fußball gänzlich abschwören wollte Jörg Heinemann nicht. Den Trainerposten bei der Kreisoberliga-Elf des SV Grün-Weiß Bergzow hat er zwar vor einiger Zeit in die Hände von Michael Breme übergeben, das Sportlerheim des Vereins betreibt er jedoch weiterhin. Doch auch er muss voraussichtlich vom 2. bis 30. November seine Gaststätte schließen. „Wir haben alle Kühlschränke abgeklemmt und zugemacht. Was bleibt uns weiter übrig“, fragt Heinemann. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sieht etwa die sogenannte Überbrückungshilfe II vor. Heinemann kann diese wie viele Tausende andere auch seit dem 21. Oktober beantragen. Sie umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020 und förderfähig sind dabei sogar die Anschaffungskosten von Außenzelten und Wärmestrahlern.

Flucht ins Freie ist keine Option

Die mögliche Verlagerung des Geschäfts auf die Außenbereiche mag sich charmant anhören, nur rollt eben auf dem Platz derzeit kein Ball. Mit den ausbleibenden Fußballguckern und dem Veranstaltungsverbot ist Heinemanns Einnahmequelle versiegt. Auch, wenn das Sportlerheim derzeit seine Türen geschlossen hält, ist der langjährige Fußball-Abteilungsleiter der Grün-Weißen doch täglich anwesend. „Es muss weitergehen und es gibt immer etwas zu tun. Wir haben die Wände gestrichen, das Laub beseitigt und den Sportplatz gewalzt“, berichtet Heinemann, der die finanzielle Hilfe während der erneuten Zwangspause über kurz oder lang beanspruchen muss. Zugleich ist er sich sicher: „Wir werden selbstverständlich den Betrieb wieder aufnehmen werden, sobald es wieder möglich ist“.

Von finanziellen Engpässen verschont geblieben sind bisher die Regionalliga-Volleyballer des Burger VC99. „Die Zukunft hängt aber davon ab, wie die Liga fortgeführt wird. Ohne Spielbetrieb entstehen bei uns keine Kosten, da wir keine Spielerprämien auszahlen“, erklärt Libero Carsten Graßhoff.

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Kein Spielbetrieb - keine Kosten

Anders sieht es jedoch aus, wenn der Spielbetrieb wieder anrollt. Neben den Fahrtkosten zu den Auswärtsspielen sind es unter anderem Schiedsrichtergebühren bei Heimspielen, die entrichtet werden müssen. Auch Nutzungsgebühren für die Sporthalle der Berufsschule „Conrad Tack“ fallen dann an, so dass ein Spielbetrieb ohne Zuschauer zum Problem werden könnte. „Existenzängste haben wir aber derzeit nicht. Im Verein gibt es keine Festangestellten und meist werden die Trainer auf Honorarbasis für den Aufwand entschädigt – und der Trainingsbetrieb bleibt ja momentan auch aus. Insgesamt sind wir, denke ich, solide aufgestellt. Der Vereinsvorsitzende Karl-Yorck von Diemar und jeder einzelne Ehrenamtliche hat im Hintergrund eine sehr gute Arbeit geleistet, dass wir nicht von der Hand in den Mund leben müssen“, beschreibt Graßhoff den Stand der Dinge.

Ähnlich gefestigt gestaltet sich die Situation beim Tischtennis-Regionalligisten DJK TTV Biederitz. Denn obwohl die Herren- und die Damenmannschaft auf die Unterstützung polnischer Spitzenspieler setzt, befindet die Vereinskasse dank ausreichender Sponsorengelder weitab der roten Zahlen. „Ausländische Unterstützung ist in den oberen Ligen allgemein üblich, da vor allem der eigene Nachwuchs davon profitieren kann. Gleichzeitig setzen wir neben den polnischen Akteuren unsere eigenen Jugendspieler ein, die davon stark profitieren. Nur durch Training wird man nicht besser, es sind die Wettkämpfe, an denen die Jugend wächst“, erklärt der sportliche Leiter Sven Gottschalk.

Dank der Sponsoren gut aufgestellt

Auch das Spielen ohne Zuschauer stellt den Verein vor keine größeren Herausforderungen. Stattdessen ergibt sich vor allem für die Damenmannschaft ein anderes Dilemma: Derzeit beschäftigt sich der Deutsche Tischtennis-Verband mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen die Saison beendet werden kann. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass lediglich die Hinserie abgeschlossen werden soll und anhand der dann feststehenden Ergebnisse die Auf- und Absteiger ermittelt werden. Für den Regionalligisten von der Ehle eine mittelschwere Katastrophe, da der Spielplan für die Serie lediglich ein Heimspiel vorsieht. „Tischtennis ist vor allem Kopfsache und nach langen Fahrten zu den Auswärtsspielen besonders fordernd. Sollte die Entscheidung tatsächlich so getroffen werden, wird der Klassenerhalt erheblich erschwert“, zeigt sich Gottschalk missmutig. Der Beschluss wird in der kommenden Woche erwartet und bis dahin gibt der sportliche Leiter die Hoffnung nicht auf, dass die Entscheidung vielleicht doch anders ausfallen wird.