Halberstadt l Diese Begegnung vom 7. Spieltag war ihr Eintrittsgeld allemal wert. Zu diesem Schluss kommt man als neutraler Besucher, aber auch als Fan eines der beiden Teams, denn es wurde eine Menge geboten.

Zu einem grandiosen Spiel trugen in der ersten Halbzeit allerdings nur die Gastgeber bei. Trainer Sven Körner hatte seine Elf offenbar auf den Punkt genau eingestellt. Der von ihm geforderte „Männerfußball“ – seine Mannschaft zeigte ihn. Aber es war sogar mehr als „Männerfußball“, denn die Halberstädter überzeugten nicht nur durch ihre Zweikampfstärke und Physis, sondern in erster Linie durch präzises Zusammenspiel, schnelles Umschalten und Gedankenschnelligkeit. Tempo machte der VfB aber nicht nur „im Kopf“, sondern erst Recht auf dem Platz. Teilweise wie aus einem Guss spielten die Nord-Harzer Angriff nach Angriff. Da war das erste Tor nur eine Frage der Zeit. Etwas mehr als eine Viertelstunde war vergangen, da schob Batikan Yilmaz das Leder nach Vorarbeit von Fabian Wenzel, der auf der rechten Seite eine starke Leistung ablieferte, über die Torlinie. Auch danach war es meist überragend, was Justin Bretgeld und Stefan Korsch in der Zentrale demonstrierten. Die beiden 20-Jährigen spielten, als gäbe es keinen Morgen. Jeder Konter, jede offensive Aktion wurde von mindestens einem der beiden eingeleitet. Da war der zweite Treffer, wieder vorbereitet von Wenzel, nur verdient. Diesmal war Dennis Blaser der dankbare Abnehmer (22.). Nach dem zweiten Halberstädter Torjubel verstummten die stimmungsvollen Fangesänge der rund 250 mitgereisten Chemie-Anhänger zunächst schlagartig. Beim dritten Germania-Treffer – nach Korsch-Ecke verlängerte Blaser am zweiten Pfosten zu Luca-Falk Menke, der köpfte unter die Querlatte (41.) – hatten die Leutzscher Schlachtenbummler ihr Tagewerk zwar wieder aufgenommen, die missliche Lage der Leipziger Kicker wurde dadurch aber nicht besser.

Gute Möglichkeiten vor der Pause

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff hatte der VfB weitere gute Möglichkeiten, wie auch schon im gesamten Verlauf des ersten Durchgangs. Diesen Vorwurf muss sich der Gastgeber gefallen lassen, auch wenn es sich bei einer 3:0-Führung und einer insgesamt sehr guten Spielweise grotesk anhört: Mit mehr Konsequenz beim Torabschluss wären ein, zwei Treffer mehr möglich gewesen.

Nach 54 Minuten und 16 Sekunden nahm diese Begegnung eine ungeahnte Wende. Yilmaz sah nach einem Foul an Germanias Ex-Kapitän Benjamin Boltze Gelb-Rot. Eine sehr harte Entscheidung. Sven Körner sah es ähnlich: „In den 55 Minuten, die Batikan gespielt hat, foult er dreimal, zweimal davon sieht er Gelb. Das ist bitter für ihn und für die Mannschaft.“

Sonntagsschuss bringt Ausgleich

Gästetrainer Miroslav Jagatic reagierte sofort und brachte mit Max Keßler einen weiteren Mittelstürmer. Spätestens nach dem 1:3 der Leutzscher nach einer Stunde war klar, dass diese Partie noch mehr zu bieten haben würde. Chemie war jetzt natürlich motiviert und steckte nicht auf, sah seine Chance.

Korsch touchierte nach 80 Minuten einen Leipziger kurz vor der Strafraumlinie. Den strittigen Strafstoß versenkte Tommy Kind zum 2:3 (81.). Das große Zittern auf Seiten des VfB war im vollen Gange. Ein Sonntagsschuss von Björn Nikolajewski brachte den Ausgleich (86.). Germanias totaler Vollgasfußball der ersten Halbzeit sollte nicht mit drei Punkten belohnt werden. „So brutal ist Fußball“, resümierte Körner. „Man darf sich nicht zu sicher sein, vielleicht waren wir uns in der Halbzeit zu sicher.“

Torfolge:

1:0 Batikan Yilmaz (17.), 2:0 Dennis Blaser (22.), 3:0 Luca-Falk Menke (41.), 3:1, 3:2 Tommy Kind (59., FE/ 81.), 3:3 Björn Nikolajewski (86.).