Halberstadt l Recht passende Worte fand direkt nach dem Abpfiff Stadionsprecher Bernd Waldow, er sprach vom Halleschen FC als „Pokalsieger“ und vom VfB Germania als „Gewinner“. Das 0:2 gegen den Favoriten hört sich zunächst deutlich an, ganz so verlief die Partie vor knapp 1 600 Zuschauern im Friedensstadion aber nicht. Wie schon bei den Endspielen mit VfB-Beteiligung 2010, 2013 und 2017 war gegen den Kontrahenten kein Klassenunterschied zu sehen. Trainer Maximilian Dentz hatte seine Elf hervorragend vorbereitet, wenngleich er auf Philipp Blume verzichten musste. Der Abwehrhüne wurde nicht mehr rechtzeitig fit. Auf der anderen Seite sahen die Zuschauer über weite Strecken einen eher glanzlosen HFC.

Wollte der Drittligist diesen Pokal überhaupt? Die Frage hört sich paradox an, es war aber zumindest der Eindruck im Vorfeld entstanden, dass der Ausflug nach Halberstadt eine Art „lästige Pflicht“ darstellt. Argumente dafür waren die Äußerung von Trainer Torsten Ziegner Mitte der Woche im Mitteldeutschen Rundfunk: „Mir hätten zwei Relegationsspiele mehr geschmeckt als dieser Landespokal. Jetzt sind wir im Finale, jetzt müssen wir nach Halberstadt fahren, jetzt wollen wir das Ding gewinnen.“ Die Absage von HFC-Hallensprecher Markus Hein, der gemeinsam mit „VfB-Stimme“ Bernd Waldow für Kurzweil und die entsprechende Stimmung bei den zwei Fanlagern sorgen sollte, und die Absage der HFC-Delegation bei einer der zwei (Sicherheits-)Beratungen sprechen dafür. Das waren letztlich aber nicht mehr als kleine Scharmützel. Selbstverständlich war die Einstellung des Favoriten aus der Saalestadt am Finaltag entsprechend eines Leistungssportlers. Zwar dauerte es bis weit in die zweite Halbzeit, ehe der HFC optisch das bessere Team war, von da an wurden die Qualitätsunterschiede zwischen beiden Mannschaften aber deutlich. Die Hallenser hatten ab der 60. Minute spielerische und später auch konditionelle Vorteile, drückten auf den ersten Treffer. Der eingewechselte Marvin Ajani leitete mit seinem Flügelwechsel das 1:0 durch Bentley Baxter Bahn ein (67). Zehn Minuten vor dem Abpfiff schob er einem Halberstädter Pokaltriumph mit seinem Treffer zum 0:2 endgültig den Riegel vor. Maßgenau traf er in das von Germania-Torwart Fabian Guderitz aus gesehene linke obere Eck.

Nach Abpfiff fantastisch reagiert

Das Halberstädter Publikum, mit den Fans in Block A an vorderster Front, reagierte nach Abpfiff fantastisch. Es hatte einen Hauch von der beeindruckenden Atmosphäre, wie sie die Frankfurter Eintracht-Fans vor wenigen Tagen nach dem knappen Ausscheiden im Europapokal-Halbfinale an der Londoner Stamford Bridge schufen. Dabei war das Ergebnis völlig egal, es zählte allein die gute Leistung, die die Mannschaft von Trainer Dentz abgeliefert hatte. Der Applaus galt hier einer insgesamt erfolgreichen Saison, die zwar nicht mit dem Pokalerfolg gekrönt wurde, aber höchsten Respekt verdient hat.

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