Halberstadt l Denis Schmid, Trainer der ersten Männermannschaft und Vorstandsmitglied, gab im Gespräch mit Volksstimme-Sportreporter Marco Heide seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Saison sportlich beendet werden kann.

Volksstimme: Der Spiel- und Trainingsbetrieb beim HT 1861 Halberstadt ist eingestellt. Vor dem 19. April soll laut HVSA keine Begegnung stattfinden. Glauben Sie, dass diese Saison noch regulär zu Ende gespielt werden kann?

Denis Schmid: Ich denke, dass man da starke Zweifel haben kann. Man muss schauen, wie schnell wieder Spiele angesetzt werden können und wie die Verfügbarkeit der Sporthallen ist. Ich glaube nicht, dass es noch zu einem regulären Spielbetrieb kommt.

Bis wann könnte Ihrer Meinung nach die Saison maximal verlängert werden?

Um vier Wochen könnte die Saison meiner Meinung nach verlängert werden. Dann sind wir bei Mitte Juni. Das ist in Ligen möglich, in denen keine Qualifikationsspiele nach oben oder unten nötig sind. Aber Mitte spätestens Ende Juni müssen die Vereine Sicherheit haben, um die Planungen für die neue Saison vorantreiben zu können.

Wie halten sich ihre Spieler aktuell fit?

Das Training ist erstmal eingestellt. Wir müssen beobachten, was die Gesundheitsämter empfehlen. Auch die Nutzung der Fitnessstudios ist aktuell nicht möglich. Deshalb ist es nicht einfach, sich fit zu halten.

Wie lange können Ihre Spieler ihr reguläres Liga-Leistungsniveau ohne Training und Spielbetrieb halten?

Nach spätestens zwei Wochen ohne Spiele und ohne Training wird es Unterschiede geben. Gerade in den Bereichen Schnelligkeit und Rhythmus. Auf ein Spiel kann man mal verzichten. Nach zwei bis drei Wochen ohne Training ist das Niveau aber dahin und muss wieder neu aufgebaut werden.

Sollte der Spielbetrieb nach einer längeren Unterbrechung wieder aufgenommen werden? Wie lange dauert es, bis die Sportler ansatzweise ihr Level von vor der Unterbrechung haben?

Ich denke, dass man mindestens zwei Wochen benötigt. An der grundsätzlichen Fitness wird es nicht scheitern. Die Wiederherstellung der Schnelligkeit, Verletzungsprophylaxe, den Rhythmus wiederfinden, die Abstimmung im Zusammenspiel sind dann die Hauptarbeitsfelder.

Der HT 1861 Halberstadt hat bisher die wenigsten Spiele in der Sachsen-Anhalt-Liga absolviert. Ist das perspektivisch ein Nachteil?

Ich glaube nicht, da der Unterschied zu den anderen Teams nicht sehr groß ist. Man wird eher schauen müssen, wie dann der Spielbetrieb noch einmal aufgenommen wird. Aber dieses eine Spiel Unterschied zur Masse der anderen Mannschaften sehe ich nicht als Nachteil.

Können Sie die Zeit, die Sie momentan nicht in der Halle verbringen, nutzen?

Sportlich können wir das gerade nicht nutzen. Wir müssen die Entwicklung beobachten und schauen, ob und in welchem Umfeld und mit welcher Personenanzahl man etwas in den nächsten Wochen machen kann.

Eine Frage an Sie als Präsidiumsmitglied: Wie sind die Reaktionen der Sportler und Eltern auf die Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebs?

Das Thema ist beherrschend und dominiert die Medien. Gerade im Nachwuchsbereich ist das Verständnis und die Verunsicherung der Eltern groß. Ich glaube, alles andere als die Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebes kann man nicht verantworten und wäre auch nicht richtig. Den Kindern und Erwachsenen fehlt vielleicht die Bewegung, die sie beim Training hätten, aber die eigene Gesundheit hat da eindeutig Priorität.

Ab wann würden Sie das Training wieder aufnehmen?

Ich gehe schwer davon aus, dass es Empfehlungen geben wird, ab wann das Training wieder risikolos möglich ist. Das ist uns auch wichtig, da wir mit dem Sport zur Gesundheit beitragen und kein Risikofaktor sein möchten. Wir sind da in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern und werden dann auch, genauso wie bei der Aussetzung des Trainings, eine gemeinsame Entscheidung treffen. Diese Empfehlungen erwarte ich aber auch vom Landessportbund und den Landesfachverbänden.

Erwartet der Verein negative Folge bei einer längeren Unterbrechung seiner sportlichen Arbeit?

Das ist noch nicht absehbar. Kurzfristig und unmittelbar erwarte ich keine negativen Folgen. Es wird darauf ankommen, wie lange kein Sport angeboten werden kann. Es wird gegebenenfalls schon Auswirkungen auf die Nachwuchsgewinnung haben. Es kann aber positiv sein, weil viele Kinder in dieser Zeit merken, wie sehr ihnen der Sport fehlt und dann mit mehr Elan wieder zu uns zurückkommen, wenn die Unterbrechung vorbei ist.

Woran arbeitet das Präsidium aktuell?

Aktuell diskutieren wir die Herausforderung, die mit der Aussetzung des Spiel- und Trainingsbetriebes verbunden ist und wie wir damit im Verein umgehen. Das zweite große Thema, mit dem wir uns im Vereinspräsidium beschäftigen, ist die Baumaßnahme an der Sporthalle an der Sekundarschule „Freiherr Spiegel“. Wir hatten geplant, wenn die Baumaßnahme wie vorgesehen anläuft, dass wir nach den Osterferien mit neuen Trainingszeiten arbeiten müssen. Sowohl die Handball- als auch die Cheerleading-Abteilung sollen dann in der Sporthalle „Völkerfreundschaft“ trainieren.

Welches Szenario wünschen Sie sich für den Ligaspielbetrieb, was wäre für Sie der „Worst Case“?

Ich wünsche mir, dass alle Entscheidungen sportlich gefunden werden können. Der „Worst Case“ wäre, dass es in dieser Saison keine weiteren Spiele mehr gibt, die Saison abgebrochen werden muss und die Sportgerichte über Auf- und Abstieg entscheiden müssen. Das wäre wahrscheinlich sehr langatmig und unglücklich. Mein Wunsch ist, dass alle Entscheidungen sportlich gefunden werden. Da muss natürlich über geeignete Formen nachdenken – sei es Turnierbetrieb oder ähnliches.