Wernigerode l Wie im Harzer Sportkurier berichtet, wurde die Serie zum Stand des Abbruchs nach dem norwegischen Modell (Punkte pro Spiel) gewertet. Nach der Saisonauswertung der drei höherklassigen Teams blickt der Harzer Sportkurier in der heutigen Ausgabe auf die Bilanz der Bezirksliga-Teams im Erwachsenenbereich zurück.

Nur zwei Teams aus dem Harzkreis mischten vorn mit, die Männer der SpG Thale/Westerhausen und die Frauen vom HV Ilsenburg beendeten die Serie jeweils auf dem Bronzerang. Die Spielgemeinschaft aus Thale/Westerhausen ist dabei die einzige Mannschaft in beiden Ligen, die durch das norwegische Modell einen Platz einbüßte. Germania Borne hatte zwei Spiele weniger ausgetragen und zwei Minuspunkte weniger. Dennoch wird dieses Modell der Saisonwertung von allen Seiten als vernünftigste Lösung eingeschätzt.

Lösung wird von den Vereinen mitgetragen

Durch das vorzeitige Saisonende, wird die Liga sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen um ein spannendes Saisonfinale gebracht. Während bei den Damen das Spitzentrio SV Anhalt Bernburg, TSV Wefensleben und HV Ilsenburg nur zwei Verlustpunkte trennte, lag bei den Herren mit dem SV Langenweddingen II, Germania Borne, SpG Thale/Westerhausen und TSG Calbe/SaaleII sogar ein Quartett dichtauf an der Spitze.

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HVI-Damen mit Saisonverlauf zufrieden

Obwohl die Frauen des HV Ilsenburg als Tabellen­dritter noch Chancen im Titelkampf besaßen, wird der Saisonabbruch nicht als Ärgernis angesehen. „Die Saison vorzeitig zu beenden war alternativlos, mit der Wertung über das norwegische System wurde die fairste aller Möglichkeit gefunden“, erzählt Uwe Schmegner. Der langjährige Erfolgstrainer hatte sein Amt nach Ende der Saison 2018/19 niedergelegt, Isabel Liebecke erklärte sich schließlich bereit, die Mannschaft als Spielertrainierin zu coachen.

„Für uns galt es in erster Linie, nochmal eine Saison zusammen Spaß zu haben. Mit einem sehr kleinen Kader und vielen Verletzungen sind wir überaus zufrieden, mit dem was wir erreicht haben. Nach verpatztem Saisonstart und der großen Herausforderung ohne Trainer konnten wir wieder einmal mehr beweisen, dass wir mit Zusammenhalt und Kampfgeist viel erreichen können“, zeigt sich Isabel Liebecke mit dem Saisonverlauf zufrieden. „Diese Saison war also in mehrerlei Hinsicht eine besondere für uns und wir sind doch etwas traurig, dass sie so verfrüht verständlicherweise beendet werden musste“, fügte die Rückraumspielerin hinzu.

Ob es in der neuen Saison weitergeht, steht in Anbetracht der Personalknappheit auf der Kippe. „Aktuell muss sich jeder mit dem Gedanken anfreunden, dass es vielleicht jetzt so durch Corona zu Ende gegangen ist – und das wäre in doppelter Hinsicht bitter“, bedauert Isabel Liebecke.

HT-Damen sind ein Team mit Potenzial

„Wir sind mit der Saison und dem fünften Tabellenplatz ganz zufrieden, zumal es sehr viele enge Spiele gab, die wir knapp verloren haben“, ist sich das Trainergespann des Frauenteams des HT 1861 Halberstadt, Lyobov Kolomiyets und Norbert Schulze, einig. Die Halberstädter gingen mit einem sehr jungen Team an den Start. „Die A-Jugendlichen mussten sich erstmal an die Körperlichkeit im Damenbereich gewöhnen“, erklärt Kolomiyets. Welches Potenzial in dem Team stecke, habe man im letzten Spiel der Saison gesehen, als Halberstadt den Tabellenführer SV Anhalt Bernburg mit 23:22 besiegte, sagt Kolomiyets. Allerdings steht die Mannschaft vor einem Umbruch. Ein Teil der jungen Spielerinnen, darunter auch Leistungsträgerinnen, werden nach ihrem Schulabschluss die Stadt verlassen. Zum Norweger-Modell meint das Trainergespann: „Das Modell ist fair und für diese Liga eine vernünftige Lösung.“

HVW-Damen mit neuem Trainer

Das erste Spieljahr nach der Trennung von der SpG Harz liegt hinter den Frauen des HV Wernigerode. Mit Frank Pfeiffer fand der Verein zu Saisonbeginn einen neuen Trainer, fast folgerichtig lief in der ersten Saison noch nicht alles wie alles gewünscht. „In erster Linie ging es darum, die jungen Spielerinnen der B-Jugend zu integrieren und eine komplett neue Mannschaft zu formen“, berichtet Co-Trainerin Yvonne Gessing, die auch als Spielerin aktiv ist. „Persönlich haben wir uns natürlich mehr erhofft, als die Saison mit null Punkten zu beenden, aber das neuformierte Team und Trainer mussten erstmal zueinander finden“, fügte Gessing hinzu.

Mit fortschreitender Saison hielt die junge Wernigeröder Mannschaft immer besser mit den gegnerischen Teams mit, „hinten raus fehlte uns meist die Kondition und Konzentration, um die Partie erfolgreicher zu gestalten.“ Hierfür gibt es auch klare Gründe, wie Yvonne Gessing anführt: „Meist haben viele Spielerinnen vorher in der B-Jugend gespielt, mussten dann mit 50 Minuten in den Beinen noch einmal bei den Frauen ran. Da war es nicht verwunderlich, dass zum Ende die Kräfte nachlassen. Dazu kommt der Unterschied vom Frauen- zum Jugendhandball, da wird in der Abwehr deutlich härter gespielt und auch im Angriff muss man mehr einstecken.“

Alles in allem zeigt sich die Yvonne Gessing, die als Trainerin mit ihrer weiblichen B-Jugend zum dritten Mal in Folge den Bezirksmeistertitel gewann, mit den Fortschritten zufrieden. „Die jungen Spielerinnen haben schon viel Verantwortung übernommen, und das bei einem Altersgefüge von 16 bis zu 50 Jahren. Technisch spielen gerade die Mädels einen sehr guten Handball. Die B-Jugend wechselt zur kommenden Saison komplett in den Frauenbereich. Wenn wir wieder trainieren dürfen, wollen wir uns im gemeinsamen Training vorbereiten, in der nächsten Saison angreifen und mit dem vorhandenen Potenzial deutlich mehr erreichen“, blickt Yvonne Gessing optimistisch in die neue Spielserie.

Bezirksliga Herren

Bei den Herren rangieren alle Teams bis auf die SpG Thale/Westerhausen im Tabellenkeller, angeführt wird das Quartett vom HT 1861 Halberstadt II auf Rang acht. Den Kreisstädtern fehlte für eine bessere Platzierung die Konstanz, überzeugende Auftritte wie das Unentschieden bei der SpG Thale/Westerhausen oder der höchste Saisonsieg beim HV Wernigerode II deuteten das große Potenzial der Mannschaft von Trainergespann Uwe Graffschack/Olaf Feldheim an.

Etwas mehr als Platz neun hatte sich der HV Ilsenburg ausgerechnet, der große Umbruch nach dem Abstieg aus dem Verbandsliga ging aber nicht spurlos an den Ilsestädtern vorbei. „Es ist vollkommen richtig und gut so, dass die Saison vorzeitig beendet wurde. Wir hatten unseren Trainingsbetrieb schon vor der Empfehlung eingestellt, um Spieler und Familien zu schützen“, befürwortet Christian Goedecke, Co-Trainer des HV Ilsenburg, den Abbruch des Handballverbandes Sachsen-Anhalt. Auch die Wertung nach dem norwegischen System hält er für die fairste und sinnvollste Lösung.

„Sportlich hätten wir die Saison natürlich gern zu Ende gebracht, mit dem drittletzten Platz sind wir nicht ganz so glücklich. Wir hätten uns in der Tabelle gern noch etwas verbessert. In der nächsten Saison nehmen wir einen neuen Anriff in der Bezirksliga, bis auf wenige Veränderungen wegen Verletzungen und Arbeit steht uns der gleiche Kader zur Verfügung. Nach einer Findungsphase ohne die Altgedienten denke ich, dass wir in der neuen Serie vom Ergebnis besser da stehen“, blickt Goedecke optimistisch in die Zukunft.

Aktuell ist auch bei den Ilsenburgern Trainingspause, „wir halten uns strikt an die Richtlinien des Landes und Handballverbandes. Sobald das Training wieder aufgenommen werden kann, werden wir uns in kleinen Gruppen mit ersten Trainingseinheiten wieder heran tasten. Im Juli soll nach Möglichkeit der richtige Start in die Saisonvorbereitung erfolgen“, schaut Christian Goedecke auf die neue Serie voraus.

„Für uns steht außer Frage, dass wir über die Saison mit dem recht kleinen Kader zu kämpfen hatten. Viele A-Jugendspieler haben den Verein verlassen, auch die anderen jungen Spieler benötigen ihre Zeit, um sich bei den Männern zu integrieren.“

HVW-Reserve mit Licht und Schatten

Mit „viel Licht und viel Schatten, aber jede Menge Spaß als Team“, umschreibt der HV Wernigerode den Saisonverlauf bei der zweiten Männermannschaft, die zum vorzeitigen Ende den vorletzten Tabellenplatz einnahm. Das Team von Trainer Gero Meseck musste zu viele, teilweise unnötige Niederlagen hinnehmen. Oft machten Schichtarbeiten oder Verletzungen dem Trainer einen dicken Strich durch die Aufstellung.

Trotz der hinteren Tabellenplatzierung verzeichnete die HVW-Reserve im Verlauf der Serie auch einige „großartige Momente“. Angefangen vom Auftaktsieg gegen den HC Salzland 06, dem Punktgewinn gegen den HT 1861 Halberstadt II und natürlich dem Derbysieg gegen den HV Ilsenburg am letzten Spieltag der Saison. Mit diesen Erfolgen lieferte das Team den Zuschauern tolle Momente. „Wer glaubt, dass der Tabellenplatz die Stimmung in der ,Zwoten’ widerspiegelt, der irrt. Ein großartiger Teamgeist, viel Spaß und fast schon ein familiäres Team ist viel mehr als ein Tabellenplatz“, gewährt der HV Wernigerode über Facebook einen Einblick in die Stimmungslage der eingeschworenen Truppe.

Hinter der HVW-Reserve musste sich die SG Stahl Blankenburg einrangieren, trotz des letzten Tabellenplatzes hält sich die Enttäuschung im Verein in Grenzen. „Für uns steht außer Frage, dass wir über die Saison mit dem recht kleinen Kader zu kämpfen hatten. Viele A-Jugendspieler haben den Verein verlassen, ein eminent wichtiger Spieler wie Armin Kreisel steht wegen seines Studiums maximal ein Drittel der Spiele zur Verfügung – und das ohne Training. Auch die anderen jungen Spieler benötigen ihre Zeit, um sich bei den Männern zu integrieren“, schätzt Co-Trainer Axel Fickenwirth das abgelaufene Spieljahr als durchwachsen ein.

 „Dazu kam dann auch noch der Trainerwechsel, rückblickend war es eine Übergangssaison“, ergänzte Axel Fickenwirth. Denny Schilling hatte das Traineramt im Verlauf der Saison von David Wienbreier übernommen, auch an diese Umstellung musste sich das Team gewöhnen. „Zur neuen Serie haben wir zwar vereinzelte Abgänge, dennoch sollten wir besser aufgestellt in die Saison gehen. Am Ende spielen wir aus Spaß und da ist das Erreichte völlig in Ordnung“, erzählt Axel Fickenwirth.