Halberstadt l Weil aber viele Teilnehmer sich bereits langfristig für die Wettkämpfe angemeldet und auch bezahlt hatten, kamen etliche Veranstalter auf die Idee, virtuelle Läufe anzubieten. Diese Alternativen fanden große Resonanz. Und so lief jeder sein großes Rennen für sich, dokumentierte seine Aktivität mit Laufuhr und Fotos.

Eggert nutzt alternative Strecken

Die Halberstädterin Irmgard Eggert absolvierte zunächst die 21 Kilometer „Airport Night Run“, allerdings nicht auf der Start- und Landebahn des BER in der Bundeshauptstadt, sondern wählte dafür den Huy. Auch auf den Rennsteig-Supermarathon wollte sie nicht verzichten. Um die 73,9 Kilometer zurückzulegen, die sie beim GutsMuths-Rennsteiglauf schon 14 Mal zwischen Eisenach und Schmiedefeld absolviert hat, nutzte sie die ihr vertraute Strecke des Ottonenlaufes von Stiege nach Quedlinburg. Weil diese jedoch „nur“ 69 Kilometer misst, wurde zwischendurch eine zusätzliche 5-km-Schleife gezogen.

„Bei den Läufen fehlte es an der gewohnten Atmosphäre. Keine Gleichgesinnten vor, hinter oder neben einem, kein Publikum am Wegesrand, keine Verpflegungsstelle, keine Stimmung bei der Zielankunft. So etwas kenne ich höchstens vom Training“, gibt die Halberstädter Ultraläuferin zu verstehen.

Unterstützung durch den Ehemann

Wegen der sehr langen Distanz war eine Begleitung erforderlich, die unterwegs nicht nur die Versorgung sicherstellte, sondern auch die Etappen fotografisch dokumentierte. Ihr Mann begleitete sie mit dem Mountainbike und übernahm diese Aufgaben. Außerdem munterte er sie während der gut zehn Stunden immer wieder mal auf. Selten begegneten sie Wanderern, die sich dann allerdings über die einsame Läuferin mit der Rennsteig-Startnummer wunderten.

Die Laufdaten (Laufzeit, Laufregion, Fotos usw.) wurden eingeschickt, vom Veranstalter geprüft und dann in der Teilnehmerliste von „#RENNSTEIGLÄUFERatHOME“ freigeschaltet.

Etwas anders ging es jetzt beim 23. Vöppstedter Forst Ultramarathon über 45,1 Kilometer zu. Dieser von Marc Fischer in Salzgitter Bad privat organisierte, fast familiäre Lauf hat jedoch Wettkampfcharakter, auch wenn der Teilnehmerkreis jedes Mal überschaubar ist.

Eggert fühlt sich gut

Bei dem ersten öffentlichen Ultra nach der Coronapause in Salzgitter-Bad schickte er vor seinem Haus drei Frauen und zwei Männer auf die Strecke. Sechsmal mussten sie den 7,51 km-Rundkurs im Vöppstedter Forst bewältigen. „Streckenposten und Ausschilderungen gibt es bei dem Rennen nicht, Getränke und Verpflegung werden nach jeder Runde im Start-Ziel-Bereich bereit gehalten. Da ich dort schon einige Male gestartet bin, kenne ich mich gut aus und weiß, was mich erwartet“, so Irmgard Eggert. 4:58 Stunden zeigte ihre Uhr nach der Marathondistanz und 5:23 Stunden nach 45,1 Kilometer.

„Ich fühlte mich gut. Wenn ich auch auf der Strecke allein unterwegs war, weil sich das kleine Läuferfeld durch zeitversetzte Starts auseinanderzog, war es doch ganz anders, als bei den zuvor absolvierten virtuellen Läufen“, gesteht die Halberstädterin. Sie berichtet, dass sie in der wettkampffreien Zeit bisher viel mehr Kilometer im Training absolviert hat, als sonst im gleichen Zeitraum Wettkampf- und Trainingskilometer zusammen. Besonders froh ist sie, dass sie zum Team der Halberstädter Gipfelstürmer gehört, mit dem sie mehrmals mit dem verordneten Abstand den Brocken laufend eroberte.