Halberstadt l Die knapp 40 anwesenden Mitglieder verfolgten die Ausführungen der verschiedenen Abteilungsleiter und den Jahresbericht von Präsident Olaf Herbst. Zu Beginn gedachte man den Mitgliedern, die im vergangenen Jahr verstarben, darunter mit Helmut Jäger ein Sportfreund, der 60 Jahre im Verein war.

Olaf Herbst blickte zuerst auf die Entwicklung der örtlichen Bedingungen am Friedensstadion zurück. So wurde im Sommer 2015 der Kunstrasenplatz fertig gestellt. „Fast fünf Millionen Euro wurden seit 2011 investiert. Der VfB Germania verfügt über eine top Anlage. Viele Sportvereine haben nicht so eine Komplexität. Gerade den Fußball betreffend liegen wir im Bereich der 3. Liga und Regionalliga weit vorne“, so Herbst nicht ohne Stolz. Anschließend ging er auf das „Aushängeschild“ – die Fußballer – ein. „Hier ist eine negative sportliche Entwicklung nicht übersehbar, zum Jahreswechsel hatten wir fünf Punkte. Eine Verbesserung ist unter Trainer Thomas Waldow eingetreten, dennoch: Die Situation ist sehr schwierig. Bei der augenblicklichen Konstellation sind wir Absteiger.“

Auch die Zahl der Vereinsmitglieder ist auf einem negativen Weg. Waren es 2014 noch 892, so verlor der VfB Germania bis April 2016 mehr als 100 Mitglieder (782). „Als ich hier angefangen habe“, erinnerte sich Herbst, „da waren es knapp 1 300“. Das ist mehr als 15 Jahre her, den größten Schwund verzeichnet(e) die Abteilung Fußball, ein Plus gibt es dagegen bei den Bogenschützen. Herbst dazu: „Der demografische Wandel geht an uns nicht vorbei.“ Gleichzeitig rief er alle Anwesenden auf: „Kümmert euch bitte um Mitglieder, auch passive sind interessant.“ Um so ärgerlicher sei, dass einige ihren Beitrag nicht bezahlen, insbesondere die Fußballer.

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Auf den Fußball ging Herbst im Verlauf detaillierter ein. Er kam in seinen bisherigen 16 Jahren Amtszeit zur Erkenntnis: „Wir sind nicht angekommen in der Harzregion. Das tut weh.“ Was Herbst meint: Die regionale Vernetzung im Landkreis Harz, gerade die Wahrnehmung und das Sponsoring betreffend, könnte deutlich besser sein. „Das sind noch Auswirkungen der Kreisgebietsreform von 2007. Wir müssen weiter daran arbeiten, die Leute hinter dem Ofen herzulocken.“ Der Präsident zeigte die große Wirkung des VfB auf: „Wir haben fast vier Stunden Sendezeit im TV im Jahr – welche Sportart oder Sehenswürdigkeit in Halberstadt hat eine größere öffentliche Bedeutung. Ich sage: keine. Nur der Fußball erreicht solche Massenwirksamkeit. Das ist die Wahrheit und nichts anderes.“

Dennoch, die Zahl der Unterstützer ist seit 2000 stetig gewachsen. „Trotzdem ist es zu wenig, um entspannt arbeiten zu können“, so Herbst, „im Fußball sind wir regelmäßig am Limit. Es ist wie mit der Bettdecke: Man muss an allen Enden ziehen, um Füße oder Nasenspitze nicht mehr rausschauen zu lassen.“ Dank richtete der Vereinschef auch an Christian Mokosch, Stephan Grabinski und Thomas Waldow, die sportlich wie wirtschaftlich im Sinne des VfB Verantwortung tragen.

Veränderung gibt es bei der Personalie Schatzmeister. Da Peter Schubert Anfang April aus persönlichen Gründen sein Amt niedergelegt hat, übernimmt vorerst Beisitzer Marco Behrens bis Ende des Jahres dessen Amt.

In Vertretung von Fußballabteilungsleiter Frank Butzke äußerte sich Nachwuchskoordinator Holger Eheleben. „Wir sind ein Verein für Breitensport. Den Spagat zwischen leistungsorientiertem und Leistungssport hinbekommen ist sehr schwer. Wir haben die Fahnenstange erreicht – mehr als Verbandsliga ist nicht möglich, entsprechend arbeiten wir unter den gegebenen Bedingungen weiter.“

Einmal mehr kritisch äußerte sich die Abteilung Leichtathletik, namentlich mit Kay Felschner. Er sieht die Stadien in Haldensleben, Magdeburg, Dessau oder Halle besser ausgerüstet, was die Leichtathletik betrifft. Hier reagierte Herbst später drauf: „Als ich vor mehr als 20 Jahren zum VfB Germania stieß, gab es hier nur eine Aschebahn. Seither haben wir die Bedingungen stetig verbessert, aber alles geht nicht. Weil ich aber Leichtathletik-Fan bin, trage ich gern zur weiteren Verbesserung bei.“

Kritik übte Felschner auch an den Fußballern. „Aushängeschild erste Fußballmannschaft: Das möchte ich nicht mehr akzeptieren.“ Hier monierte Felschner in erster die Linie die Kosten, „ohne unseren Förderverein könnten wir es finanziell dagegen nicht stemmen“. Sportlich bereitet sich seine Abteilung auf die großen Veranstaltungen der Freiluft-serie vor. „Wir hoffen, zwei Athleten zur Deutschen Meisterschaft entsenden zu können.“

Sieglinde Müller (Turnen) berichtete von ihren etwa 20 Kindern, die regelmäßig im Wettkampfbetrieb stehen und bei Landesmeisterschaften vordere Plätze belegten. „Bei der Harz-Olympiade haben alle von uns gewonnen“, so Müller. Stolz erwähnte sie außerdem die Frauensportgruppe, die schon seit 40 Jahren gemeinsam Städtereisen durchführt, Fasching feiert oder diverse Auftritte wahrnimmt. Ein Höhepunkt bleibt das Weihnachtsschauturnen.

Holger Henschel von der Sektion Judo behielt den letztjährigen „Tag des Judo“ in sehr guter Erinnerung. In Kooperation mit der Anne-Frank-Schule nahmen mehr als 100 Schüler teil. „Seither haben wir 13 neue Mitglieder.“ Große Erfolge feierte Svenja Jäger, die sowohl bei den Landes-, als auch bei den Mitteldeutschen Meisterschaften auftrumpfte.

Als verlässlich gilt die Abteilung Tischtennis um Volker Bastian. Die 50 Mitglieder in den zehn Teams zahlen jährlich pünktlich ihre Beiträge. Bastian unterrichtete die Anwesenden davon, dass sich der Nachwuchs langsam erholt. „Wir bauen behutsam auf. Da ist es gut, dass wir weiter unseren Lizenztrainer beschäftigen können.“

Uwe Schneider von der Reha-, Behinderten- und Bogensportabteilung bemängelte, dass es „leider immer noch kein neues Rollstuhlbasketballteam gibt“. Sonst steht diese Abteilung für Erfolg, vor allem die Bogenschützen nehmen regelmäßig an großen Turnieren teil.

Am Ende gab es drei Ehrungen. Mit Sieglinde Müller, Erika Oelmann und Volker Bastian hat der VfB Germania ab jetzt 16 Ehrenmitglieder (ein gesonderter Bericht dazu folgt).

Das Schlusswort gehörte dem Vorsitzenden Olaf Herbst. Er machte klar, dass er über seine laufende Amtszeit hinaus, wohl nicht mehr kandidieren wird. „2017 stehen Neuwahlen an. Bewerbt euch um die Präsidentschaft oder auch um alle anderen zu vergebenen Positionen. Neue Köpfe bedeuten auch neue Ideen. Veränderung ist immer notwendig, deswegen bin ich gerne bereit zurückzutreten.“