Neue Abseitsregelung, mehr Gelbe und mehr Rote Karten. Schiedsrichter Johannes Schipke erklärt, was die FIFA mit den Regeln zur neuen Saison geändert hat. Der Schiedsrichterlehrwart des Kreisfachverbandes Fußball im Landkreis Börde ist Schiedsrichter in der NOFV-Oberliga und der Junioren-Bundesliga. Dennis Uhlemann sprach mit Johannes Schipke über die Änderungen zur neuen Saison.

Volksstimme: Herr Schipke, die FIFA hat auf der 127. Jahresversammlung des International Football Association Board (IFAB) einige Änderungen der Spielregeln vorgenommen. Das betrifft vor allem die Abseitsregelung. Inwieweit ändert sich die bisherige Regelung?

Johannes Schipke: Bisher war es so: Ein Spieler, der im Abseits stand, wurde auch dann als abseits gewertet, wenn ein Verteidiger den Ball mit dem Kopf verlängert hat und dieser dann zu dem zuvor im Abseits stehenden Spieler gelangt ist. Dies hat sich nun geändert: Wenn ein aktives und absichtliches Spielen des Balles durch den Verteidiger vorliegt, ist das in der oben beschriebenen Situation kein Abseits mehr.

Anders ist es, wenn es sich um einen Abpraller handelt, dann wäre die Abseitsstellung weiterhin strafbar. Ebenfalls ist auf Abseits zu entscheiden, wenn der Angreifer den Ball aus einer unmittelbaren Torabwehraktion erhält. Auch reicht es künftig nicht mehr aus, wenn der Stürmer nur hinter dem Verteidiger steht. Um strafbar im Abseits zu stehen, muss er den Verteidiger angreifen, bedrängen, einen Zweikampf mit ihm führen oder im Sichtfeld des Torhüters stehen.

Volksstimme: Für welche Klassen gilt die neue Regelung? Und gilt sie auch im Frauenfußball?

Schipke: Die neue Regelung gilt seit dem 1. Juli 2013 für alle Spielklassen, von der untersten Kreisebene bis zur Bundesliga sowie interna- tional. Dementsprechend gilt die Regel natürlich auch für den Frauenfußball.

Volksstimme: Macht es diese Regel für Schiedsrichter leichter oder schwerer?

Schipke: Eine Regeländerung ist zunächst immer eine Umstellung. Ich denke jedoch, dass diese Konkretisierungen den Schiedsrichtern helfen werden, da sie bestimmte Sachverhalte einfach genauer definiert. Eine Grauzone wird es jedoch weiterhin geben.

Volksstimme: Was bedeutet das für die Spieler?

Schipke: Ein Verteidiger kann sich künftig nicht mehr darauf berufen, dass "irgendwo" hinter ihm ein Angreifer im Abseits stand, sondern dieser muss ihn konkret angreifen. Auch muss er sich darüber im Klaren sein, dass er eine mögliche Abseitsposition des Angreifers aufhebt, wenn er aktiv und bewusst zum Ball geht. Das gilt auch, wenn seine Abwehraktion unglücklich ist oder scheitert.

Volksstimme: Zudem gibt es eine härtere Kartenauslegung. Was verändert sich in diesem Bereich?

Schipke: Ein Verteidiger ist bei einem Schuss eines Angreifers in Richtung des Tores zwingend mit der Gelben Karte zu verwarnen, wenn er den Ball strafbar mit der Hand spielt. Dabei ist es unerheblich, wohin dieser Schuss gegangen wäre. Außerdem wurde klargestellt, dass auch ein Torwart bei einer Verhinderung einer klaren Torchance zwingend die Rote Karte zu erhalten hat und es in diesem Falle keine Sonderregelung gibt.

Volksstimme: Im Moment in aller Munde und auch auf der Jahresversammlung ein Thema: die Torlinientechnologie. Ist diese Technologie in einem Stadion installiert, soll sie auch genutzt werden. Ist das die Zukunft der Schiedsrichter?

Schipke: Sicherlich können technische Hilfsmittel die Arbeit des Schiedsrichters erleichtern. Man muss dies jedoch immer mit Vorsicht angehen und schauen, inwieweit die Technik sinnvoll und auch für die unteren Spielklassen nutzbar ist.