Börde l Im Nachwuchs war sie im altmärkischen Wittenmoor sowie beim Magdeburger FFC aktiv, bevor sie beim Heidesportverein Colbitz die ersten Schritte im Frauenfußball unternahm: Victoria Stein. Doch bereits im Sommer 2008 wechselte sie zum VfL Wolfsburg, trainierte dort mit bundesligaerfahrenen Spielerinnen und entwickelte sich weiter. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling blickt die 29-Jährige auf ihre Laufbahn.

Volksstimme: Waren Sie als Kind schon fußballinteressiert wie heute?

Victoria Stein: Ja, eigentlich spiele ich schon Fußball, seitdem ich denken kann. Schon als kleines Kind habe ich keine Puppen zum Geburtstag bekommen, sondern Fußbälle, Trikots oder passendes Schuhwerk.

Wo haben Sie Ihre Kindheit verbracht?

Meine Kindheit spielte sich vor allem in meinem Heimatort Uchtspringe und dort auf dem Bolzplatz ab. Wenn ich dort nicht selbst gekickt habe, war ich zum Zuschauen bei den Männern des SV Medizin auf dem Sportplatz. An freien Tagen drehte sich mein Leben also morgens bis abends schon nur um Fußball. Oftmals mussten meine Eltern mich am Abend nach Hause schleifen, weil ich allein nicht aufhören konnte. Dort ging es dann mit Fußballspielen im Fernsehen weiter.

Wo und wie leben Sie jetzt?

Nach wie vor unverändert lebe ich in Uchtspringe und der Fußball-Sport spielt noch immer eine sehr große Rolle in meinem Leben. Es dreht sich zwar nicht mehr rund um die Uhr alles nur um den Sport, doch wenn möglich, trainiere ich zwei Mal pro Woche selbst und verfolge auch die Übungseinheiten unserer Männermannschaft. Das Wochenende wiederum gehört weiterhin dem Fußball und den Spielen, zu denen ich in der Altmark oder mit den Frauen auch darüber hinaus unterwegs bin.

Wie und wann sind Sie zum Fußball gekommen?

Abgesehen vom Bolzplatz stand im Jahr 2000 eine Anzeige im „Uchtetalboten“, dass der SV Eintracht Wittenmoor Kinder suchte, die Lust auf Fußballspielen hatten. So wurde dort ein Schnuppertraining angeboten. In Uchtspringe hatten wir zu dieser Zeit keine Nachwuchsmannschaften. Meine Mutter hat das damals gelesen und sagte zu mir, dass ich meinen Vater doch mal fragen kann, ob er mit mir hinfährt. So ging es dann auch ganz schnell: Wir waren an einem Donnerstag das erste Mal beim Training und schon den Sonntag darauf war ich im Verein angemeldet. Dort wartete mein erstes Spiel gegen Havelberg auf mich und ich konnte gleich mein erstes Tor erzielen.

Wer war Ihr erster Trainer?

Hier möchte ich meinem ersten Trainer, Reinhard Brunner, noch einmal für seine Unterstützung danken. Später war Mario Rogge unser Übungsleiter.

Woran können Sie sich noch besonders erinnern, als Sie Ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht haben?

Ich erinnere mich gern an ein Spiel gegen den 1. FC Lok Stendal im E-Junioren-Alter zurück. Damals habe ich von der Mittellinie ein Freistoßtor erzielt. Die Stendaler waren seinerzeit noch ohne Gegentreffer in der gesamten Spielzeit und wir haben die Partie auch verloren. Dennoch haben mich nach dem Spiel alle für dieses Tor gefeiert.

Haben Sie auch andere Sportarten probiert?

Nein, das habe ich nicht. Für mich gab es bisher nur Fußball und das wird auch so bleiben.

Heute spielen Sie beim SV Medizin Uchtspringe. Wie steht Ihre Mannschaft aktuell in der Verbandsliga da?

Wir belegen aktuell den vierten Rang und sind damit die beste altmärkische Frauenfußball-Mannschaft in der höchsten Spielklasse des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt.

Sind Sie mit der Situation zufrieden?

Was heißt zufrieden? Ich bin sehr ehrgeizig und möchte natürlich in der Tabelle immer ganz oben stehen. Dennoch haben wir unser Bestes gegeben und somit ist das aktuelle Zwischenergebnis im Verbandsliga-Klassement auch gerechtfertigt.

Was zeichnet Ihre Mannschaft aus?

Das ist eine gute Frage, zu der ich beinahe ein ganzes Buch schreiben könnte. Meine Mannschaft ist so ziemlich die verrückteste Band, die ich kenne. Durch die vielen, verschiedenen Charaktere ist es einfach der Hammer mit den Mädels. Wir haben eine Menge Spaß zusammen – egal ob auf oder neben dem Platz. Bei uns ist niemand allein, wir motivieren uns auch immer gegenseitig, wo wir nur können. Das geht auch über den fußballerischen Bereich hinaus. So verbringen wir auch viel Freizeit außerhalb des Sportplatzes zusammen. Ich finde es einfach toll und bin super glücklich darüber, Teil dieser Mannschaft zu sein.

Auf welcher Position spielen Sie?

Im Normalfall im defensiven Mittelfeld auf der Sechs oder eine Position davor als Spielermacherin.

Ist das Ihre Lieblingsposition?

Letztere, also im zentralen Mittelfeld auf der Zehn, ja. Sie gefällt mir am besten, weil ich dort die meisten Freiheiten nach vorn habe.

Wo spielen Sie ungern?

Im Tor.

Was halten Sie von der Sperrung der Sportstätten, die aktuell zum zweiten Mal greift?

Wenn ich ganz ehrlich sein darf: nicht viel! Meiner Meinung nach ist die Ansteckungsgefahr im Freien am geringsten und Fußball ist nun einmal ein Sport, der in der Regel unter freiem Himmel betrieben wird.

Wie denken Sie, wird diese Saison zu Ende gehen?

Das weiß ich nicht und das ist auch schwer zu sagen. Allerdings hoffe ich, dass es schon ganz bald wieder losgeht und wir die Saison wie geplant zu Ende bringen können.

Welche Hobbys haben Sie neben dem Fußball?

Ich bin ein absoluter Familienmensch und unternehme in der Freizeit so sehr viel mit meinen Liebsten. Dazu gehört natürlich auch mein Freund. Zu zweit reisen wir gern, spielen hin und wieder einmal Squash, fahren Inliner und kochen gern zusammen.

Was machen Sie beruflich?

Bei der Salus Service in Uchtspringe bin ich als Köchin tätig.

Wie lassen sich Fußball, Arbeit und Privatleben vereinen?

Noch habe ich keine großen Verpflichtungen, so dass ich das ganz hinbekomme. Dazu gilt mein Dank auch meinem Arbeitgeber. Er ermöglicht es mir, an jedem Spiel teilzunehmen, obgleich ich jedes zweite Wochenende Dienst habe. Da mein Freund ebenso verrückt nach Fußball ist und auch meine Familie immer dabei ist, gibt es wegen dem Sport auch keine Probleme.