Haldensleben l Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling hat Kreissportlehrer Birger Orlamünde einen Einblick in seine Arbeit der letzten, aber auch zukünftigen Monate gegeben.

Volksstimme: Herr Orlamünde, wie geht es Ihnen?

Birger Orlamünde: Mir geht es derzeit gut, danke der Nachfrage.

Sie sind Kreissportlehrer beim Kreissportbund Börde – was bedeutet das?

Als Kreissportlehrer bin ich unter anderem für die Organisation der Kinder- und Jugendspiele im Landkreis Börde zuständig. Des Weiteren bearbeite ich alles um das Thema Deutsches Sportabzeichen. Außerdem bin ich noch stundenweise als Trainer im Verein tätig.

Wie haben Sie den ersten Lockdown erlebt?

Uns wurde Mitte März sehr schnell klar, dass wir unsere Aktivitäten stark einschränken müssen. Wir begannen die 13. Kinder- und Jugendspiele des Landkreises Börde am 11. März mit einem Handball-Turnier für die Schulen in Haldensleben. Am 14. März sollten zum Bundesliga-Wettkampf des SSV Samswegen die Wettbewerbe im Gewichtheben ausgetragen werden. Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. Der Trainings- und Wettkampfbetrieb wurde erst einmal für sieben Wochen eingestellt. Ein weiteres Problem kam im Bereich des Deutschen Sportabzeichens dazu. Durch die Schließung der Schwimmbäder und Sportstätten konnten die Bewerber bei Polizei, Zoll, Justiz oder Bundeswehr den Nachweis ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit nicht erbringen.

Und persönlich?

Auch im privaten Bereich wurde es schwierig. Wir mussten uns familiär völlig neu auf die Schließung der Schulen und Kindergärten einstellen. Meine Lebenspartnerin und ich wechselten uns täglich in der Betreuung der Kinder ab.

Wie lange dauerte das Aussetzen des Gruppentrainings und wann ging es wieder los?

Das letzte Training im „alten“ Format fand am 13. März statt. Nach gut sieben Wochen ohne Gruppentraining war es dann wieder soweit, das Training konnte auf dem Sportplatz in kleinen Gruppen (vier Sportler und ein Betreuer) ab 5. Mai wieder beginnen. Ab 2. Juni musste dann noch ein Hygienekonzept erarbeitet werden, um den Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten. Leider gab es seitens des Landessportbunds, des Deutschen Olympischen Sportbunds oder den Fachverbänden lange keine brauchbare Unterstützung für die Vereine. Die Handhabung der verschiedenen Verordnungen wurde zudem von den Kommunen unterschiedlich ausgelegt. Jetzt konnte aber auch die Teilnehmerzahl der Trainingsgruppen wieder erhöht werden (zehn Sportler und ein Betreuer). Nach einer weiteren Anpassung des Hygienekonzepts wurde seit dem 16. Juli bis zur erneuten Schließung der Sportstätten ab 2. November trainiert.

Wie geht es zurzeit im Trainingsbetrieb weiter?

Der derzeitige Teil-Lockdown erlaubt zurzeit nur noch Individualsport beziehungsweise „Gruppentraining mit zwei Sportlern“ unter Aufsicht eines Trainers. Auf einer weitläufigen Freiluftanlage wäre auch eine Betreuung mehrerer Sportler möglich, sofern eine räumliche Trennung gewährleistet ist (laut Nachfrage beim Ministerium für Inneres und Sport). Aber das Bedarf einer Genehmigung durch den Betreiber der Sportstätte und das sind in vielen Fällen die Kommunen. Die Deutsche Sportjugend hat gerade einen „Vier-Stufen-Plan für den Kinder- und Jugendsport während der Corona-Pandemie“ erarbeitet. Damit wird das Ziel verfolgt, möglichst einheitliche Regelungen für das gesamte Bundesgebiet zu finden, um Vereinsangebote im Fall von Kontaktbeschränkungen auf öffentlichen Sportanlagen differenziert zu ermöglichen.

Wie geht es nun mit den Kinder- und Jugendspielen weiter?

Die Kinder- und Jugendspiele sollen trotz der misslichen Umstände weiter Bestandteil der Arbeit des Kreissportbundes bleiben. Nachdem in diesem Jahr nur der Pferdesport in Schackensleben, Kegeln in Haldensleben, das Einzelzeitfahren im Radrennsport in Bahrendorf und ein Handballschulturnier stattfinden konnten, planen wir für 2021 wieder alle Sportarten durchzuführen. Es gibt schon erste Vorplanungen der Fachverbände und Sportvereine. Wenn die Pandemie-Entwicklung aber so weiter geht, wird man sich aber bestimmt auf die zweite Jahreshälfte, insbesondere die Indoorsportarten, orientieren müssen.

Was gibt es noch Neues zum Deutschen Sportabzeichen?

Da derzeit auch die Schwimmbäder wieder geschlossen sind, werden in Sachsen-Anhalt bis auf Weiteres ältere Nachweise – egal ob aus der Jugend oder Erwachsenenbereich oder alte Schwimmabzeichen – für die Erstellung des Sportabzeichens akzeptiert. Für Kinder und Ju-gendliche bis 17 Jahre bleibt weiterhin die Regelung des einmaligen Nachweises bestehen. Der Termin zur Abgabe des Meldebogens für den Sparkassen Sportabzeichenwettbewerb der Schulen ist mit dem 15. Dezember festgeschrieben. Für jedes abgelegte Sportabzeichen erhalten die Schulen eine Prämie von bis zu 0,50 Euro zur Anschaffung von Sport- und Spielgeräten. Die sechs punktwertbesten Schulen der verschiedenen Schulformen und –größen erhalten zusätzliche Geldpreise. 2019 schaffte es die Förderschule J.H. Pestalozzi Haldensleben auf einen tollen sechsten Platz im Land. Übrigens ist im Land Sachsen-Anhalt die Verleihung der Sportabzeichen an Jugendliche bis 17 Jahre kostenfrei.

Was denken Sie, können Sie den Sportbetrieb im Dezember wieder aufnehmen?

Nach derzeitigem Stand kann ich es mir nicht vorstellen, dass die Sportstätten, insbesondere die Sporthallen, im Dezember für den Amateurvereinssport wieder geöffnet werden. Vielleicht können sich die Kommunen ja aber dazu durchringen, wenigstens in den Ferien die Freiluftsportanlagen für den Vereinssport wieder freizugeben.