Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Erholung - so auch für Sören Osterland, einer von 23 angehenden Fußball-Lehrern. Gemeinsam sind sie seit Juni 2011 auf dem Weg zur höchsten Trainerlizenz im internationalen Fußball.

Stendal/Hennef l Mit gerade einmal 26 Jahren ist der gebürtige Stendaler mit Abstand der jüngste unter ihnen und nach den Prüfungen der jüngste Fußball-Lehrer Deutschlands und wahrscheinlich auch weltweit.

Bei einem so großen Ziel ist völliges Abschalten aber auch in der besinnlichen Zeit nicht möglich. Es gilt die Abschlussprüfungen vorzubereiten, die eigene Fußballphilosophie in Form einer Hausarbeit niederzuschreiben und den Praktikumsbericht über seine Wochen beim 1.FC Nürnberg zu vervollständigen. Trotzdem freut sich der Altmärker "riesig" über seinen ersten längeren "Heimaturlaub" bei seiner Familie, "der ich unheimlich viel zu verdanken habe und die mich bei allem jederzeit unterstützt", fügt er hinzu.

Einen weiteren großen Ausbildungsabschnitt haben Sören Osterland und Co. (unter anderem die Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg, Mehmet Scholl und Jörg Heinrich) seit unserem letzten Zwischenbericht im September hinter sich gelassen. Auf dem wöchentlichen Stundenplan standen Psychologie, Sportmedizin, Trainingslehre, Ernährungslehre und Regelkunde. Im wichtigsten Hauptfach, der Fußball-Lehre, ging es mit der "Basisausbildung" weiter. Hierbei rückte vor allem das Angriffsverhalten in den Mittelpunkt - mit zentralen Themen wie Spielaufbau, Flügelspiel und dem Herausspielen von Toren und Torchancen.

Diese "normalen" Schulwochen wurden in regelmäßigen Abständen durch einige Sonderthemen und Highlights unterbrochen. So führte die Teilnehmer ihr Weg in den Westerwald zu einem viertägigen Rhetorikkurs mit erfahrenen Sportjournalisten, zu einem Gemeinschaftslehrgang mit den englischen und österreichischen Trainerakademien im UEFA-Hauptquartiert in Nyon (Schweiz) und zu abermals ihren Bundesliga-Praktikumsvereinen. In diesem Rahmen war der Blondschopf aus der Altmark im November erneut für zwei Wochen zu Gast bei der Profimannschaft des 1. FC Nürnberg um Cheftrainer Dieter Hecking.

Um das vermittelte Wissen zu überprüfen, stehen, wie in jeder Ausbildung, auch umfangreiche Leistungsbewertungen auf dem Ausbildungsplan. Die Zwischenprüfungen in den unterschiedlichen Fachbereichen, insgesamt zehn an der Zahl, hat der Einserabiturient bereits absolviert. Und egal ob Spielsysteme, Trainingsaufbau oder Muskelstrukturen, Osterland liegt mit seinen durchweg sehr guten Zensuren im vordersten Feld der Teilnehmer. Doch diese sogenannten Modultests sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf die große Abschlussprüfung im März mit einer einstündigen Arbeit in Ernährungslehre, vier dreistündigen Klausuren in Fußball-Lehre, Sportmedizin, Trainingslehre und Psychologie, einer mündlichen Prüfung in allen Bereichen und einer zu leitenden Trainingslehrprobe. "Wir haben den Prüfungsplan vor zwei Wochen bekommen. Es wird stressig, aber das bin ich aus dem Studium gewohnt. Am 19. März um 9.15 Uhr ist meine letzte Prüfung beendet, hoffentlich erfolgreich", blickt der ehemalige Lok-Kicker bescheiden und noch entspannt in die Zukunft.

Bei so einem vollen Terminkalender und den vor ihm liegenden Aufgaben ist klar, dass er in der Weihnachtszeit nicht nur die Füße hochlegt. Dazu meint er: "Ich werde an Heiligabend nicht unter dem Weihnachtsbaum sitzen und lernen, aber wer meinen Ehrgeiz kennt, der weiß, dass ich nicht locker lasse, bis die Ziele erreicht sind, die ich mir gesetzt habe. Und dann wartet vielleicht schon das nächste Ziel. "

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