Magdeburg l Birgit und Holger Dahms haben alles richtig gemacht. Zum Sachsen-Anhalt-Tag in Wernigerode, sechseinhalb Jahre ist es her, haben sie ihren Sohn zur Anschubbahn geschickt und ihm damit zugleich den Weg zum Mitteldeutschen Sportclub gewiesen. Ihr Sohn heißt Felix Dahms, er ist mittlerweile 20 Jahre jung, aber bis zu jenem Tag in Wernigerode war seine Freizeit ein ziemlich unausgefüllter Raum. „Ich habe hobbymäßig Fußball gespielt“, sagt Dahms. Mehr nicht. Und als er danns erstmals einen Bob angeschoben hatte, „hätte ich nicht gedacht, dass es was werden würde“.

Das hatte Birk Lösche allerdings anders gesehen. Der Landestrainer hat den Dessauer an die Hand genommen, hat ihn zum Training eingeladen, Felix Dahms wechselte ans Sportgymnasium nach Magdeburg. Inzwischen hat er zwei Junioren-Weltmeisterschaften als Bobanschieber absolviert – und zuletzt in St. Moritz die Bronzemedaille im Vierer gewonnen. Auf der Wie-für-ihn-gemacht-Bahn. Denn St. Moritz, sagt Dahms, ist seine absolute Lieblingsbahn. Aufgrund des „wunderbaren Flairs“ im Schweizer Nobel-Wintersport-Ort. Und: „Es ist dort einfach traumhaft, zu fahren“, betont Dahms.

Am vorletzten Januar-Wochenende ist dort also der Traum von der ersten Medaille in Erfüllung gegangen. Im großen Schlitten von Maximilian Illmann, auch erst 22 Jahre jung, fuhr Dahms auf Rang drei hinter Sieger Michael Vogt (Schweiz) und Jonas Jannusch. Im Jannusch-Bob saß derweil ein weiterer MSC-Anschieber: Henrik Bosse. Er gewann sein zweites JWM-Silber. Er jubelte allerdings eher weniger. „Ich bin relativ glücklich, dass es mit Silber geklappt hat“, meint der 25-Jährige. Nur der große Rückstand von 86 Hundertstelsekunden hat ihn doch etwas gewurmt. Zumal der Sieger des Wettbewerbs auch an der derzeitigen Elite-WM hätte teilnehmen können. Allerdings: „Michael Vogt ist noch eine andere Nummer“, weiß Bosse. Auch eine im Weltcup, in dem der 23-Jährige inzwischen den „Großen“ Paroli bietet.

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Bosse wollte bei der Elite-WM starten

Dort sollte auch Bosse in diesem Winter starten. Er hatte sogar im Schlitten von Richard Oelsner den Start bei der derzeitigen Elite-WM in Altenberg angepeilt, doch sein Pilot musste verletzungsbedingt die Saison bereits Anfang Januar abbrechen, „wofür wir alle absolutes Verständnis hatten“, berichtet Bosse.

Sein Blick geht bereits auf die Vorbereitung auf die Olympia-Saison, zu der ihn zunächst ein harter Konkurrenzkampf mit den starken Anschiebern des Bob-und Schlittenverbandes (BSD) erwartet. Die Winterspiele werden im Februar 2022 in Peking ausgetragen.

„Dort wollen natürlich viele Anschieber hin“, sagt Bosse mit Blick auf die große Konkurrenz, die er mit Paul Krenz, Christian Jagusch oder auch Kevin Korona nicht zuletzt in der eigenen Vereinsreihe findet. „Aber ich bin dicht dran“, betont der angehende Grundschullehrer, der beim zentralen Leistungstest im vergangenen September in Oberhof den zehnten Platz auf der Brems- und den 17. Platz auf der Seitenposition belegt hatte.

Erster Wettkampf in La Plagne

Einen Konkurrenzkampf scheut Bosse nicht, den hat er auch in seinem früheren Leben als Leistungssportler erlebt. Er war mal Ruderer, er ist im Doppelvierer bei der JWM 2012 auf Rang sieben gefahren. Dabei war er kein Skuller, sondern Riemer. Aber irgendwann hatte der Berliner keinen Partner mehr. Und irgendwann war die geplante Karriere im Wassersport für ihn beendet.

Dass er überhaupt eine neue Chance erhalten hat, hat er seiner Schwester Juliane zu verdanken, auch eine ehemalige Ruderin, die sich ebenfalls beim MSC als Anschieberin probiert hatte. Bruder Henrik hatte sie im Winter 2015 zum Europacup nach Winterberg begleitet. „Dort wurde ich gefragt, ob ich schnell laufen kann“, erinnert sich Bosse. Konnte er. Zudem „hatte ich nichts Besseres zu tun zu dieser Zeit“, ergänzt er lächelnd. Über den MSC-Trainer Norman Dannhauer führte ihn der Weg zu Birk Lösche. Und im Winter 2017 bestritt er beim Europacup in La Plagne (Frankreich) seinen ersten Wettkampf. Berliner ist er indes geblieben. „Ich fahre aber regelmäßig zum Training nach Magdeburg“, berichtet Bosse.

Vor der Olympia-Vorbereitung ist allerdings erst nach der Junioren-Europameisterschaft, die von morgen an in Königssee als letzter Wettkampf der Saison ausgetragen wird. Und wo nicht nur Bosse, sondern auch Claudia Schüßler im Zweier mit Anne Lobenstein und eben Felix Dahms im Illmann-Bob starten wird. Lösche blickt auch für seine Schützlinge voraus: „Ich erwarte dort definitiv Medaillen.“

Das Duo Illmann/Dahms ist am vergangenen Wochenende in Winterberg im Zweier zum deutschen Meistertitel gefahren. Und es wird sich für den Anschieber angefühlt haben, wie es sich im Oktober 2018 angefühlt hatte – bei seiner Premiere im Eiskanal von Oberhof. „Ich war komplett verblüfft, wie schnell das ist“, erinnert sich Dahms, der angehende Polizist in Ausbildung. Eine Achterbahnfahrt im Eiskanal, die er genossen hat. Dank seiner Eltern Birgit und Holger.