Magdeburg l Gefasst nahm Dirk Hecht am Sonntag die Nachricht auf, dass für ihn und die Classic-Kegler des Magdeburger SV 90 die Spielzeit 2020/21 vorzeitig beendet ist. „Es war ja nur eine Frage der Zeit“, meint Hecht, der einen Wiedereinstieg schon im November für wenig realistisch befand. Mit der Annullierung der gesamten Saison hat die Sektion Classic des Landesverbands Kegeln/Bowling Sachsen-Anhalt (LVK/B) nun Gewissheit geschaffen.

Finalisierung nicht mehr realistisch

„Durch die weitere Verschärfung der bundesweiten Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie, welche auch von Sachsen-Anhalt umgesetzt werden, ist eine Fortführung der Saison 2020/21 nicht mehr möglich“, erklärten Sektionsvorsitzender Wolfram Beck, sein Stellvertreter Pascal Schobes sowie Sektionssportwart Werner Wegnerhausen in einer gemeinsamen Mitteilung. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr realistisch ist, die Spielzeit zu Ende zu führen“, begründet Vorsitzender Beck die einstimmige Entscheidung.

Ohnehin war der Abbruch nicht nur in den Vereinen, sondern auch auf Verbandsseiten schon länger einkalkuliert. „Wir wollten nur den 10. Januar abwarten, um die neuen Entwicklungen der Corona-Pandemie zu verfolgen. Unsere Hoffnung war, dass wir Anfang März wieder hätten starten können, sofern Mitte Februar der Trainingsbetrieb wieder möglich gewesen wäre“, erzählt Beck, fügt zugleich aber an: „Dann hätten wir schon jede Woche spielen müssen, um die gesamte Saison durchzudrücken. Für unsere Amateursportler wäre das mit einem immensen Aufwand verbunden.“

Classic-Regionen stark von Corona betroffen

Inzwischen bezweifelt der 59-Jährige, dass dieses Vorhaben überhaupt eine Chance gehabt hätte. „Classic-Kegeln ist nördlich von Magdeburg nicht anzutreffen, dafür im südlichen Sachsen-Anhalt stark vertreten. Das sind allerdings auch die Landkreise, in denen die Inzidenzwerte aktuell besonders hoch sind“, begründet Beck. „Wenn das gegenwärtig Werte um 300 oder 400 sind, sehe ich beim besten Willen nicht, wie sich das so bald ändern sollte, dass ein sportlicher Betrieb möglich wäre.“

Für Dirk Hecht vom MSV 90 eine „absolut nachvollziehbare Entscheidung“. „Wir können die Situation nun mal nicht ändern. Es gibt sicherlich Wichtigeres, als in der aktuellen Lage zu kegeln“, meint der 49-Jährige, der die Gemeinschaft aus der Bodestraße allerdings schon vermisst: „Wir haben alle Sehnsucht danach, mal wieder auf der Bahn zu stehen.“

MSV90 will schnell zurück auf die Bahn

Bis es so weit ist, müssen sich die MSV-Kegler noch einige Zeit gedulden – zumindest was den Ligabetrieb betrifft. Der Auftakt zur neuen Spielzeit 2021/22 soll nämlich erst im September erfolgen. Dann wollen die Kegler des MSV 90 wieder in der Verbandsliga, der höchsten Spielklasse Sachsen-Anhalts, starten. „Ich gehe fest davon aus, dass sich daran nichts ändern wird“, erzählt Hecht. Ohnehin hatten sich die Magdeburger den Verbandsliga-Verbleib auf die Fahne geschrieben, waren mit 5:7 Punkten und dem siebten Tabellenplatz „auf einem guten Weg zum Klassenerhalt“.

Dieser steht nun nach der Annullierung der Spielzeit außer Frage. „Absteiger wird es keine geben, sofern keiner freiwillig zurückzieht“, versichert Sektionsvorsitzender Beck. „Ebenso wird es keine Aufsteiger geben. Unter der Maßgabe, dass alle Mannschaften wieder melden, werden wir mit denselben Ligakonstellationen wie aus diesem Jahr in die neue Saison starten“, so Beck weiter.

Landespokal noch offen gehalten

Und zumindest ein „Hintertürchen“ hat sich der Landesverband für die Spielzeit 2020/21 noch offen gelassen. Der Ligabetrieb ist zwar mit sofortiger Wirkung beendet, der Landespokal-Wettbewerb allerdings noch nicht. „Bei noch vier oder fünf ausstehenden Spielen bekäme man es noch geregelt, wenn man erst im April wieder loslegen dürfte“, begründet Beck, ergänzt jedoch: „Dabei wird es maßgeblich davon abhängen, wie sich das Pandemie-Geschehen in den kommenden Wochen und Monaten darstellt.“

Für die Kegler des MSV 90 macht dies jedoch keinen Unterschied. „Wir sind im Landespokal sowieso nicht dabei“, erzählt Hecht. Sollten in der Zukunft wieder Freundschaftsspiele erlaubt sein, würde das Team aber gewiss welche organisieren. „Nach der langen Pause ist man sicher eingerostet und braucht einige Spiele, um das Gefühl zurückzubekommen.“ Gegenwärtig ist der Gedanke daran für Hecht aber „noch zu viel Zukunftsmusik“.