Magdeburg l Während seiner noch jungen Schiedsrichter-Laufbahn hat Lukas Pilz schon so einiges erlebt. Am vergangenen Sonntag wurde der 18-Jährige um eine Erfahrung reicher, als er gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Nils als Assistenten das Duell in der Fußball-Verbandsliga zwischen dem Haldensleber SC und Rot-Weiß Thalheim leitete.

Es war zwar bei Weitem nicht das erste Mal, dass sie zusammen in einem Schiedsrichter-Gespann aufliefen, auch nicht ihr jeweils erster Auftritt in der höchsten Spielklasse des Landes – aber der erste gemeinsame und damit eine Premiere für die Magdeburger im Oberhaus. Und auf diese schaut Hauptschiedsrichter Lukas Pilz zufrieden zurück: „Als Gespann hat das sehr viel Spaß gemacht. Es war einer der ruhigeren Einsätze, bei dem wir eine gute Akzeptanz erfahren haben und es auch von draußen ruhig blieb.“ Und ausnahmsweise gab es sogar Lob für die Schiedsrichter. „Normalerweise gehört eher Gegenwind dazu. Positive Rückmeldung kommt nur selten, aber wenn sie kommt, freut einen das natürlich umso mehr“, berichtet Lukas Pilz.

"Große Anerkennung"

Ein Trainerlob als „größte Anerkennung“ für einen Referee kam nämlich im Nachgang von HSC-Coach Marko Fiedler. „Sie kommunizieren mit den Spielern, bringen Ruhe rein, wirken kein bisschen arrogant und haben am Sonntag auch schiedsrichtertechnisch eine ganz starke Leistung geboten“, erklärte Fiedler zum Auftritt des Gespanns mit den Pilz-Brüdern und Dustin Neumann. „Da kann man nur den Hut vor ziehen.“

Die Einschätzung des Haldensleber Trainers stimmte dabei mit der Selbsteinschätzung des Unparteischen überein. „Nach einem Spiel reflektiert man sich und seine Leistung sofort. Am Sonntag hatte ich nach dem Abpfiff ein sehr gutes Gefühl“, erklärt Lukas Pilz.

Erster Lehrgang vor vier Jahren

Denn ebenso wie die Spieler streben auch Referees – was von außen gerne mal vergessen wird – stets nach ihrer besten Leistung. „Kein Schiedsrichter geht auf den Platz und trifft absichtlich Fehlentscheidungen. Wir wollen auch möglichst gut auftreten und jede Situation richtig bewerten.“

Mit demselben Hintergedanken kamen die Pilz-Brüder überhaupt erst zum Schiedsrichtern. „Ich hatte mich damals selbst über einen Schiri aufgeregt und dachte mir‚ das kann ich doch besser‘“, erklärt Lukas seinen Weg zum Lehrgang für Unparteiische, zu dem er Bruder Nils gleich mitnahm. Dass er vier Jahre später bereits regelmäßig in der Verbandsliga auflaufen würde, daran war damals „kein bisschen“ zu denken.

Nächste Premiere in Nienburg

„Es war niemals mein Ziel, so hoch wie möglich zu pfeifen. Es hat mir einfach großen Spaß gemacht, da ist die Spielklasse absolute Nebensache“, erklärt Lukas Pilz. „Für mich geht es darum, neue Erlebnisse zu sammeln, neue Eindrücke vermittelt zu bekommen und neue Vereine und Menschen kennenzulernen. Genau dafür mache ich es so gerne.“

Dass er für das Schiedsrichtern aus Zeitgründen seine Spieler-Laufbahn aufgeben musste, war auch keine große Hürde mehr. „Ich war sowieso nicht der beste Fußballer“, berichtet Lukas mit einem Lachen auf den Lippen. Als Referee steht er nun umso häufiger auf dem Feld – so auch an diesem Wochenende wieder doppelt. Bereits gestern Abend leitete Pilz das Verbandsliga-Duell zwischen dem VfB Sangerhausen und Bitterfeld-Wolfen (1:2). Heute ist er beim Landesklasse-Spitzenspiel der Staffel 4 zwischen FSV Nienburg und TSG Calbe im Einsatz – und wird dort eine neue Erfahrung sammeln dürfen. Denn: „Mit Calbe hatte ich meinen ersten Einsatz als Linienrichter in der Landesliga, aber ich kann mich nicht erinnern, Nienburg schon mal gepfiffen zu haben.“

HSC-Trainer Fiedler drückt die Daumen

Übrigens durfte sich Lukas Pilz auch schon über die Landesgrenzen hinaus präsentieren, als er vor drei Wochen in Ludwigsfelde als Assistent seinen ersten Oberliga-Einsatz verzeichnete. „Es war ein besonderer Eindruck, mal außerhalb von Sachsen-Anhalt zu pfeifen“, berichtet Lukas Pilz. HSC-Coach Fiedler traut den beiden Pilz-Brüdern sogar noch einiges mehr zu: „Ich drücke ihnen die Daumen, dass es noch zwei oder drei Ligen höher geht. Das Zeug dazu haben sie.“ Ablehnen würde Lukas Pilz eine solche Entwicklung sicher nicht, schließlich warten jenseits der Landesgrenzen noch zahlreiche neue Erfahrungen auf ihn.