Ottersleben l Der heimliche Held dieses Spiels spielte nicht im Angriff, nicht im Mittelfeld, auch nicht in der Abwehr. Der heimliche Held stand so grundsätzlich zwischen zwei Pfosten und unter einer Latte. Aber da stand Sebastian Schulze am Sonnabend nicht allzu häufig. Bei so ziemlich jedem langen und hohen Ball sprang der 31-jährige Keeper durch seinen Strafraum und fing das Leder in der Luft. „Sebastian gibt der jungen Mannschaft sehr viel Halt“, sagte Schulzes Trainer Oliver Malchau. „So wissen die Spieler, dass sie sich auch mal einen Fehler erlauben können.“

Fehler hat sich der VfB auch gegen den SV 09 Staßfurt erlaubt, aber keiner war letztlich gravierend genug, um am fünften Spieltag der Fußball-Landesliga Nord den heimischen Platz als Verlierer zu verlassen. Ottersleben landete mit 3:2 (2:1) seinen zweiten Saisonsieg. Ottersleben überraschte seinen verschlafenen Gegner in den ersten 20 Minuten. Und Ottersleben hat ein Indiz für gewachsene Reife geliefert, denn, so war sich Trainer Malchau sicher, in der vergangenen Saison hätten seine jungen Burschen die Partie womöglich noch verloren. „Irgendwo war das heute eine erwachsene Leistung“, erklärte also Coach Malchau. Eine Leistung, die mit ziemlich viel Selbstvertrauen zu tun hatte.

Chancen konsequenter genutzt

Denn beim Gastgeber war nicht die geringste Spur von Nervosität zu erkennen. „Die letzten Wochen liefen nicht so günstig für den VfB“, meinte 09-Trainer Patrick Stockmann. „Deshalb hatten wir uns einiges ausgerechnet.“ In seine Rechnung muss er allerdings immer Sommerabgang Matthias Härtl (Askania Bernburg) einbeziehen. „Damit ist uns ein Spieler weggebrochen, der 15 bis 20 Tore in der Saison erzielen kann.“ Was auch in Ottersleben zur Folge hatte: „Der VfB hat seine Chancen konsequenter genutzt“, resümierte Stockmann. Und bestätigte damit zugleich den Eindruck seines Pendants.

Für die Platzherren war es in den ersten 20 Minuten ein leichter Gang in die Offensive. „Wir haben Ottersleben eingeladen, sie haben die erste Aktion gleich zum Tor genutzt, sie sind sehr gut auf die zweiten Bälle gegangen. Sie haben uns das Leben schwer gemacht“, sagte Stockmann. Erst traf Dominic Carl (3.) nach einem Pass von Luca Hohmann, dann traf Carl Graup in seinem dritten Versuch zum 2:0 (12.). Und dann, irgendwann ab Mitte der ersten Hälfte, „haben wir um einen Gegentreffer gebettelt“, erklärte Malchau.

Dominic Carl trifft doppelt

Staßfurt kam also besser in die Partie, versuchte es über Matthias Lieder auf dem rechten Flügel. Als dort die guten Ansätze ohne Ergebnis blieben, kamen die Gäste besser über das Zentrum – bis zur Pause allerdings ohne Erfolg, weil Schulze nicht nur alle Flanken abfing, sondern weil er den Ball auch mit Fußparaden abwehrte wie gegen Hendrik Kluge. Staßfurt kam auch stärker aus der zweiten Hälfte. „Aber nach fünf Minuten ist wieder alles verpufft“, so Stockmann. Trotzdem gelang das 2:1 in der 57. Minute durch Amon van Linthout, der einen der gefährlichen Pässe in die Schnittstelle nutzte.

Auf der Gegenseite „waren wir in ein, zwei Situationen zu ungenau“, meinte Malchau zur Chancenvergabe seiner Elf. Oder auch zu genau: Mit seinem dritten gefährlichen Freistoß traf Lukas Prenzer den Pfosten (54.). So war es erneut Carl, der diesmal die Vorlage von Luca Bölke zum 3:1 (75.) verwertete. Das Tor zum Endstand durch einen Foulelfmeter von Marcel Pusch (90.) war nicht mehr als ein bisschen Kosmetik, die auch Ottersleben in der Tabelle betrieben hat – mit dem Sprung auf Platz acht.

„Das war ein sehr wichtiger Sieg für uns“, resümierte Malchau, „um nicht ins Überlegen zu kommen, ob wir doch nicht besser sind als in der vergangenen Saison.“ So aber ist Ottersleben von allen Gedanken des Zweifels freigesprochen.