Die bisher ältesten eingesetzten Kicker der Landesklasse in der Saison 2019/20

Andreas Hoffmann, Eintracht Gommern, 49 Jahre

Holger Franke, HSV Medizin, 46 Jahre

Tobias Pattberg, BSV 79, 45 Jahre

Mario Träbert, Blau-Weiß Gerwisch, 45 Jahre

Mario Hosenthien, Vorfläming Nedlitz, 44 Jahre

Matthias Wegener, BSV 79, 42 Jahre

Florian Reichel, Blau-Weiß Gerwisch, 41 Jahre

Matthias Kahl, SSV Besiegdas, 40 Jahre

Nico Laurisch, Blau-Weiß Gerwisch, 40 Jahre

Magdeburg l Sobald Holger Franke über Fußball redet, merkt man ihm die Leidenschaft an, die ihn im Alter von 20 packte und mittlerweile auch noch weit über zwei Jahrzehnte später mit 46 Jahren auf den Platz lockt. Das aber nicht etwa bei den Alten Herren oder zum Freizeitkick, sondern für den HSV Medizin in der Landesklasse 2. Dabei war seine Laufbahn nicht erst einmal beendet.

Nach seinem Umzug nach Magdeburg im Jahr 2001, seiner ersten Station beim VfB Ottersleben und langen Jahren im Trikot des TuS 1860 Magdeburg folgte einst bereits der Wechsel zu den Neustädter Oldies. „Dass es danach so kommt, hätte ich mir damals nicht denken können“, meint Franke beim Blick auf die Statistik, die seitdem noch über 80 weitere Landesklasse-Spiele für ihn zählt.

Comeback dank Florian Mehr

„Eigentlich wollte ich René Angerer, der bei TuS mein Teamkollege war und den HSV Medizin als Trainer in die Landesklasse führte, nur einen Freundschaftsdienst erweisen, weil er einen erfahrenen Mann für seinen jungen Kader suchte“, erklärt Franke, wie sein Weg 2014 in die Dodendorfer Straße und zurück in den Herrenbereich führte.

Als Angerer sein Amt als Trainer des HSV Medizin im Sommer niederlegte, sollte auch für Franke Schluss sein. Diesmal aber endgültig. „Irgendwann musste ich ja einen Schlussstrich ziehen“, erklärt Frank.

Franke: "Bin bereit, zu helfen"

Für einige Monate hat es mit seinem Fußball-Ruhestand auch geklappt, ehe er nur wenige Tage nach seinem 46. Geburtstag im Oktober wieder auf den Platz zurückkehrte. Nicht ganz unschuldig daran war der neue HSV-Coach Florian Mehr. „Florian war da sehr hinterher, hat sich sehr um mich bemüht. Immer wieder hat er mich gefragt, ob ich nicht nochmal helfen könne. Er war schon sehr penetrant“, berichtet Franke.

Letzten Endes haben sich Mehrs Mühen ausgezahlt: „Nach dem siebten, achten, neunten Nachfragen habe ich mich dann breitschlagen lassen. Einige aus dem Umfeld werden sich wohl gesagt haben: ‚War doch klar, dass er nicht aufhören kann.‘“ Als Grund für seine erneute Rückkehr erklärt er: „Mir tat es leid, dass die Truppe so weit unten steht. Für den neuen Trainer ist es nach dem Umbruch im Sommer schon eine enorme Aufgabe. Da bin ich bereit, zu helfen.“

Kein Training, sondern Joggen

So lief er bereits dreimal auf, zuletzt bei der 2:3-Niederlage beim SV Fortuna II gar über die vollen 90 Minuten und mit einem Treffer. „Wenn man sich manche Gegenspieler anschaut, ist es schon bekloppt, dass ich dort in meinem Alter noch mitspiele“, meint Franke, standen ihm auf Seiten der Fortunen doch gleich drei 19-Jährige gegenüber.

Doch macht es seine Puste noch mit. „Schon in den letzten Jahren hab ich gar nicht mehr am Training teilgenommen, stattdessen versucht, mich mit Joggen oder Fahrradfahren fit zu halten und dann nur am Wochenende gespielt“, berichtet Franke und attestiert: „Für diese Liga reicht es.“

Fußball ist Einstellungssache

Vor allem sei es eine Einstellungssache: „Ich bin ein Fußballer der alten Schule, war nie der beste Kicker, aber auf dem Platz immer ein Ackerer. Solche Typen vermisse ich heutzutage“, sagt er. Um gleich nachzulegen: „Generell ist die fußballerische Qualität überhaupt nicht mehr mit der von 2001 zu vergleichen. Genau genommen ist es doch ein Unding, dass ich mit meinen 46 Jahren und ohne Training noch so in dieser Liga mitspielen kann.“ Vergangenes Jahr war Franke mit 17 Toren in 19 Auftritten nicht nur mit Abstand bester HSV-Schütze, sondern sogar die Nummer sechs der Landesklasse-Staffel.

Für immer soll es so aber nicht weitergehen: „Erstmal habe ich bis zum Winter zugesagt. Bis zum Sommer kann ich mir auch noch vorstellen, aber dann muss irgendwann Schluss sein.“

Seine Formel für die Leistung auf dem Platz ist dabei dieselbe, wie bei der Leitung seiner Kita: „Wenn ich etwas mache, dann immer zu 100 Prozent.“