Magdeburg l Aufstiege müssen gefeiert werden. Und so ließen es sich auch die Frauen des BSV 93 Magdeburg nicht nehmen, die Meisterschaft in der 1. Nordliga und den damit verbundenen Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga nachträglich zu zelebrieren. „Wir konnten das gebührend feiern“, freute sich Coach Frank Eckstein über die Abschlussfahrt Ende Juni. Es ging nach Klingenthal ins sächsische Vogtland. „Da sind die Corona-Regeln nicht ganz so streng“, scherzte der Coach. Unter anderem standen ein Ausflug nach Tschechien und der Besuch einer Sommerrodelbahn auf dem Programm.

Verdient hatte sich das junge Team mit einem Altersdurchschnitt von rund 20 Jahren diesen Trip allemal, war es in der abgebrochenen Saison doch ungeschlagen und durfte sich nach dem „norwegischen Modell“ auch Meister der 1. Nordliga nennen. Doch es gab Hürden. „Wir mussten erstmal wieder ein Team formen“, verwies Eckstein auf den großen Umbruch im vorigen Sommer.

Team aus A-Juniorinnen

Da hatte sich der BSV 93 aus der Oberliga abgemeldet. Zu groß war der personelle Aderlass. Bei neun Abgängen von Stammspielerinnen, die entweder ihre Karriere beendeten oder zur Konkurrenz wechselten, mussten die Olvenstedter die Reißleine ziehen. Es folgte ein Neustart in der 1. Nordliga mit einem Team, das größtenteils aus der eigenen A-Jugend zusammengestellt wurde.

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Und diese Mannschaft hat sich schnell und gut zusammengefunden. „Wir haben schon in der Vorbereitung gut gearbeitet und den Spielerinnen taktisch viel vermittelt“, denkt Eckstein zurück. „Das Team hatte den Willen, etwas zu erreichen. Wir sind von Spiel zu Spiel besser geworden und haben immer an den Aufstieg geglaubt.“ Mit einer Startserie von fünf Siegen am Stück wurden schnell deutliche Zeichen an die Konkurrenz gesendet. Rückblickend macht der Trainer deutlich: „Die Liga war etwas zu schwach für die Mädels.“

Bei Ergebnissen wie 45:13 oder 37:12 waren die talentierten BSV-Handballerinnen mehr mental als sportlich gefordert. „Es galt, sich immer wieder zu motivieren, neue Akzente zu setzen und an den taktischen Maßgaben festzuhalten“, berichtet der Trainer. „Auch wenn wir mit zehn Toren geführt haben, wollte ich nicht, dass wir uns zu früh freuen.“ Auch durch diese Vorgaben von Eckstein war das Team letztlich so erfolgreich und gewann zwölf der 13 Spiele, bis die Saison Mitte März unter- und dann abgebrochen wurde. Das 24:24 gegen den Tabellenzweiten SV Irxleben blieb der einzige kleine Makel. „Da hat uns gegen eine routinierte Mannschaft die Cleverness gefehlt“, erinnert sich Eckstein.

Zwei Spielerinnen mit Oberliga-Erfahrung

Der größte Pluspunkt der Mannschaft war für den Übungsleiter der Zusammenhalt. In schwierigen Zeiten der selbsternannten „Spitfires“ raffte sich ein neues Team zusammen und wurde im Saisonverlauf immer besser. Wichtig war aber auch, dass mit Jenna Priesing und Marie-Christin Hermes zwei Spielerinnen mit Oberliga-Erfahrung beim Team geblieben sind. „Sie haben die jungen Spielerinnen mitgezogen, sie auf der Platte gelenkt“, freut sich Eckstein.

Vor allem Hermes hat sich dabei noch einmal besonders ausgezeichnet. Mit 148 Toren in 13 Spielen, im Schnitt also 11,38 Treffern pro Partie, war die Kreisläuferin, die aber auch im Rückraum eingesetzt wurde, die mit Abstand beste Schützin der 1. Nordliga. „Vor allem bei den Gegenstößen ist sie unglaublich gefährlich“, lobt der Trainer.

Erst stabilisieren, dann angreifen

Auch im kommenden Jahr wird Hermes wieder ein wichtiger Faktor werden. Als Leaderin wird sie die junge BSV-Mannschaft, die zusammenbleibt, aber noch „auf der Suche nach Verstärkungen“ ist, dann in der Sachsen-Anhalt-Liga anführen. Dieses Mal aber mit ihren Toren nicht für den Aufstieg, sondern im besten Fall für den Klassenerhalt sorgen. „Wir wollen uns zunächst weiter stabilisieren und die Klasse halten. Die Sachsen-Anhalt-Liga ist für die jungen Spielerinnen sehr gut, um sich weiterzuentwickeln“, blickt Eckstein voraus. „In zwei bis drei Jahren können wir dann vielleicht auch wieder oben angreifen.“ Das Kapitel Oberliga ist bei den Frauen des BSV 93 also noch nicht endgültig abgehakt.