Magdeburg l Renars Uscins pflegt jetzt seine Rituale in Wuppertal. Zum Frühstück gibt es Rührei, dann bewegt er sich 20, 30 Minuten an der frischen Luft, „um einen klaren Gedanken zu haben“, dann duscht er ausgiebig, „damit ich mich auch zum Spiel wohlfühle“. So sah seine Spielvorbereitung bei den SCM-Youngsters aus, so sieht sie nun beim Bergischen HC aus.

Dorthin ist der Handballer der Grün-Roten gewechselt – befristet. Uscins wagt damit zugleich den Sprung von der 3. Liga, wo er bis zum coronabedingten Saisonabbruch in vier Punktspielen zwölf Tore für die Youngsters erzielte, in die Bundesliga. Zum SCM-Rivalen. Was er sich erhofft? „Ich möchte das System Bundesliga kennenlernen und die spielerisch qualitativen Unterschiede zwischen dritter und erster Liga.“ Und er möchte diese Differenz nicht nur erleben, sondern auch hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten minimieren.

Uscins klingt begeistert von der Chance, die er ob der eigenen Entwicklung beim SCM erhalten hat. Am Donnerstag vergangener Woche hatte ihn Jugendkoordinator Yves Grafenhorst zunächst mit der Idee konfrontiert, dann erhielt er noch einen Anruf von BHC-Coach Sebastian Hinze. Zwei Tage später „habe ich die Tasche gepackt, mein Vater Armands hat mich nach Wuppertal gefahren, er war auch bei allen Gesprächen dabei.“

Erster Einsatz gegen Minden endet mit Sieg

Einige Einheiten auf der Platte später wurde der Vertrag unterschrieben, der bis zum 30. Juni läuft. Danach kehrt der 18-Jährige an die Elbe zurück. Und der SCM hofft, dass er dann von den gesammelten Erfahrungen seines Youngsters profitieren kann. „Ich bin in der Mannschaft super aufgenommen worden, alle machen es mir leicht, alle haben mit mir sehr viel gesprochen“, berichtet der Linkshänder über die ersten Tage in Wuppertal.

Die erste Erfahrung im Oberhaus hat der Rückraumrechte bereits am Donnerstagabend gesammelt. Bei der GWD Minden. Der U-19-Nationalspieler gewann mit dem BHC mit 36:29 (16:13). Uscins kam zwar zu keinem Wurf und deshalb auch zu keinem Treffer, fügte sich aber in der Schlussphase mit einer Zwei-Minuten-Strafe ein. Den Zweikampf scheut er also auch in der Bundesliga nicht. Am Sonntag verlor er mit seiner Mannschaft das Heimspiel gegen Leipzig (29:30).

Zurück aus Minden wollte er nun eine Wohnung eines ehrenamtlichen Mitarbeiters des BHC beziehen, nachdem er die ersten Tage im Hotel gelebt hat. „Das war auch meine Bedingung, dass ich mir nicht für vier Monate eine Wohnung mieten und mich um das ganze Drumherum kümmern muss. Solche Dinge will ich ausblenden, ich will mich von Anfang an allein auf den Handball konzentrieren“, berichtet Uscins.

Dabei hatte er bereits das Glück, im Januar während der WM-Pause unter Coach Bennet Wiegert trainieren zu dürfen, mit dem Bundesliga-Kader des SCM. Gegen diesen wird Uscins noch antreten. Am 29. Spieltag trifft der BHC auf die Grün-Roten, der genaue Termin ist noch nicht bestimmt. „Das wird für mich etwas ganz Besonderes sein“, sagt Uscins, der den BHC als Sprungbrett für sich sieht: „Es wird auch eine Chance für mich sein, Bennet zu zeigen, dass ich für ihn in der kommenden Saison eine Option sein kann.“