Magdeburg l Janik Patzwaldt hat sich schon seit einiger Zeit nicht mehr gemessen. Dabei kann es gut sein, dass ein 18-Jähriger noch den einen oder anderen Zentimeter zulegt. Selbst in diesem Alter. „Ich bin 1,93 Meter groß“, erklärte der Keeper der SCM-Youngsters und hielt sich dabei die Hand über dem Kopf. Seine Größe allerdings lässt sich nicht allein in Zentimetern messen – sondern auch in Paraden.

Davon hatte er zuletzt gegen den Oranienburger HC nicht nur einige, sondern vor allem sehr wichtige. Die nur seiner Mannschaft nicht immer den nötigen Schub gegeben hatten. Die Phase, als die Partie in der 3. Handball-Bundesliga Nordost zu kippen drohte, begann beim 17:18 (43.). Danach hielt Patzwaldt und sein Team glich aus. Auch beim 18:19 (46.) hielt Patzwaldt und sein Team glich aus. Beim 19:20 (51.) hielt Patzwaldt ebenfalls. Und sein Team? Traf nicht, sechs Minuten lang nicht. Die Youngsters verloren letztlich 22:24. „Das Ergebnis zeigt, dass die Abwehr gut steht“, meinte der Torwart: „Aber wir leisten uns gerade im Überzahlspiel im Angriff zu viele Fehler und kassieren dann schnelle Gegentore.“

Genau das wollen die Magdeburger am Sonnabend verhindern, wenn sie bei der HSG Ostsee in der Gogenkroghalle im holsteinischen Neustadt antreten (18.30 Uhr). Wieder so ein Gegner, der wie die Schützlinge von Trainer Vanja Radic gegen den Abstieg kämpft. Die Magdeburger sind 13. mit 10:22, die HSG belegt mit 8:22 Punkten Platz 15. „Wir wollen beide Spiele in diesem Jahr gewinnen“, betonte Patzwaldt. Dieses und das letzte Heimspiel am Sonnabend darauf gegen die Mecklenburger Stiere.

An Patzwaldt soll es nicht liegen. Er hat sich seit seinem Wechsel vom EHV Aue an die Elbe vor vier Jahren hervorragend entwickelt. Er ist nicht so spektakulär wie ein Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), er ist eher ein Torwart wie Johannes Bitter (TVB Stuttgart), der aus der inneren Ruhe heraus Stärke gewinnt. Als im Laufe dieser Saison während der Länderspielreise die Bundesliga-Männer einen Keeper für ihre Einheiten suchten und Patzwaldts Youngsters-Kollege Lukas Diedrich ebenfalls zum Lehrgang der Junioren-Nationalmannschaft weilte, durfte also Patzwaldt zwischen die Trainingspfosten. „Das war super“, erinnerte er sich.

Super war auch seine Leistung zuletzt bei der A-Jugend in der Bundesliga-Meisterrunde. Beim 29:28-Sieg gegen die Löwen. Jedenfalls konnte man das respektvolle Nicken und den stillen Applaus von Coach Fabian Metzner selbst durch den Telefonhörer vermuten, als ihn die Volksstimme zu den Paraden seines Schützlings befragte. Nur als dieser dann zwei-, dreimal Pech hatte, nahm Metzner ihn vom Feld. „Zuvor hatte er auch einige freie Bälle stark gehalten“, berichtete der 31-Jährige, der die Abstimmung zwischen Torhüter und Abwehr lobte.

Solche Leistungen wecken natürlich auch Hoffnungen – vor allem bei Patzwaldt selbst. „Es ist natürlich mein Ziel, eines Tages in der Nationalmannschaft zu spielen.“ Zunächst bei den Junioren, denn Patzwaldt ist noch der jüngere 2001er Jahrgang. „Ich weiß aber auch, dass ich zwei starke Torhüter vor mir habe mit Lukas Diedrich und Johannes Jepsen.“ Der eine also aus der eigenen Mannschaft, der andere von TuS Nettelstedt. „Aber ich warte auf meine Chance und werde weiterhin alles dafür geben“, erklärte Patzwaldt, der aus Werdau bei Zwickau stammt.

Das muss nun der SCM auch in Neustadt bei der HSG Ostsee, wenngleich mit dem 20-jährigen Hannes Bransche (Syndesmoseband-Anriss im rechten Fuß) ein wichtiger Akteur fehlt. Das Hinspiel endete 26:20, als Magdeburg in den letzten zehn Minuten den Sieg perfekt machte. Aber seit einiger Zeit legt sich immer mal das „Zweite-Halbzeit-Syndrom“ über das Spiel der Youngsters, wie es Patzwaldt nennt. Wie zuletzt gegen Oranienburg.

Das kann der SCM ändern, wenn er agiert, wie es sich der Keeper wünscht – mit Emotionen. Patzwaldt: „Wir müssen von Beginn an Vollgas geben.“