Magdeburg l Seit Jahrzehnten gehören die Budosportler des Fermersleber SV zu den aktivsten Kampfsportlern im Land. Das größte Aushängeschild der Kampfsportler sind die Judoka.

Nur wenige Sportarten sind so vielseitig wie das moderne Judo. Von Staffelspielen über Geschicklichkeitsübungen, von Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer bis hin zur Selbstverteidigung. Alles das bietet Judo, eben die Stärkung für Körper und Geist.

Schon zu DDR-Zeiten war der FSV im Judo sehr erfolgreich. Jährlich stellte der Verein Delegierungen zu den Leistungszentren, ob diese nun zunächst SC Magdeburg oder später ASK Vorwärts Frankfurt/Oder oder SC Leipzig hießen.

Nach der politischen Wende blieb die Nachwuchsarbeit auf einem hohen Stand. Zudem mischten die Männer jahrelang in der 2. Bundesliga mit, ehe finanzielle Zwänge einen Rückzug erforderten.

Seit 2015 Ü-30-Sport in Fermersleben

Mit der Konzentration auf den Breitensport ging man dann auch bei den Südoster Kampfsportlern, die Abteilung hat heute 120 Mitglieder zwischen fünf und 80 Jahren, neue Wege. Aber nicht nur der Nachwuchs des Vereins bestimmte die Szenerie auf der Fermersleber Tatami in der neuen Judohalle am Platz der Freundschaft. „Seit 2015 haben wir den Ü-Sport intensiviert“, berichtet Dr. Ingo Gottschalk, der „Cheftrainer“ des Fermersleber Seniorenbereiches und einer der höchstqualifizierten Judoka im Verein.

Neben noch aktiven Judoka kehrten viele Ehemalige zurück, bauten eine große Trainingsgruppe auf. „Unsere Gruppe zeichnet eine gute Mischung aus jüngeren und älteren Senioren-Judoka aus. So ist ein intensives und technisch sehr gutes Training möglich“, berichtet Gottschalk.

Erste Erfolge stellten sich ein, setzten sich kontinuierlich fort. So gewann der Verein bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften der Altersklasse Ü 30 durch Steffen Segler (+ 100 kg), Bernd Sievers (- 73 kg) und Ingo Gottschalk (- 100 kg) drei Meisterschaften. Zudem sicherten sich Marcel Siebert (- 90 kg), Jörg Schenke (- 100 kg) und Jörg Kranke (+ 100 kg) Bronze. „Damit stellten wie die erfolgreichste Mannschaft der Titelkämpfe“, ist Gottschalk noch heute stolz.

Ein noch besseres Abschneiden verhinderten Verletzungen einzelner Sportler. So musste Herbert Steinberg (- 90 kg), letztjähriger Vizemeister, den Auswirkungen einer langen Verletzung Tribut zollen, konnte sich nur gut vier Wochen auf die Titelkämpfe vorbereiten, was letztlich zu wenig war.

Erwähnenswert ist auch der zweite Platz von Jörg Herrmann (- 81 kg) bei den diesjährigen internationalen Luftfahrtmasters, einem Turnier mit 350 Teilnehmern aus 18 Ländern.

Einzig international traten die Fermersleber „Oldies“ noch nicht in Erscheinung. „Kosten- und Zeitfaktor sind dafür ausschlaggebend“, so Gottschalk. So fand die Weltmeisterschaft 2018 in Mexiko statt. „Da wir alles selber finanzieren, ist eine Teilnahme kaum vorstellbar.“

Die Erfolge sind nur möglich dank eines sehr guten Trainings, welches kurz vor den Wettkämpfen auf mehrere wöchentliche Einheiten sowie Kurzlehrgängen an den Wochenenden ausgeweitet wird.

Die Erfolge im Nachwuchs- und Seniorenbereich kommen nicht von ungefähr. „Unsere Sportler engagieren sich auch im Verein als Übungsleiter. So sind zwölf Ü-30-Judoka im Besitz eines gültigen Trainerscheins.“

Auch der Verband erkennt die Leistungen an

Das Engagement der Südoster findet auch Anerkennung beim Landesverband, wie Dr. Günter Süßenguth, Träger des 6. Dans, vom Ehrenrat des Verbandes hervorhebt. So zeichnete er fünf Judoka mit besonderen Ehrungen aus. Sebastian Polozcek und Bernd Sievers erhielten die Ehrennadel des Verbandes in Bronze und Silber. Für „hervorragende Leistungen im Judosport“ wurden Olaf Ludwig und Andreas Piel mit dem 2. Dan geehrt. Nicht zuletzt erhielt Gottschalk mit der Anerkennung des 5. Dans die ihm gebührende Anerkennung.

 

Weitere Informationen unter www.fsv1895.de