Pitesti/Magdeburg l Das Boot fuhr sich vom Startschuss weg in einen Rausch. Es lag sofort in Führung, es holte „im Übergang auf Strecke noch einen Hammer raus“, berichtete Moritz Florstedt vom SC Magdeburg. Von der Konkurrenz nichts mehr zu sehen, auch nicht in der Schlussphase. „Keiner von uns ist festgegangen“, sagte der 17-Jährige. „Es war von uns das perfekte Rennen.“ In dem der deutsche Vierer-Kajak am Sonntag bei der Junioren- und U-23-Weltmeisterschaft in Pitesti (Rumänien) über 500 Meter die Goldmedaille gewann.

Es war auch das perfekte Rennen für Florstedt, um die Gedanken an den vierten Platz im Einer über 1000 Meter zumindest ein wenig auszulöschen. „Der Titel tröstet schon ein bisschen über den vierten Platz hinweg“, sagte der Schützling von Trainer Mark Zabel. „Aber ich hatte dem K4 auch mehr Medaillenchancen zugerechnet.“

Das beste Rennen der Saison

Die Chance wurde im Finale groß und größer, als sich Tom Maaßen, Jochen Wiehn, Florstedt und Jack Gries erst von der Konkurrenz absetzten und letztlich mit einem deutlichen Vorsprung gewannen. Nach 1:27,020 Minuten erreichte das deutsche Quartett das Ziel, satte 2,076 und 2,168 Sekunden vor den Ungarn und der Ukraine. „Es war eigentlich nicht zu erwarten, dass wir von Beginn an so weit vorne liegen“, sagte Moritz Florstedt. „Aber wir sind zum richtigen Zeitpunkt das beste Rennen der Saison gefahren.“

„Ich muss lernen, ruhiger zu bleiben.“

Moritz Florstedt

Letztlich allerdings zählt auch für Florstedt die Einerleistung mehr. „Im K1 muss ich mich eben zur neuen Saison verbessern“, blickte der Junior voraus. „Und ich muss lernen, ruhiger zu bleiben.“ Genau diese Aufregung hatte dafür gesorgt, dass sein Sololauf am vergangenen Freitag nach einem hektischen Angang kein glänzendes Ende gefunden hatte. Denn dafür reichte letztlich die Kraft nicht mehr.

Herget mit Start unzufrieden

Julia Hergert fehlte dagegen vor allem der gute Start, um sich gegen die U-23-Konkurrenz im K1 über 500 Meter durchzusetzen. „Ich bin ziemlich langsam losgefahren“, erklärte sie zum Finale. „Ich konnte zwar noch viel aufholen, aber nach dem Rennen habe ich mich schon geärgert, dass ich den Endspurt nicht früher gesetzt habe“, sagte die 20-Jährige. „Dann hätte ich auch noch um Bronze mitkämpfen können.“

So paddelte der Schützling von Trainer Eckhard Leue auf Rang fünf in 1:59,145 Minuten. Zur Medaille fehlten ihr 1,357 Sekunden. Es gewann die Ungarin Noemi Pupp (1:56,067). Hergert grämt sich deshalb aber nicht. „Ich wollte im A-Finale unter die ersten Sechs kommen, das habe ich auch geschafft. Man muss auch immer bedenken, dass in der U 23 schon die Weltspitze in der Elite mitfährt. Deshalb ist der fünfte Platz kein schlechtes Ergebnis.“ Vor allem nicht in Anbetracht ihres internationalen Einer-Debüts über die olympische Distanz.

Julia Hergert geht nicht nur deshalb zufrieden aus der Saison. „Ich glaube, ich habe in diesem Jahr eine positive Entwicklung genommen und durfte sehr viel Einer-Erfahrung sammeln, darauf kann ich aufbauen“, betonte sie. In jedem Fall „muss ich aber weiter an meinen ersten 250 Metern arbeiten.“

Allerdings erst nach dem Urlaub, sagte Julia Hergert lächelnd: „Ich denke, den haben wir uns jetzt alle verdient.“