Magdeburg l Als sie sich neulich telefonisch aus Duisburg meldete, klang sie unheimlich müde. „Es ist Mittagszeit“, sagte sie lächelnd. Oder trotzdem lächelnd. Eigentlich hätte Josefine Landt in diesem Moment gerne den Schlaf der Gerechten und der Talentierten geschlafen. In der Nähe der Regattabahn, in der Nähe des Wassers. Aber doch fernab des Trainings, das von ihr täglich alles abverlangt hatte beim Lehrgang des Deutschen Kanuverbandes (DKV). Und dennoch weiß die Kajak-Fahrerin vom SC Magdeburg: „Es ist ein Glück für mich, dass die Normalität langsam wieder einkehrt.“

Normal wäre für sie ein Start bei der U-23-Weltmeisterschaft gewesen. Die sollte vom 16. bis 19. Juli in Brandenburg über den Beetzsee gehen, wurde aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Was überhaupt noch für Landt ansteht? Eine nationale Leistungsüberprüfung zum Beispiel. Am Wochenende 11./12. Juli wiederum in Duisburg. Alles Weitere steht in den Kanusternen.

DIe Hälfte des normalen Pensums absolviert

Wenigstens hat sie das normale Training wieder. „Es ist gefühlt dreimal so hart wie vor Corona“, berichtet Landt über die anstrengenden Einheiten. In den Wochen, die sie zu Hause in Waren an der Müritz trainieren musste, hat sie zwar auch einiges getan. „Ich habe ein wenig gepaddelt bei meinem Heimatverein. Und mein Bruder Justus und ich haben uns einen kleinen Kraftraum eingerichtet“, berichtet sie. Justus ist Canadier-Fahrer beim SCM. „Trotzdem trainiert man doch nur die Hälfte von dem, was man nach einem geregelten Plan absolviert.“ Also war es auch ein halber Neuanfang, als sie das Paddel auf der Zollelbe in Magdeburg und zuletzt in Duisburg gegen die Wellen schlug. Mit der ersten Erkenntnis: „Die Ausdauer lässt bei mir noch zu wünschen übrig.“

Die muss sie trainieren. Denn die U-19-Vizeweltmeisterin des vergangenen Jahres im Vierer-Kajak hat ein hehres Ziel ins Auge gefasst. die Olympischen Spiele 2021. „Für mich ist die Verlegung der Spiele nicht ungelegen gekommen“, sagt die 18-Jährige zu der Verschiebung des Ringespektakels ins nächste Jahr. „Vielleicht darf ich ja noch auf ein Wunder hoffen“, ergänzt sie lächelnd.

Konkurrenz in der eigenen Gruppe

Es ist tatsächlich nichts so unsicher wie die Formation der deutschen Damen im K2 oder im K1 in Tokio. In beiden Booten kann sich der DKV noch einen Quotenplatz im nächsten Jahr sichern. Oder auch in diesem Jahr, parallel zu den Weltmeisterschaften der Elite in den nichtolympischen Disziplinen in Szeged (Ungarn), die für den 23. bis 27. September neu terminiert wurden.

Wie es um die nationalen Konkurrentinnen steht, erlebt Landt jeden Tag im Heimtraining mit der Gruppe von Coach Mark Zabel, in der auch Jasmin Fritz, Nina Krankemann und Julia Hergert um den nächsten Schritt auf internationaler Bühne kämpfen. „Es ist gut, wenn die eigene Konkurrenz im Verein ist“, sagt Landt: „Da trainiert es sich viel besser, weil man weiß, wo jeder steht und was man selbst noch zu tun hat.“

Wie im Falle Josefine Landt: Ausdauer tanken und zwischenzeitlich ordentlich regenerieren. Inklusive Mittagsschlaf. „Der gehört dazu“, sagt Josefine Landt lächelnd. Ob in Duisburg oder in Magdeburg.