Heilbronn/Magdeburg l Am dritten Tag der Veranstaltung sollte es einfach nur noch schnell gehen. Ambitionen auf eine Medaille hatte Lara Steinbrecher in jenem Finale in Heilbronn nicht. Überhaupt nicht. Und sie klang auch in keinem Wort darüber enttäuscht, dass es letztlich die Winzigkeit einer Hundertstelsekunde war, die ihr zu Bronze fehlte. Sie sagte also zu ihren 11,87 Sekunden über die 100 Meter und dem vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften der U 18: „Ich wollte einfach unter zwölf Sekunden laufen, und das hat ja super geklappt.“

Das Wochenende im Frankenstadion im Norden Baden-Württembergs war für die 17-Jährige nicht nur einfach super, es war sogar super-super. Denn als sie am Sonntag zu den 100 Metern antrat, hatte sie bereits ihr erhofftes Edelmetall gewonnen – über die doppelte Distanz nämlich. „Da ich als Zweitschnellste gemeldet war, wollte ich natürlich eine Medaille, deshalb war ich schon ziemlich aufgeregt“, berichtete der Schützling von Trainer Marco Kleinsteuber.

Aber die Aufregung hatte sich womöglich bereits im Halbfinale über 200 Meter gelegt, als sie auf den letzten Metern das Tempo rausgenommen und trotzdem nach schnellen 24,15 Sekunden ins Ziel gesprintet war. Und im Finale „wollte ich eigentlich unter 24 laufen“, erklärte sie. Letztlich ist sie in 24,04 Sekunden zum Gold geflogen. „Das wäre auch die Norm für die U-18-Europameisterschaften in diesem Jahr gewesen. Was will ich also mehr?“, fragte Steinbrecher. Viel mehr konnte sie nicht erreichen, andere blieben dagegen hinter ihren Erwartungen zurück.

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Wehner muss verletzt passen

Nicht so sehr Viviane Heilmann (U 20) und Sophie Albrecht (U 18), die über die 400 Meter Hürden einen fünften und einen siebten Platz belegten. Wenngleich: „Wir waren schon ein bisschen enttäuscht. Wir hatten in den fünf Wochen vor den Meisterschaften akribisch daran gearbeitet, die Zeiten aus der Saison noch einmal zu verbessern. Aber über 400 Meter Hürden muss dafür auch alles zusammenkommen“, sagte Coach Kleinsteuber. „Trotzdem ist bei beiden ein positiver Trend in der Entwicklung deutlich erkennbar.“

Den zeigt auch Justine Wehner, die in Heilbronn im Vollbesitz ihrer Kräfte eine sichere Medaillenkandidatin gewesen wäre. Aber ihre Kräfte waren schon vor ihrem Start über die 400 Meter geschwunden aufgrund ihrer Probleme im Oberschenkel. Sie hatte sich in Heilbronn noch für den Endlauf der U 18 qualifiziert, aber „nach dem Halbfinale waren die Schmerzen größer geworden“, sagte Wehner. „Vor dem Finale am Sonnabend habe ich gemerkt, dass es nicht geht. Also haben wir abgemeldet.“ Kleinsteuber betonte: „Das Risiko war es einfach nicht wert.“ Kampflos musste Wehner also die mögliche Medaille hergeben. Den Kampf um Edelmetall hatte Ole Ehrhardt dagegen bereits im Semifinale verloren.

11,02 Sekunden reichten Ehrhardt nicht, um in den Endlauf über 100 Meter einzuziehen. „Das ist einfach nur enttäuschend“, sagte der 17-Jährige, der mit einer Bestleistung 10,75 Sekunden nach Heilbronn gereist war. „Vor dem Lauf hatte ich mich super gefühlt, aber dann hatte ich Probleme am Start, hatte die Schritte nicht richtig gesetzt und bin zu schnell hochgekommen.“

Ehrhardt ist enttäuscht

Die bis dato hervorragende Saison konnte den 17-Jährigen auch nicht trösten, „denn wenn ich zum Höhepunkt meine Leistung nicht abrufen kann, bringen mir die Zeiten, die ich zuvor gelaufen bin, relativ wenig“, betonte Ehrhardt. Der deshalb schon auf das kommenden Jahr vorausblickt: „Es gibt noch sehr viel für mich zu tun.“

Sehr viel getan hat Moritz Morstein in seinem ersten Jahr beim SCM und bei Björn Lange, seinem Trainer. In Heilbronn hat sich die Arbeit mit der Silbermedaille im Speerwurf der U 18 ausgezahlt, auch wenn Morstein, der 2019 aus Leipzig an die Elbe wechselte, über die 67,62 Meter, seiner neuen Bestweite, lediglich resümiert: „Das war eine solide Leistung.“ Sein Coach und er hatten sich ein anderes Ziel gesetzt: 70 Meter. „Es ist schade“, sagte der 41-jährige Lange, „dass wir nicht zeigen konnten, dass er sie drauf hat.“ Das hat Morstein nämlich.

Aber im Speerwerfen geht es inzwischen nicht mehr allein um den Speer, den Athleten und seine Weite – es geht schon seit langer Zeit und besonders derzeit in der Elite um die Schuhe. Morstein schöpft seine Energie aus den Beinen, deshalb braucht er lange Spikes für einen stabilen Anlauf und Stand. Aber in Heilbronn waren nur neun statt seiner üblichen zwölf Millimeter langen Dornen zugelassen. Und dies auf einem sehr weichen Belag.

Eleganz schlägt Kraft

„Damit hatten einige Werfer ihre Probleme“, berichtete Lange. Unter anderem auch der Teamgefährte Marek Kadereit, der in der U 20 lediglich den elften Platz belegte. Teamgefährte Jeremy Bruer warf den Speer indes auf Rang acht. Morstein meinte: „Schade, dass die Materialschlacht auch schon in der U 18 angekommen ist.“

Umso wertvoller war dann dieser erste, dieser eine gültige Versuch für den 17-Jährigen, mit dem er sich auf das Silberpodest geworfen hat, bevor er bei allen weiteren Würfen ins Rutschen geriet. Und gerade die ungültigen hatten gezeigt: „Ich hätte durchaus weiter werfen können“, ist sich Morstein sicher. Das tat sein erwarteter Hauptkonkurrent Max Dehning mit 73,42 Metern. Dehning hatte überhaupt nur gültige Versuche vorgelegt. „Das ist eben der Unterschied, er ist groß und kommt mit seinen langen Armen noch mehr über die Technik“, so Lange. Kraft hatte auf diesem Belag also weniger Chancen als Eleganz.

Die eleganten Damen aus Langes U-18-Gruppe haben indes vor allem sich selbst enttäuscht, erklärte der Coach. Zumal sie weit unter ihren Bestleistungen geblieben sind. Der Wettkampfdruck, das erste große Ereignis für Patricia Alberts und Yasmin Wilke, zu dem sie beide angeschlagen (Schulter und Ellenbogen) angetreten waren, ließen kein besseres Resultat als Platz acht und 13 zu. Am dritten Tag der Veranstaltung, ihrem Finaltag, sollte es nicht weiter gehen als auf 44,07 und 41,39 Meter.