Magdeburg l An Eleganz mangelt es Alex Bartz nun wirklich nicht. Selbst in der Drehstoßtechnik bleibt der Kugelstoßer vom Verein für Sporttherapie und Behindertensport Magdeburg (VSB) geschmeidig im Bewegungsablauf. Und dennoch stößt er die sechs Kilogramm schwere Kugel inzwischen auch weit. „Wenn er sich jedes Jahr um einen Meter verbessert“, sagt Trainerin Theresa Wagner sogar, „kann er es theoretisch zu den Paralympics 2024 in Paris schaffen.“

Diesen Traum hätte sich Alex Bartz im Schwimmen wohl nicht mehr erfüllt. Acht Jahre lang ist er unter Coach Florian Giese durch die Becken gezogen, aber der Sprung in den Erwachsenenbereich war letztlich zu groß für ihn. „Ich hatte zugleich eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger begonnen“, berichtet Bartz, der mit einer Dysmelie am linken Unterarm geboren wurde. „Es fehlte einfach die Zeit, um intensiv zu trainieren. Und dann hat es auch keinen Spaß mehr gemacht, sich bei den Wettkämpfen nur noch auf die Ergebnistafel zu schwimmen.“ Also stellte er sich bei Theresa Wagner vor.

Mit Drehstoß nach Paris

Für Sprint und Sprung, sagt Bartz, „hatte ich nicht das Talent, ganz vor zu landen“. Umso mehr für den Wurf. Und am liebsten würde er neben Kugelstoßen auch gerne den Diskus werfen. Aber diese Disziplin ist in seiner Startklasse 46 nicht paralympisch. So war die Entscheidung für die Kugel schnell gefallen.

Und Alex Bartz kann auch in Zeiten des Corona-Virus weiter an seiner Technik feilen. Denn aus der derzeitigen Not hat Wagner eine Tugend gemacht: Die Trainerin improvisiert in den Einheiten, geht mit ihren Athleten ins Freie, legt eine Holzplatte auf den Boden und lässt mit leichteren Trainingskugeln für die Halle stoßen. So überbrücken ihre Werfer ohne nationalen Kaderstatus die Phase, in der ihnen der Zutritt zu den Trainingsstätten untersagt ist.

10,31 Meter für den Kaderstatus

„Wir hatten es erst mit Angleiten probiert“, berichten Bartz und Wagner. Aber dem Athleten fehlt es noch an der Schnellkraft und an der Kraft im Allgemeinen. Für das Training mit der Langhantel hat er sich eine spezielle Prothese anfertigen lassen. „Damit funktioniert es gut“, sagt er. Und vor einem Jahr haben sie auf die Drehstoßtechnik umgestellt. „Damit läuft es wesentlich besser“, betont Wagner.

Wenngleich niemand weiß, wann und wie das Sportjahr 2020 enden wird, arbeitet Bartz natürlich für seine Ziele weiter. Und das vordergründige Ziel heißt: „Ich will die Norm für den Nachwuchskader 1 erfüllen“, betont er. Dafür muss der 21-Jährige dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) 10,31 Meter in dieser Saison anbieten. Seit den Hallenmeisterschaften in Erfurt steht seine Bestweite bei 9,98 Meter. Es fehlen also noch 33 Zentimeter. „Im Training habe ich die Norm aber öfter gestoßen.“

Viel Aufregung im Spiel

Auf 10,52 Meter ist er in den Einheiten bereits gekommen. Nur: „Ich bin ein kleiner Wettkampfschisser“, sagt Bartz lächelnd. Dann spielt ihm die Aufregung einen Streich. „Es ist eben anders als nach acht Jahren Schwimmen, die Technik ist beim Kugelstoßen noch nicht so sehr ins Fleisch übergangen, deshalb mache ich mir auch im Wettbewerb noch zu viele Gedanken darüber.“

Von diesen Gedanken erholt sich der 1,89 Meter große Bartz beim Videospiel, beim Handball schauen oder unterwegs mit Freunden. Bei den Fahrstunden außerdem: „Ich bin gerade dabei, meinen Führerschein zu machen“, berichtet Bartz. Und im Sportinternat, wenn es geöffnet ist. Die erste Ausbildung hat Bartz nämlich abgebrochen, jetzt leistet er seinen Bundes-Freiwilligendienst unter den Sportschülern und gibt diesen zum Beispiel Anweisungen zum Aufräumen.

Womöglich wird es ihn als nächstes dann auf die kaufmännische Ebene führen. Und natürlich in Richtung Paralympics 2024. „Ich habe große Ambitionen“, betont Bartz. Theresa Wagner weiß den Charakter ihres Schützlings jedenfalls zu schätzen: „Er ist immer motiviert.“ Für den Kugelstoßer Alex Bartz allerdings brauchen „wir noch viel Geduld“, erklärt die 29-Jährige. Vier Jahre sind für Geduld eine gute Zeit.