Duisburg/Magdeburg l Tabea Kuhnert war nach eigenem Bekunden ein wenig durch den Wind nach diesem Tag in Duisburg. Aber in jedem ihrer Worte per Sprachnachricht war auch ihr Lächeln zu hören. Mit diesem wird sie am Sonntagabend irgendwann glückselig eingeschlafen und gestern wieder aufgewacht sein. Nach einer Saison, die coronabedingt ohne Wettkämpfe durch die Monate verlief, ist Kuhnert nun Europameisterin in der U 23. „Es war ein geiles Rennen“, erzählte sie über das Finale im Doppelvierer, in dem sie mit Sophie Leupold, Lena Osterkamp und Maren Völz der kontinentalen Konkurrenz vorauseilte. Mit großem Vorsprung.

Die Geschichte wäre eine rein sportliche, wenn es nicht einen gesundheitlichen Rückschlag gegeben hätte. So sei an ihren Kreislauf-Zusammenbruck im August erinnert, der ihren Start bei der nationalen Rangliste verhindert hatte. Aber der Stärke einer gesunden Tabea Kuhnert ist sich auch Bundestrainerin Brigitte Bielig bewusst, weshalb sie die Skullerin vom SC Magdeburg trotzdem für die EM nominierte. Und am Ende nicht enttäuscht wurde.

Gold erwartet

„Der Kreislauf läuft“, meinte die 20-Jährige erfreut, wie überhaupt alles lief für und mit Kuhnert am Wochenende. Enttäuscht, mehr oder weniger, wäre sie allerdings gewesen, wenn tatsächlich kein Gold herausgesprungen wäre: „Das hatten wir vor dem Finale von uns erwartet, weil wir wussten, dass wir es können.“

Bilder

Und was die vier Damen des Deutschen Ruderverbandes (DRV) konnten, zeigten sie vom ersten Schlag an. „Wir wussten, dass die anderen Boote schnell losfahren würden, und wir sind einfach mitgefahren“, erklärte Kuhnert. 1500 Meter lang, dann spielte das Quartett seine konditionelle Stärke auf dem letzten Abschnitt aus, erreichte nach 6:39,21 Minuten und mit 2,37 Sekunden Vorsprung auf die Niederländerinnen das Ziel. Die anschließenden Bilder des Jubels verrieten womöglich nicht nur etwas über die Freude über den Sieg, sondern tatsächlich auch über die Erleichterung, den eigenen Erwartungen entsprochen zu haben.

Spannendes Finale

Das haben auch die beiden Magdeburger Männer aus der Trainingsgruppe von Roland Oesemann, von denen sich ein Schützling den Traum von der Medaille erfüllte: Paul Berghoff. Nach einer etwas schwierigen Vorbereitung, in der die Besatzung im Boot zweimal umgesetzt wurde, sicherte sich der 19-Jährige im Doppelvierer mit Aaron Erfanian, Anton Finger und Franz Werner die Bronzemedaille in 6:02,49 Minuten und mit nur 0,47 Sekunden Rückstand auf Italien. Es gewann das Boot aus Tschechien. „Das war ein spannendes Rennen“, meinte Berghoff, in dem die Crew „hintenraus nicht so auftrumpfen konnte wie noch im Halbfinale“, befand Coach Oesemann. Berghoff war dennoch glücklich: „Eine internationale Medaille im ersten U-23-Jahr ist natürlich immer gut“, betonte er.

Ohne Medaille, aber mit einem ebenso zufriedenen Resümee ist Paul Krüger von seinen ersten Meisterschaften in dieser Altersklasse zurückgekehrt. Mit Klas Ole Lass fuhr der 19-Jährige im Doppelzweier auf den vierten Platz. Im Mittelteil haben die beiden eine mögliche Medaille verloren, meinte Oesemann. Aber das war Krüger am Ende egal. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Krüger. „Wir hatten zwar Gold vor Augen, hatten auch wirklich alles gegeben. Aber ich bin stolz darauf, in meinem ersten U-23-Jahr in einem derart starken Feld mitgewirkt zu haben.“

Krüger auch mit "Blech" zufrieden

Krüger auf Schlag und Lass wollten auf den ersten Metern vorausfahren und dann versuchen, die Spitzenposition so lange wie möglich zu halten. Dann wollten sie nach jeden 250 Metern mit „fünf Druckschlägen das Tempo erhöhen und halten“, berichtete der Magdeburger. „Aber das Feld war wirklich stark, da war am Ende nicht mehr zu holen.“ So verpassten sie beim Sieg der Iren eine Medaille um 2,68 Sekunden.

Aber das heizt natürlich die Motivation weiter an. Denn Krüger erklärte: „Nach der Erfahrung der vergangenen Tage werden wir auch beim nächsten Mal wieder angreifen – und das noch besser als in diesem Jahr.“ Und das gilt dann auch für Berghoff – zum Beispiel bei der U-23-Weltmeisterschaft 2021 im tschechischen Racice.