Magdeburg l Die junge Frau, die am Mittwochmorgen im Kraftraum an der Industriestraße mit der Langhantel Kniebeuge absolviert, ist schlanke 1,82 Meter groß, hat ihr langes blondes Haar hochgesteckt. Und trägt eine Brille. Nicht etwa für den besseren Durchblick, sondern „weil ich mit damit einfach wohler fühle“, sagt Jette Prehm.

Mit Durchblick

Die junge Frau, die Mitte November die Herbst-Langstrecke in Berlin gewann und zwei Wochen später in Dortmund, ebenfalls über 6000 Meter, Platz zwei belegte, trug Kontaktlinsen. Und hatte auch damit den Durchblick. Jette Prehm, Ruderin beim SCM, hat Selbstvertrauen getankt. Der Knoten ist geplatzt, vor allem im Kopf, „um voranzukommen und mich weiterzuentwickeln“, betont sie.

Er platzte gerade zur rechten Zeit. „Die Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ist ein lohnenswertes Ziel, zumal sie ein Testlauf auf der Olympiastrecke von 2020 ist“, erklärt ihr Trainer Roland Oesemann. Die JWM steigt in Tokio, vom 6. bis 11. August.

Vom Schwimmen zum Rudern

Seit 2013 rudert Prehm in Magdeburg. Eigentlich wollte sie ja als Schwimmerin beim SCM durchstarten, als jene hatte sie ihre sportliche Laufbahn in ihrer Heimat Lüchow-Dannenberg begonnen. „Aber ich war dann zum Tag der offenen Tür am Sportgymnasium. Und da mein Vater mit 2,04 Metern sehr groß ist, wurde ich von der Ruder-Abteilung angesprochen“, erinnert sich die Zwölftklässlerin. Ein Probetraining später war der Wechsel aus dem Becken ins Boot beschlossene Sache.Oesemann freut sich darüber heute noch – oder vielmehr jetzt erst recht.

Prehm ist vor allem im Kopf einen langen Weg zu ihrem jetzigen Leistungsniveau gegangen. „Sie hat körperlich gute Voraussetzungen, nur das mangelnde Selbstvertrauen war bislang ihre Schwäche“, erklärt der 58-Jährige. „Aber das ist inzwischen wesentlich besser geworden.“ Prehm beschreibt sich so: „Ich bin jemand, der sich eher hinten anstellt.“ Damit konnte sie bislang ganz vorne nicht anklopfen. Das hat sich nun geändert.

Endspurt soll besser werden

Sportlich sieht sie noch Potenzial im Endspurtverhalten. Den letzten Sprint zog sie bislang zu spät an. „Wenn es anstrengend wurde, wenn es wehgetan hat, hat mir mein Kopf immer gesagt: Mach‘ ich nicht“, sagt sie lachend. „Aber inzwischen gehe ich mehr Risiko.“ Und reizt ihre Grenzen aus. Gerade die Langstrecke in Dortmund, als sie in 26:31 Minuten und mit nur drei Sekunden Rückstand auf Alexandra Förster (Meschede) ins Ziel kam, hat ihr ihre Möglichkeiten aufgezeigt. „Das muss ich im Hinterkopf behalten“, so Prehm – fürs Selbstvertrauen.

Denn Selbstvertrauen ist auf ihrem Tokio-Kurs nötig: Über die erste und zweite Rangliste im Einer, ausgetragen Mitte April in Köln und Anfang Juni in Hamburg, sowie die deutschen Junioren-Meisterschaften in Brandenburg (20. bis 23. Juni) führt der Weg nach Tokio.

In welchem Boot sie dann sitzen möchte? „Am liebsten im Doppelvierer, weil ich mich dort an anderen orientieren kann und aufgrund des Mannschaftsgefühls“, sagt Jette Prehm. Vielleicht denkt sie nach der ersten Rangliste schon ganz anders. Wenn sie sich ganz vorne anstellt.