Magdeburg l Jan Berend rieb sich mit der Handfläche über die Stirn, dann durch das Haar. „Das wird alles ganz schön stressig“, hatte der SCM-Hüne beim traditionellen Regatta-frühstück in Hinblick auf die Deutschen Kleinbootmeisterschaften gesagt. Denn nicht nur eine vordere Platzierung im C-Finale hatte sich Berend vorgenommen, auch sein Schulhefter war mit nach Essen gereist. Am Montag stand bereits die erste Prüfung in Biologie an.

Doppelbelastung Training und Abi

Eine Doppelbelastung, die Berend mittlerweile gut kennt. Seit Beginn des Jahres versucht der SCM-Skuller den Leistungssport und die Abiturvorbereitung parallel zu meistern. Ein Vorhaben, das nach den Titelkämpfen in Essen vorerst als gescheitert gilt. Mit einem dritten Platz im E-Finale hat der Magdeburger sein Ziel, sich für die U-23-Nationalmannschaft zu empfehlen, klar verfehlt.

Zwar ist es Berends erste Saison in dieser Altersklasse, doch als Europameister und WM-Vierter im Doppel-Zweier bei den U-19-Junioren hatte sich der Skuller trotz großer Konkurrenz weitaus mehr vorgenommen.

„Das war eine große Enttäuschung“, sagte SCM-Coach Roland Oesemann, „er konnte an keinem Trainingslager teilnehmen und ich kenne keinen 19-Jährigen oder einen Spitzenruderer, der es allein geschafft hat.“

Enttäuschung beim Ergometertest

Berend trainierte während des Winters überwiegend in Magdeburg, zog oft allein seine Bahnen im Industriehafen und bereitete sich nebenbei auf sein Abitur vor. Bereits bei der ersten Kaderüberprüfung Anfang April in Leipzig konnte der Modellathlet beim Ergometertest nicht überzeugen, wollte nun in Essen nochmal deutlich nachlegen. Doch daraus wurde nichts.

Auch nach seinem Abitur wird sich für Berend alles darum drehen, die sportliche Laufbahn und akademische Ausbildung zu vereinen. Wie viele andere Nachwuchssportler auch, wird Berend dafür ab Sommer in den USA leben und in Boston studieren.

Abflug in die USA

„Es haben mich einige Universitäten aufgrund meiner Erfolge in den vergangenen zwei Jahren angeschrieben“, sagte der 19-Jährige, „ich habe mich dann für Boston entschieden.“ Berend erhält an der Ostküste der USA ein Stipendium für vier Jahre und wird für das Ruderteam der Universitätsmannschaft, die „Terriers“, bei Wettkämpfen antreten. Dabei wird er unter anderem auf Simon Klose, der bei der U-23-WM im deutschen Männer-Vierer saß, treffen.

Auch Nils Kocher, der 2016 Weltmeister im Junioren-Achter wurde, startet für die Boston University. Berend bezeichnete diesen Schritt als „große Chance“, sein Coach hingegen machte kein Geheimnis aus seiner Enttäuschung: „Ich finde das nicht gut, denn wir haben in den vergangenen Jahren viel in die sportliche Entwicklung investiert und ernten werden es nun andere“.