Brandenburg l Diesem finalen Sieg war ein Donnerwetter vorausgegangen. Paul Krüger traf der verbale Blitz aus der Kehle seines Coaches Paul Zander am Sonnabend bei der deutschen U-19-Meisterschaft auf dem Brandenburger Beetzsee mitten in den Kopf. „Mein Trainer hat gemeint, mir fehlen die Einstellung und der Fokus“, sagte der 18-jährige Athlet vom SC Magdeburg nach dem Halbfinale im Doppelzweier mit Aaron Erfanian. Und ergänzte: „Vielleicht hat er Recht.“ Trotz des Sieges in der Vorschlussrunde.

Diese Geschichte hat dann ein gutes Ende gefunden. Auch für den 29-jährigen Zander, der am Sonntag nach dem Finale resümierte: „Sie sind ordentlich gerudert und haben ihre Aufgabe gelöst.“ Die Europameister Krüger und Erfanian nahmen die Gegner, denen sie Anfang Juni bei der Ranglistenregatta des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in Hamburg „gefühlt vier Längen vorausgefahren“ (Krüger) waren, endlich ernst.

Sie benötigten kurz vor der Ziellinie trotzdem noch einige harte Schläge, um sich den Titel vor Elrond Kullmann/Sören Henkel mit 1,91 Sekunden Vorsprung nach 2000 Metern zu sichern. Und damit das Ticket für die Weltmeisterschaft in Tokio (7. bis 11. August). Krügers zweiter Sieg im Doppelvierer spielte dafür derweil keine Rolle mehr.

Einladung für Berghoff

Welche Rolle Paul Berghoff bei der WM übernehmen wird, das muss Bundestrainerin Sabine Tschäge erst noch entscheiden. Seit der Ranglisten-Regatta in Hamburg, als Berghoff den Einer nur auf Rang acht steuerte, wird der 17-Jährige den von ihm bevorzugten Soloauftritt in Tokio nicht hinlegen, sondern allenfalls im Doppelvierer starten. „Ich wäre ihn gerne weitergefahren“, erklärte er. Den WM-Einer fährt nun der deutsche Meister Paul Leerkamp.

Berghoff wurde derweil mit Jonas Gelsen Dritter im Doppelzweier auf dem Beetzsee. Mit Gelsen konnte er erst in der Woche vor Brandenburg intensiv trainieren. „Minimalziel erreicht“, erklärte Berghoff schon zum Einzug in den Endlauf, den sich beide hart erarbeiten mussten. Weil er zudem einen zweiten Rang im Doppelvierer erzielte, ist er zur Mannschaftsbildung für Japan eingeladen worden. Aber für einen Einsatz muss er sich beim nächsten DRV-Lehrgang erst beweisen.

Diese Einladung hat sich auch Nick Welzenbach redlich verdient. Der 18-Jährige fuhr im Vierer ohne Steuermann zu Silber und im Achter sogar zum Sieg. Für einen, der kurzfristig aufgrund eines Ausfalls für die Titelkämpfe von Skull auf Riemen gewechselt war, ist das eine beachtliche Leistung.

Prehm und Guhse dominierten Rennen

Wie es ist, wenn ein Athlet seine Konkurrenz respektiert und nicht etwa unterschätzt, hat indes Jette Prehm gezeigt: Mit Judith Guhse feierte der 18-jährige Schützling von Coach Roland Oesemann einen beeindruckenden Sieg im Doppelzweier. „Ich hätte gedacht, es wird wesentlich härter für uns“, berichtete Prehm. „Wir wollten nach 500 Metern in Führung liegen und dann unseren Vorsprung weiter ausbauen und halten. Das haben wir geschafft.“ Zur Hälfte des Endlaufes waren es bereits zwei Längen. „Danach haben sie das Rennen dominiert und kontrolliert“, so Oesemann, „das war beeindruckend.“ Mit 2,97 Sekunden Vorsprung gewannen Guhse und Prehm und dürfen sich nun in Tokio mit der Welt messen.

Die Athleten der U 19 und der U 17 haben noch etwas anderes geschafft: Mit 15 Medaillen holten sie für den SCM den Jugend-Pokal für den besten Verein bei einer Meisterschaft. Zum ersten Mal seit der Wende. „Das ist sehr überraschend“, sagte U-17-Trainerin Gabriela Wölfer und ergänzte zu sechs Medaillen ihrer Mädchen und Jungs: „So viele haben wir in der Altersklasse noch nie geholt.“