Magdeburg l Die Kurzbahn-Europameisterschaften werden 2019 im schottischen Glasgow (4. bis 8. Dezember) ausgetragen. Und dorthin tragen ihn bereits seine Gedanken: Lukas Märtens mag sich nicht mit seinen Bestzeiten vom jüngsten North Sea Swim Meet in Stavanger zufriedengeben. Immerhin ist der 17-Jährige in Norwegen zu persönlichen Rekorden auf fünf Strecken geschwommen. Lukas Märtens will den Wind, der über die raue Landschaft Schottlands weht, spüren. Und sich mit den Besten des Kontinents messen. Sein Weg dorthin führt den Athleten vom SC Magdeburg über die deutsche Meisterschaft, die heute in Berlin beginnt, und über die Norm, die ihm der Deutsche Schwimmverband (DSV) vorgegeben hat.

SCM-Talent Märtens kränkelte

Aus den Überaschungen in Stavanger ist also ein ernsthaftes Vorhaben geworden, wenngleich ein grippaler Infekt mit Halsschmerzen und hörbar fürchterlichem Schnupfen ihn in der vergangenen Woche aus dem Becken ins Bett gezogen hatte und er trainingsfreie Tage einschieben musste. Denn überrascht war Märtens bei jenem Meeting in Stavanger. Sehr sogar. Und öfter mal. „Da wir den Wettkampf nicht weiter vorbereitet hatten, haben mich die Zeiten über 400 (3:44,74 min.) und 1500 Meter Freistil (14:48,21) am meisten gefreut“, berichtete der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn. Und auf diesen Strecken liebäugelt er nun mit einem EM-Start.

Im Berliner Europa-Sportpark muss er diese Resultate noch einmal um 1,24 beziehungsweise 3,21 Sekunden unterbieten, dann winkt das Ticket nach Glasgow. Dabei sind ja eigentlich die 200 Meter Rücken seine Paradedistanz. Und über diese hat er in Stavanger mit 1:56,75 Minuten einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. „Das war aber mein letztes Rennen“, erklärte Märtens. Das letzte von 13. „Wäre ich ausgeruhter gewesen, wäre es auch noch schneller gegangen.“ Und schneller soll es nun über diese Distanz in Berlin gehen. 1:54,00 Minuten muss Märtens packen, will er auf der Strecke in Glasgow starten.

Märtens muss Start verbessern

Was dann in Berlin besser funktionieren sollte als in Norwegen? „Der Start bleibt bei mir ein Riesenthema“, sagte Märtens. „Ich muss schon auf der ersten Bahn immer wieder Attacke schwimmen, um den Rückstand aufzuholen.“ Und? „Über die Rücken-Distanz muss ich ruhiger atmen, da bin ich derzeit noch zu hektisch.“

Titelkämpfe als Mentaltraining

Hektik ist nicht das Problem der Marlene Blanke. „Ich habe noch große Reserven bei den Wenden und am Start, dort habe ich doch wichtige Sekunden verschenkt“, berichtete die 15-Jährige, die wie auch Leonie Märtens und Pia-Sophie Berndt aus der Trainingsgruppe von Stefan Döbler in der Bundeshauptstadt um neue Bestzeiten und Titel in der Jahrgangswertung schwimmen wird.

Blanke war nach einer Erkältung einigermaßen körperlich geschwächt nach Norwegen gereist, verbesserte dennoch ihre Bestzeiten über 200 (2:02,01), 400 (4:18,41) und 800 Meter Freistil (8:49,01). „Vor allem die 200 Meter haben mir und Stefan gezeigt, dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind.“ Die Meisterschaften in Berlin möchte Blanke vor allem dazu nutzen, „stabiler in meiner Technik zu werden und meine Leistungen aus Norwegen noch einmal zu steigern“.

Und das will auch Leonie Märtens. Und gleich in zwei Disziplinen. In Stavanger hatte Lukas‘ Schwester über 50 (25,82 sek.), 100 (55,94) und 200 Meter Freistil (2:02,68 min.) persönliche Rekorde erzielt. In Berlin möchte die 15-jährige Sprinterin außerdem über 50 Meter Schmetterling angreifen. Und nicht nur das: „Natürlich will ich auch neue Erfahrungen sammeln, denn von meinen Konkurrentinnen kann ich lernen, wie sie ihre Rennen einteilen auf der 25-Meter-Bahn. Und ich kann sehen, wie ihr Trainingsstand ist.“

Und letztlich ist solch eine Meisterschaft für sie auch immer ein mentales Training. „In Stavanger war ich vor den Starts noch sehr aufgeregt, und ich habe deshalb meine Konzentration vernachlässigt“, berichtete Leonie Märtens. „Deshalb versuche ich, meine Nervosität besser unter Kontrolle zu halten.“