Magdeburg l Kiran Winkler hat die deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2019 noch einmal Revue passieren lassen. Und in Anbetracht seiner Erfolge würde niemand auf den Gedanken kommen, dass er trotzdem und zumindest für einen Abend ziemlich enttäuscht gewesen war. Kiran Winkler vom SC Magdeburg hatte nämlich im Berliner Europa-Sportpark und im Jahrgang 2004 Gold über 400 Meter Freistil sowie 200 und 400 Meter Lagen gewonnen. Er hatte sich außerdem über 100 und 200 Meter Freistil die Silbermedaille abgeholt.

Schöne Erfolge also. Für ein paar Momente allerdings konnte er nicht so empfinden. Denn seine Leistung auf der langen Lagen-Distanz reichte nicht, um sich im Kampf um einen Platz bei den EYOF, dem Europäischen Olympischen Jugend-Festival, gegen einen Konkurrenten aus dem älteren Jahrgang durchzusetzen. „Das hat mich fertiggemacht“, erinnert sich Winkler und richtet dabei den Blick zum Boden.

Motivation durch die Trainer

Einige Gespräche später mit seinen Freunden und über die sozialen Medien hatte er diese „Niederlage“ verkraftet. Und auch sein damaliger Trainer Thomas Ackenhausen „hat mir sehr viel Mut zugesprochen“, berichtet der 16-Jährige. Das kann man sich gut vorstellen, wie der gemütliche Ackenhausen seine große Hand auf die Schulter seines Schützlings legt und ihm im tiefsten Bass beruhigende Worte ins Ohr flüstert. Ein Jahr später heißt sein Trainer Stefan Döbler – und dieser legt bereits motivierende Worte nach, bevor sein Schützling überhaupt seine Ziele in dieser Saison erreicht hat.

Döbler sagt: „Kiran ist ein großes Talent, klar im Kopf, denn das ist das Wichtigste. Er hat ähnlich wie Florian Wellbrock oder Lukas Märtens eine starke Beinarbeit und damit eine hohe Wasserlage. Er schwimmt auf einem technisch-koordinativ hohen Niveau für sein Alter.“ Was nichts anderes bedeutet als: Winkler krault oben, auf den Spuren von Doppel-Weltmeister Wellbrock. Winkler krault mit Perspektive.

Zwangspause nervt

An dieser bastelt der Freistil-Spezialist derzeit allerdings nicht in der Elbehalle, sondern vor dem heimischen Bett auf der Yoga-Matte oder einer ähnlichen Unterlage. Winkler darf wegen des Coronavirus bekanntlich nicht trainieren, sondern muss laufen und einen vorgegebenen „Bauchplan“ abarbeiten. Neben der Schule, die ihn außerdem mit Aufgaben in der Zwangspause versorgt.

Je länger er in dieser Phase trainieren muss, desto geringer sind natürlich seine Chancen, seine Ziele in diesem Jahr zu erreichen. Eines lautet: „Ich möchte mich für die Junioren-Europameisterschaften qualifizieren“, sagt er. Die sind inzwischen verschoben worden auf Ende August, Anfang September in Aberdeen (Schottland).

Trainer nimmt Druck weg

Coach Döbler allerdings nimmt seinem Schützling gleich mal den Druck. „Er ist der jüngere JEM-Jahrgang, es wäre schon ein Erfolg, wenn er es zu einem Staffeleinsatz schaffen würde. Aber Kiran kann auch noch die JEM-Titelkämpfe 2021 und 2022 in Angriff nehmen.“

Die Normen sind das Ziel

Angreifen will Winkler dann wenigstens die Normen auf seinen Hauptstrecken, auf den 200 und 400 Meter Freistil. Dort, wo er also auch in Zukunft für sich die größten Chancen auf einen Erfolg sieht.

1:50,80 über die kürzere und 3:53,45 Minuten über die längere Distanz müsste Winkler vorlegen, was von seinen Bestzeiten (1:53,97 und 4:03,37) noch einiges entfernt ist. „Ich möchte es trotzdem probieren“, sagt er. Es stellt sich nur die Frage: Wann? Denn auch die Jahrgangsmeisterschaften, die für Ende Mai in Berlin geplant waren, sind inzwischen vom Deutschen Schwimmverband (DSV) abgesagt worden.

Blick geht nach vorn

So richtet also der 1,85 Meter große Kiran Winkler seinen Blick bereits auf das nächste Jahr, dann soll es mit dem ersten internationalen Start wirklich klappen. Er sagt: „Ich weiß genau, worauf ich hinarbeite.“ Und genau deshalb urteilt Trainer Döbler: „Kiran ist auf einem sehr, sehr guten Weg.“