Magdeburg l In diesem dritten Satz hat es eine Szene gegeben, in der dem gemeinen Zuschauer kurz die Augen aus den Höhlen fielen. Aus dem Mittelblock des SC Potsdam II kam also ein recht präziser Schlag, mitten in die große Lücke des USC-Sechsers. Als sich der Ball dann bis auf wenige Zentimeter dem Hallenparkett genähert hatte, rutschte plötzlich eine flache Hand in dessen Flugbahn und vermittelte ihm eine ganz neue Richtung. Nach oben nämlich. Diese rechte Hand gehörte Blanca Simon, Kapitänin der Magdeburger Regionalliga-Volleyballerinnen. Und wenngleich letztlich der Punkt an den Gegner ging, hatte sie in diesem Moment ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Blanca Simon ist 1,81 Meter groß, aber wie der Schauspieler auf der Theaterbühne wirkt sie auf dem Feld viel größer, derart präsent ist sie in allen Aktionen, in allen Momenten der Partie. Selbst wenn sie nach einem absolvierten Ballwechsel, ob mit oder ohne Punkt, ihre Mädels zum Kreis versammelt. „Ich bemühe mich, der ruhende Pol der Mannschaft zu sein, klare Dinge anzusagen, aber eben auch immer das Positive aus Kleinigkeiten zu ziehen“, erklärt Simon, die damit eine pädogogische Note ins Team bringt. Was wiederum kein Wunder ist: Blanca Simon ist Grundschullehrerin.

Verlängerter Arm der Trainerin

Und zugleich ist sie der verlängerte Arm der Trainerin. Anja Bechmann hat großes Vertrauen in die erfahrenste Akteurin in ihrem Kader. Denn Simon hat sich in dieser neuen Saison auf völliges Neuland begeben – in den Mittelblock nämlich. „Das spiele ich tatsächlich zum ersten Mal. Ich bin sonst immer auf Außen/Annahme zum Einsatz gekommen“, berichtet sie. Und war damit die wichtigste Spielerin in der Annahme neben der Libera. Aber so griff auch auf sie das Talent, welches sie der Trainerin nachsagt: „Anja hat ein sehr gutes Gespür für die Mannschaft, sie kann auch ihre Entscheidungen sehr gut erklären und begründen.“

Was es dann noch auf dem Feld benötigt, lebt Blanca Simon an jedem Wochenende vor. Selbst unter schmerzlichen Voraussetzungen: „Ich habe so viel Spaß am Volleyball, ich freue mich wahnsinnig auf jeden Spieltag.“ Da macht es auch wenig aus, wenn sie in der Partie zuvor der Gegnerin am Netz mal auf den Fuß getreten und selbst umgeknickt ist wie beim Duell beim VC Bitterfeld-Wolfen. „Der Klassiker“, sagt Simon lächelnd. „Danach hatten wir aber zwei Wochen Pause und dann stand das Lokalderby gegen die WSG Reform an“, erinnert sich Simon. „Und das ist immer etwas Besonderes.“

Positive Anspannung vor jedem Spiel

Aber auch Duelle wie jenes am morgigen Sonntag in heimischer Campus-Halle gegen den BBSC 3 aus Berlin (12 Uhr) sorgen für eine positive Anspannung bei der 38-Jährigen, die bereits für den USC Freiburg in der 2. Bundesliga auflief. Aus dem Breisgau ist sie 2011 nach Magdeburg gezogen, nachdem ihr Mann einen Posten an der Guericke-Universität angenommen hatte. Inzwischen sind sie Eltern von drei Kindern: acht, sechs und zwei Jahre. „Es ist zu vermuten, dass die beiden Mädchen größer werden als ich, deshalb werden sie wohl auch Volleyballerinnen“, sagt Blanca Simon lächelnd.

Sie können von der Mama viel lernen. So wie die USC-Damen noch viel von Simon lernen können. Das Zukunftsprojekt des Vereins läuft sehr gut. Die Jugend kommt regelmäßig zum Einsatz, um Erfahrung zu sammeln und Stabilität zu gewinnen. Davon ist auch Simon ein großer Fan, nur Freifahrtscheine sollten deshalb nicht zwangsläufig verteilt werden. „Ziel muss es immer sein, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, sagt sie. Den Sieg also.

Den hat sie mit ihrem Team gegen den SC Potsdam II zuletzt eingefahren. Mit 3:1. Nach einer starken Leistung. Simon hat dabei mit der flachen rechten Hand den Ball aus dem Mittelblock abgewehrt. In jenem Satz, den ihr Team letztlich abgeben musste. Trotzdem war es ein wichtiges Zeichen – das Zeichen nämlich, dass nichts verloren ist. Sie resümiert zum Erfolg: „Es war eine kompakte Mannschaftsleistung, in der jeder den Blick nach vorn gerichtet hat.“ Auch in dieser Hinsicht geht Blanca Simon voran.