Magdeburg l Man muss eigentlich nur Anja Bechmann beobachten, und es wird klar, wie es um ihre Mannschaft steht. Da gibt es mal eine Aufmunterung, dann gibt es mal einen kritischen Blick, dann einen des Erstaunens und zwischenzeitlich bildet sich auch eine Sorgenfalte auf ihrer Stirn. Die Trainerin der USC-Volleyballerinnen lebt jede Aktion ihrer Regionalliga-Schützlinge in Mimik und Gestik mit. Und ist am Ende ebenso außer Atem. Wie gestern nach dem 3:1 (25:12, 31:29, 20:25, 25:22)-Sieg in heimischer Campus-Halle gegen den SC Potsdam II. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so deutlich gewinnen würden“, erklärte Bechmann. „Wir hatten uns eigentlich gesagt: Wenn es ein Punkt gegen den Tabellenzweiten wird, ist es gut.“

Die 35-Jährige hat oft darüber berichtet, wie schnell sich ihr Team von einem schwachen Moment runterziehen lässt. Sie musste sich auch in dieser Partie bestätigt fühlen – zumindest einen Satz lang, einen dritten Satz lang nämlich. Als relative Stille auf dem Feld herrschte, als sich viele Fehler einschlichen. Das hatte Bechmann nicht gemeint, als sie ihren Damen vor dem ersten Aufschlag erklärte: „Wir wollen bei uns bleiben, unseren Stiefel runterspielen.“ Aber der dritte Durchgang blieb die Ausnahme, ansonsten „hat es die Mannschaft genial gemacht“.

Polter beste Spielerin

So genial nämlich, dass es schwierig wurde, eine beste Akteurin bei den Gastgeberinnen auszumachen. Potsdams Trainer Björn Matthes hatte sich letztlich für Melanie Polter als Spielerin des USC-Spiels entschieden. Aus guten Gründen, die Bechmann nannte: „Melanie war wahnsinnig stark in der Abwehr und hat vorn gezaubert, immer mit dem Blick, was mit dem Block des Gegners passiert.“ Das kam wiederum nicht von ungefähr: „Sie hat wesentlich besser trainiert als noch vor Weihnachten.“

Das mag ein guter individueller Vorsatz für den begeisternden Start ins neue Jahr gewesen sein, vielleicht war es auch ein guter Vorsatz des Teams, mehr Emotionen ins Spiel zu bringen. Denn die waren im ersten, zweiten und vierten Durchgang unheimlich präsent. „Wir haben vor dem vierten Satz gesagt: Wir müssen lauter sein, denn dann geht die Sinuskurve auch wieder hoch. Ohne Stimmung ist es für uns schwer, aus einem Tief zu kommen“, berichtete Bechmann.

Dritten Satzball genutzt

Aber eigentlich war nichts schwer an diesem Tag. Zumindest gefühlt nicht. Auch nicht für die Jugendspielerinnen Jamie Katillus, Frieda Höllger oder Charlotte Prestel, die ihr Debüt gegeben hat. Letztere beiden setzte Bechmann in den ersten beiden Durchgängen ein. „Und es lief“, stellte die Trainerin fest. Erst als es eng wurde, brachte Bechmann nicht zuletzt mit Blanca Simon mehr Erfahrung aufs Feld. Wie zum Ende des zweiten Satzes, als der USC vier Satzbälle der Potsdamerinnen abwehrte und selbst den dritten vollendete.

Katillus oder Pia Stodal agierten dabei zuweilen großartig im Angriff, Laura Slabon und Polter hatten starke Momente in der Abwehr. Mara Kriebitzsch überraschte den Gegner mit Legern. Die Aufschläge kamen druckvoll, weshalb der Gegner Probleme hatte, den Rhythmus im Aufbau zu finden und deshalb seine große Schlagkraft nicht nutzen konnte. Und egal, wen und wann Bechmann einwechselte: Die Damen „waren sofort da“, freute sich die Trainerin.

So, wie die gesamte Mannschaft. Und so, wie auch Bechmann selbst, bei der die Aufregung noch einige Zeit nach dem letzten Ballwechsel zu spüren war. Ja, man hätte auch einfach Anja Bechmann ein Spiel lang beobachten können und hätte gewusst, wie es um ihre Mannschaft steht. Aber dann hätte man auch eine starke Leistung ihres Sechsers verpasst.